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Tanzen gegen Gewalt: Eine Gruppe des Jugendhauses „La Vida“ aus Wolfratshausen bei der Vorführung. 

„One Billion Rising“

Die Tölzer Marktstraße erhebt sich

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Mit Trommelrhythmen, Tanz und Information gegen Gewalt an Mädchen und Frauen: Die Aktion „One Billion Rising“ sorgte am Dienstag in der Marktstraße für Aufsehen.

Bad Tölz– Zunächst waren nur leise Trommeln in der Ferne zu hören. Dann wurden sie immer lauter und lauter, bis die Sambagruppe Sambavaria schließlich an der oberen Marktstraße angelangt war – der Auftakt für die Aktion „One Billion Rising“.

„In über 200 Ländern gehen heute Menschen auf die Straße und tanzen und singen laut gegen Gewalt“, rief Kreisjugendpflegerin Verena Peck in die Menge. Dass das wichtig sei, zeigen Zahlen: „Laut Weltgesundheitsorganisation ist jede dritte Frau Opfer von Gewalt, egal ob körperlich oder psychisch“, so Peck. Kerstin Barth, Geschäftsführerin des Kreisjugendrings, erzählte von einer beunruhigenden Studie: „60 bis 70 Prozent der Frauen in Deutschland sind von Gewalt betroffen. Das beginnt mit einem Hinterherpfeifen, geht über zu Beleidigungen, Stalking, körperlicher Gewalt.“ Es werde bereits viel getan, es gebe aber auch noch viel zu tun. „Wehrt euch. Was gegen euren Willen geschieht, ist nicht okay!“

Dann führte eine Gruppe des Jugendhauses „La Vida“ aus Wolfratshausen, angeführt von Lisa Hobelsberger, einen Tanz zu dem Lied „Break the chain“ („Zerbrecht die Kette“) auf. Dieses Lied wurde eigens für die Bewegung „One billion rising“ geschrieben. Während die Mädchen auf der Bühne tanzten, begannen auch die ersten Kinder im Publikum mitzuwippen. Bei der zweiten Aufführung des Liedes – durch Mitglieder des Realschul-Chors – tanzten dann schon einige Besucher in der Marktstraße mit – und ein Kleinkind wippte im Kinderwagen mit den Füßen im Takt. Zeitweise waren es mehrere hundert Menschen, die sich um die Bühne versammelt hatten.

Gebannt lauschten sie der Darbietung von Veronika Rieger, einer Poetry-Slammerin, die eigens zwei Gedichte für diesen Tag geschrieben hatte. Darin ging es um „Dinge, die ich leider irgendwann gelernt habe“, Geschlechterrollen, in die schon Kinder gepresst werden. Dabei wollten Mädchen nicht einfach nur Spaß haben, sondern vor allem Rechte: „Girls just wanna have fun. Nein. Girls just wanna have fundamental rights“, sagte sie.

Rund um die Bühne waren Schilder zu lesen, die die Kinder und Jugendlichen in den Jugendhäusern Bad Tölz und Wolfratshausen beschrieben hatten. Da stand zum Beispiel: „Meine Revolution ist, dass die Menschen so sein dürfen, wie sie sind“ oder „Meine Revolution ist, dass alle glücklich sind.“

Und wie kann die Revolution gelingen? Durch den „Schmetterlingseffekt“, sagte Karin Weiß, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises. „Auch eine Kleinigkeit kann Großes bewirken.“ Frauen müssten sich gegenseitig stützen und stärken. Das sagte auch ihre Stellvertreterin Felicitas Wolf. „Es ist ein sehr gutes Zeichen, dass ihr alle da seid“, sagte sie in die Menge. „Denn oft sind wir Frauen darin ungeübt, solidarisch zu sein. Aber wir sollten uns gegenseitig unterstützen.“

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