Eine Hand hält mehrere 500-Euro-Geldscheine in die Kamera.
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Knapp 60.000 Euro hat ein Mann aus dem Südlandkreis an Betrüger verloren.

Polizei warnt

Online-Betrüger bringen Mann aus Südlandkreis um knapp 60 000 Euro

  • Silke Scheder
    vonSilke Scheder
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Sie gehen äußerst professionell vor - und haben immer mehr Erfolg: Online-Betrüger. Die Fallzahlen gehen laut Polizeipräsidium Oberbayern durch die Decke. Auch einen Mann aus dem Landkreis hat es erwischt.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Online-Betrüger haben einen Mann aus dem Südlandkreis um knapp 60 000 Euro gebracht. Es handelt sich bei Weitem nicht um den einzigen Fall: Seit November verzeichnet das Polizeipräsidium Oberbayern Süd eine „enorme Steigerung bei Betrug mittels rechtswidrig erlangter Daten im Online-Banking“.

Gefälschte Internetseiten sehen Originalseiten der jeweiligen Hausbank zum Verwechseln ähnlich

Allein im Bereich des Präsidiums, zu dem auch der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gehört, beläuft sich der Beuteschaden in den vergangenen zweieinhalb Monaten auf knapp eine halbe Million Euro. „Die agieren wirklich professionell“, warnt Andreas Guske vom Sachgebiet Kriminalitätsbekämpfung/Prävention. Oftmals werde der Betrug per E-Mail eingeleitet. Darin enthalten: Links zu gefälschten Internetseiten, die den Originalseiten der jeweiligen Hausbank zum Verwechseln ähnlich sehen. Meist melden sich Guske zufolge die Täter auch noch telefonisch. Im Display des Kunden erscheine in der Regel sogar die Telefonnummer der eigenen Hausbank. „Das stellt heutzutage über das sogenannte ,Spoofing‘ leider kein Problem mehr dar“, sagt der Experte.

Ganz ähnlich erging es dem Mann aus dem Südlandkreis am 9. Januar. Guske zufolge wurde er in einer E-Mail aufgefordert, sein Konto wegen irgendwelcher Unstimmigkeiten zu verifizieren. Ein falscher Mitarbeiter der Sparkasse Bad Tölz rief an und fragte nach der Push-Tan. „Die Täter schauen vorher auf die Homepage und suchen sich den Namen eines Mitarbeiters aus“, erklärt Guske die Vorgehensweise. Das schaffe Vertrauen. Mit dem Hinweis, alles wieder in Ordnung bringen zu wollen, steige der psychologische Druck, sensible Daten herauszugeben.

Auch der Mann aus dem Südlandkreis nannte seine Push-Tan. Innerhalb kürzester Zeit wurden fast 60 000 Euro von seinem Konto abgebucht. Ob er sein Geld je wieder sieht, steht Guske zufolge noch in den Sternen. Die Kriminalpolizei Weilheim ermittle. „Die Täter haben möglicherweise aus dem Raum Spanien agiert“, verrät Guske. Dennoch sprachen sie geschliffen Deutsch.

Unter keinen Umständen die eigenen Login-Daten oder TAN-Nummern herauszugeben

Das Phänomen ist grundsätzlich nicht neu, heißt es in einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Dass die Fälle nun durch die Decke gehen, wie es Guske formuliert, liege auch an Corona: Pandemiebedingt stellten Telefon- und Onlinebetrügereien aktuell den effektivsten Weg dar, um an das Vermögen anderer Leute zu kommen. Die technischen Sicherheitsmaßnahmen beim Online-Banking sind aus Sicht der Polizei zwar sehr gut. Indem die Betrüger aber nicht bei der Technik, sondern beim Menschen ansetzten, würden die hohen Sicherheitsstandards unterlaufen.

Andreas Guske rät allen Verbrauchern, unter keinen Umständen die eigenen Login-Daten oder TAN-Nummern herauszugeben. „Diese beiden Dinge würde nie eine Bank abfragen“, betont der Experte. Wer den Verdacht hege, dass etwas nicht stimmt, solle sich außerdem nicht scheuen, unter 110 die Polizei zu kontaktieren.

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