Getrennt durch eine Plexiglasscheibe: Johannes Deißenböck (li.) von der Musikschule Trommelfell und sein Schüler Joachim Wöhrle
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Getrennt durch eine Plexiglasscheibe: Johannes Deißenböck (li.) von der Musikschule Trommelfell und sein Schüler Joachim Wöhrle

Bildungseinrichtungen in der Corona-Krise

VHS, Musikschule & Co.: Online-Kurse nicht immer die Lösung

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Seit gut einer Woche befindet sich der Landkreis im „Lockdown light“. Für Bildungseinrichtungen ist das wieder eine Herausforderung.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wirtshäuser, Bars, Kinos und Fitnessstudios müssen unter anderem geschlossen bleiben. Der Betrieb an Regelschulen dagegen soll am Laufen gehalten werden. Das gilt auch für Musikschulen, Kurse der Volkshochschulen (VHS) und des Kreisbildungswerks. Die Verantwortlichen tun alles dafür, damit das so bleibt.

„Die Hygienekonzepte werden ständig angepasst“, erklärt Andreas Käter, Leiter des Kreisbildungswerks (KBW) in Bad Tölz. „Teilnehmer müssen sich vorab für die Kurse und Vorträge registrieren, auch verkleinerte Gruppen sind notwendig.“ Dennoch bleibt das Angebot des KBW auch im November bestehen. „Mit kurzfristigen Änderungen muss man aber rechnen.“

Wichtig sei das Einhalten der Infektionsschutzmaßnahmen, sagt Johannes Deißenböck, Leiter des Musikzentrums „Trommelfell“ in Bad Tölz. In der Einrichtung werden Abstände eingehalten, bei Gesang und Blasinstrumenten sogar zwei Meter. Je nach Größe des Raums werden Plexiglaswände oder durchsichtige Rollups zwischen Schüler und Lehrer aufgestellt. „Gott sei Dank sind sie unauffällig und beeinflussen den Unterricht nicht“, sagt Deißenböck.

Auch in der Tölzer Sing- und Musikschule gelten jene Regeln wie vor dem „Lockdown light“: „Es ist schön, dass der Staat uns als Bildungseinrichtung definiert und wir den Unterricht fortführen können“, sagt Leiter Harald Roßberger. Kinder und Ensembles treffen sich weiterhin unter Einhaltung aller Hygieneauflagen (wir berichteten).

Nicole Müller-Pürzer von der „MÜsikwerkstatt“ in Lenggries ist bislang ebenfalls zufrieden unter diesen Umständen: „Wir kommen zurecht und können die Hygieneauflagen auf jeden Fall umsetzen.“  

Weil man nicht weiß, wie sich die Corona-Lage entwickeln wird, sind Online-Kurse vielfach wieder im Gespräch. „Es ist eine Alternative, die auf jeden Fall angedacht wird“, sagt Markus Stiegler, Leiter der Volkshochschule (VHS) in Bad Tölz. Bei Sportkursen zum Beispiel sei das aber nicht möglich. „Zudem müssen die Kursteilnehmer der Umstellung auf Online zustimmen“, sagt Stiegler. „Sie haben schließlich für Präsenzkurse bezahlt.“ Und nicht zuletzt dürfe man das fehlende soziale Miteinander nicht unterschätzen, sagt der VHS-Leiter.

Markus Rummel, Kirchenmusiker und zusammen mit seiner Frau Natalia Leiter der gleichnamigen Musikschule in Reichersbeuern, sieht das ähnlich. „Musik bedeutet für mich Verbindung und gemeinsame Erlebnisse, es ist mehr als eine schlichte Datenübertragung.“ Besonders Kinder seien auf Mimik, Gestik und Nähe angewiesen, pflichtet Natalia Panina-Rummel ihrem Mann bei. Zudem sei die Art der Musikstunde entscheidend. „Klavierunterricht ist sicher leichter online durchzuführen als eine Gesangsstunde oder Sprachkurse“, so Panina-Rummel. Dass die Eltern bei den Online-Kursen dabei sein können, ist aus Sicht der Musikerin ein Vorteil.  

Wie es auf lange Sicht weitergehen wird, könne niemand sagen. „Man muss einfach sehen, wie sich die Lage entwickelt,“ sagt Nicole Müller-Pürzer von der „MÜsikwerkstatt“. „Ich hoffe aber stark, dass Unterricht weiterhin möglich bleibt.“ Aufgeben werde man definitiv nicht so schnell.  (ana/müh)

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