+
Karfreitag, wie man ihn in Bad Tölz kennt: Hunderte Gläubige beschreiten den Kreuzweg auf dem Kalvarienberg. Heuer ist das nicht möglich.

Das bieten die Kirchen im Tölzer Land an

Ostern in der Corona-Krise: Gewohntes loslassen

  • schließen
  • Andreas Steppan
    Andreas Steppan
    schließen

Die Kirchengemeinden im Landkreis tun ihr Bestes, damit auch ohne die äußerlichen Rituale und physischen Kontakt in diesen Tagen eine Gemeinschaft entsteht. Hier ein Überblick.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Ostern findet heuer in den Herzen statt.“ Der Tölzer Stadtpfarrer Peter Demmelmair findet schöne Worte, um die Feiertage in schweren Zeiten zu umschreiben. Glücklich ist er damit freilich ganz und gar nicht. Die aktuelle Situation mache „in besonderer Weise deutlich, dass Kirche auf die Gemeinschaft angewiesen ist. Wir laben nicht von reiner Innerlichkeit.“

Pfarrverband Bad Tölz

Gemeinschaft lässt sich unter den strengen Regeln der sozialen Distanz auch zu Karfreitag und Ostern in Gemeinden noch am ehesten übers Internet herstellen. Über die Homepage des katholischen Pfarrverbands Bad Tölz werden laut Gemeindereferentin Brigitte Blösl am Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils um 8 Uhr Karmetten übertragen. „Sie werden in kleinem Rahmen gefeiert und ins Internet übertragen.“ Laut Demmelmair hat die Pfarrjugend außerdem einen Kreuzweg fürs Internet vorbereitet, „mit Darstellungen aus den verschiedenen Kirchen der Pfarrei“.

Am Karfreitag werden die Kreuze in der Franziskanerkirche verhüllt, so Brigitte Blösl weiter. In den Kirchen liegen außerdem Informationen für Hausgottesdienste aus, die sich jeder mitnehmen kann. Anders als gewohnt wird es kein Heiliges Grab am Kalvarienberg geben. Das habe auch die Diözese so angewiesen, sagt Blösl. Zum Ostersonntag wird Pfarrer Demmelmair einen Ostergruß als Videobotschaft auf der Homepage veröffentlichen.

Evang. Kirche Tölz

Für die Kinder, ihre „Zappelphilipps“, hat sich die evangelische Gemeinde Bad Tölz etwas Besonderes ausgedacht: Sie haben Postkarten erhalten mit einer Einladung, einen Videogottesdienst anzusehen. „Wir waren zu dritt in der Kirche und haben ein Bilderbuch vorgestellt“, sagt Dekan Martin Steinbach. Das 13-minütige Video kann unter youtu.be/Fn6vpKX0O8g aufgerufen werden.

Außerdem wird ein Ostergruß an die Gemeindemitglieder verteilt, gemeinsam mit dem Gemeindebrief. „Es ist noch der alte Brief, mit unserem Hauptthema Klima und Umwelt“, sagt Steinbach. „Von Corona sind wir böse überrascht worden.“ Trotzdem habe man beschlossen, das Thema beizubehalten. „Aber die Termine im Brief sind weitgehend hinfällig.“ Sobald bekannt sei, wann das kirchliche Leben wieder aufgenommen werden könne, werde es einen neuen Brief geben.

Wie gewohnt wird in der evangelischen Kirche die Osterkerze angezündet. Die Glocken werden um 6, um 12 und um 18 Uhr läuten. „Wir laden auch zum persönlichen Gebet ein“, sagt Steinbach. Schon bisher seien sonntags stets zur gewohnten Gottesdienst-Zeit vier bis fünf Gemeindemitglieder – mit dem nötigen Abstand – in die Kirche gekommen, um zu beten. „Es brennen dann die Altarkerzen, und ich spiele Musik ein“, sagt Steinbach, der auch auf die Angebote auf der Homepage und die im Fernsehen übertragenen Gottesdienste verweist.

St. Jakob Lenggries

Um trotz fehlender gemeinsamer Liturgien in Kontakt zu bleiben, gebe es auch in der katholischen Pfarrei Lenggries verschiedene Angebote, sagt Pastoralreferent Christoph Freundl. Über die Homepage werden drei Ansprachen gehalten: Durch Pfarrer Josef Kraller am Gründonnerstag (ab 19.30 Uhr), Rosmarie Meßmer am Karfreitag (ab 15 Uhr) und Freundl selbst am Karsamstag (ab 21 Uhr). „Die Kirche wird an den jeweiligen Tagen auch geschmückt sein wie zu den Gottesdiensten.“ Es seien Tage mit ganz besonderen, unterschiedlichen Stimmungen. Diese sollen für Besucher der Kirchen sichtbar sein. Schon am Gründonnerstag findet die Jugendagape statt – dieses Jahr über Video. „Die Teilnehmer haben die Gaben frei Haus und kontaktfrei zugestellt bekommen“, sagt Freundl. „Man muss neue Dinge ausprobieren. Das ist auch gut.“

Sonntag und Montag wird in der Lenggrieser Pfarrkirche und in den Kirchen in Wegscheid, Fleck und Fall das Osterlicht bereitgestellt. Jeder kann – allerdings nur mit einer eigenen Kerze – das Licht abholen und in sein Haus bringen. Außerdem sei jeder eingeladen, einen Hausgottesdienst mit Speisensegnung zu feiern. „Wir haben schon vom Palmsonntag einige Fotos aus Familien bekommen, die zeigen, dass wirklich schöne Feiern gemacht wurden“, sagt Freundl. Es sei schön, dass der alte Brauch des Hausgottesdienstes wieder auflebe.

St. Nikolaus Jachenau

„Die Gottesdienste an den großen Feiertagen in der österlichen Zeit muss ich leider unter Ausschluss der Gläubigen alleine in der Pfarrkirche feiern“, gibt der Jachenauer Pfarrer Pater Gracious bekannt: am Gründonnerstag um 19 Uhr, die Feier von Leiden und Sterben Jesu Christi an Karfreitag um 15 Uhr, die Feier der Osternacht um 21 Uhr und das Hochfest Auferstehung des Herrn am Ostersonntag um 9 Uhr. Gläubige aber dürften sich während der Gottesdienste ausdrücklich nicht in der Pfarrkirche aufhalten. „Ich lade Sie aber herzlich ein, dass Sie sich zuhause im Gebet mit der Feier verbinden.“, wendet sich Pater Gracious an die Katholiken.

PfarreiengemeinschaftBenediktbeuern

In Benediktbeuern wurde eine Sonderauflage des Kirchenanzeigers gedruckt, sagt Pfarrer Pater Heiner Heim. „Darin wird jedes Fest genau beschrieben.“ Der Anzeiger liegt in Kochel, Benediktbeuern und Bichl aus, ebenso wie die Hausgottesdienste. „Unsere Schaukästen haben wir mit Bildern und Themen bestückt.“ An Karfreitag stehen die Kreuze in der Kirche, es besteht die Möglichkeit, eine Kerze anzuzünden.

Oster-Aktion der Ordensgemeinschaft im Kloster Benediktbeuern

Am Sonntag wird dann die Osterkerze angezündet, von der sich die Gläubigen das Licht mit nach Hause nehmen können. Auch wird die Kirche geschmückt sein, wenn auch weniger als in anderen Zeiten. Heim: „Mehr ist dieses Jahr leider nicht möglich.“

Evang. Kirche Kochel

In Kochel bereitet sich das evangelische Pfarrer-Ehepaar Elke und Matthias Binder auf Karfreitag vor. Dann wollen sie um 15 Uhr, zur Sterbestunde Jesu, den 22. Psalm und die Passionsgeschichte lesen, dann schweigen und den Altar bis Ostern verhüllen.

Üben für den Karfreitag: Das Pfarrersehepaar Elke und Matthias Binder verhüllt den Altar der evangelischen Kirche in Kochel am See.

 Es gibt, so meinen sie in einer Mitteilung an die Gemeinde, manche Gründe zu trauern: Um die an Corona Gestorbenen, um die wegen Corona in Not Geratenen und auch über anderes Leid. Und nicht zuletzt Trauer um das ausgefallene gemeinsame Feiern des Osterfests. Aber: „Gott ist nicht abwesend. Er nimmt Anteil und gibt Halt.“ Das Mitfeiern sei auch ohne Kirchgang möglich. Man könne gut zur selben Uhrzeit innehalten, mitbeten und mitlesen.

PfarrverbandHeimgarten

„Die wichtigste Aussage lautet: Ostern findet statt, und wir feiern Ostern – auch in den Zeiten des Coronavirus“, betont der katholische Pfarrer von St. Tertulin in Schlehdorf, Simon Tyrolt. „Es kommt nicht auf das Datum an, sondern auf das, was wir an Ostern feiern: den Sieg des Lebens über den Tod – die Auferstehung Jesu – und damit verbunden die hoffnungsvolle Botschaft, dass auch uns nicht der Tod sondern das Leben blüht.“

Dass man die dazugehörigen Rituale nicht in gewohnter Weise begehen kann: „Ja, das ist schmerzlich“, sagt Tyrolt, „aber in diesen Tagen eben unvermeidlich.“

Um mit den Gläubigen in Verbindung zu bleiben, setzt auch das Seelsorgeteam im Pfarrverband unter anderem auf Videobotschaften oder Ostergrüße, die in den Kirchen ausliegen sowie online abrufbar sind. Zudem wurden laut Tyrolt zum 1. April Briefe an alle Pfarrangehörigen ab 70 Jahren versandt. „Der Kreuzweg wurde traditionell durch den Pfarrgemeinderat Schlehdorf/Großweil vorbereitet – nur eben den Umständen angepasst „online eingestellt als meditative Texte, die zum Nachdenken einladen“. Als Gebetseinladung läuten täglich – außer Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag – um 19.30 Uhr die Glocken, erklärt Tyrolt. So entstehe eine Gebetsgemeinschaft.

Pfarrverband Gaißach/Reichersbeuern

„Ostern heißt auch: Das annehmen, was gerade geschieht“, sagt der Reichersbeurer Diakon Joachim Baumann. Man müsse sich auf diesen spirituellen Prozess einlassen und auch gewohnte Bilder loslassen. Dann könne auch die Verwandlung von Gott her geschehen. „Die oberste Priorität hat jetzt die Gesundheit.“

Die Kirchen in Gaißach, Greiling und Reichersbeuern werden laut Baumann geschmückt, und es wird nach Weihrauch riechen. Am Samstag wird in Miesbach ein Osterfeuer entzündet. Von dort nimmt der Diakon das Licht zunächst mit nach Gaißach, wo die Osternacht um 21 Uhr traditionell beginnt. Dort soll ein Film entstehen, der am Ostermorgen auf der Homepage angesehen werden kann. Das Licht kommt dann auch nach Greiling und Reichersbeuern. Bei der Speisenweihe bittet er die Gläubigen, es ebenso wie mit den Palmbuschen zu halten und nicht etwa die Körbe in die Kirchen zu tragen. Jeder Getaufte und Gefirmte könne selbst um den Segen bitten.

Auch wenn es für viele Gläubige ungewohnt sei, auf die Gottesdienste zu verzichten: „Beim Beten geht es um die Beziehung zwischen Gott und einem selbst – und niemand anderem“, sagt Baumann. „Auch mir geht die Gemeinschaft ab. Aber jetzt geht es darum, die Situation ernst zu nehmen.“

Gerade die Botschaft zu Ostern, dass in allem Dunklen auch etwas Helles erkennbar ist, sei in dieser Zeit sehr wichtig. „Ich glaube an einen Gott, der an den offenen Wunden dieser Zeit nicht vorbeigeht, sondern sich dazustellt.“ So hebt Diakon Baumann die vielen Ehrenamtlichen hervor, die derzeit mit Hilfsangeboten dazu beitragen, die Not zu lindern. „Das ist alles Ostern. Und es wird uns stark machen.“ Er hofft, dass die vielerorts gezeigte Solidarität in die Zeit nach Corona weiterwirkt.

Pfarrei Sachsenkam

Pfarrgemeinderat und das Netzwerk Mitanand rufen unterdessen dazu auf, am Ostersonntag eine Osterandacht der anderen Art zu feuiern. Um 9  Uhr werden die Glocken geläutet. „Bitte kommt dann auf die Balkone und in die Gärten und haltet die Abstandsbeschränkungen unbedingt ein“, heißt es in der Einladung. Anschließend spielen in Sachsenkam und Piesenkam an mehreren Stellen einzelne Musiker im Dorf eine österliche Fanfare. „Im Anschluss singen wir gemeinsam ,Christ ist erstanden‘ (Gotteslob 318/19) mit Bläserbegleitung.“ Alle sind zum Mitsingen und Mitbeten eingeladen. Wer mitfeiern möchte, soll gerne seine Osterkerze mit auf die Balkone beziehungsweise in die Gärten bringen.

Bad-Tölz-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus dem Landkreis Bad Tölz - inklusive aller Entwicklungen rund um die Kommunalwahlen auf Gemeinde- und Kreisebene. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mountainbiker befahren extrem schmalen Steig - Wanderin entsetzt: „Mir kommen jetzt schon die Tränen“
Ein Konflikt zwischen Bergwanderern und Mountainbikern kocht am Grammersberg hoch. Im Mittelpunkt steht der schmale und gefährliche „Reitsteig“.
Mountainbiker befahren extrem schmalen Steig - Wanderin entsetzt: „Mir kommen jetzt schon die Tränen“
Tierheimen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen fehlen Einnahmen 
Ruhig ging es in den vergangenen Wochen in den Tierheimen im Landkreis zu. Geöffnet war nur für Notfälle – zum Beispiel wenn Fundtiere abgegeben wurden. Ansonsten war …
Tierheimen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen fehlen Einnahmen 
Fachklinik Bad Heilbrunn: „Froh um jeden Tag ohne Covid-19-Fall“
Die Corona-Pandemie hat den Alltag in allen Kliniken auf den Kopf gestellt – selbst wenn die einzelnen Häuser auf den ersten Blick wenig mit Infektionskrankheiten zu tun …
Fachklinik Bad Heilbrunn: „Froh um jeden Tag ohne Covid-19-Fall“
Tölz live: Tölzer Parkhaus wird Anfang Juni teilweise gesperrt
Kleiner Blechschaden da, großer Stau dort, eine Gewitterfront zieht an, ein tolles Konzert startet in Kürze. Hier gibt‘s unseren Newsblog direkt aus der Redaktion.
Tölz live: Tölzer Parkhaus wird Anfang Juni teilweise gesperrt

Kommentare