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Ein Mann und sein Esel: Willi Weitzel wanderte auf den Spuren der heiligen Familie von Nazareth nach Bethlehem, um zu erfahren: Wie weit und beschwerlich ist das eigentlich?

„Outdoor & Adventure Festival“

Willi will’s wissen – aber am liebsten live

Bad Tölz – "In vier Wochen Bergsteigen fragt man sich öfter, ob das sinnhaft oder sinnlos ist.": Der Reporter berichtet im Kurhaus von seinen Reisen über die Alpen, durch Israel und den Isarwinkel.

Willi Weitzel hält am Sonntag, 6. März, (13.30 Uhr) beim 8. „Outdoor & Adventure Festival“ einen Multimedia-Vortrag im Tölzer Kurhaus. In der Kinder-Wissenssendung „Willi will’s wissen“ erklärte er unter anderem, wie Babys in die Welt kommen, was Unternehmer unternehmen und wer die Achter in die Bahn biegt. Trotz der vielen Preise für die BR-Produktion kehrte Weitzel dem Fernsehen den Rücken und arbeitet seitdem als Welterforscher. Wie es dazu kam, erklärt der 43-Jährige im Interview mit dem Tölzer Kurier. Und er beichtet eine illegale Aktion im Isarwinkel.

Herr Weitzel, was dürfen die Tölzer Zuschauer am Sonntag bei dem Vortrag erwarten?

Auf jeden Fall werde ich erzählen, wie ich mit einem Esel von Nazareth nach Bethlehem gewandert bin. Die Weihnachtsgeschichte war mir zu abstrakt, ich wollte sie nachstellen und selbst erfahren: Wie weit und wie beschwerlich ist das eigentlich? Das war ein zeitloses Erlebnis. Außerdem werde ich von meiner Wanderung nach Venedig berichten. In einem Sommer war ich an der Isar spazieren und habe mir dann vorgenommen, einmal viel weiter zu gehen und die Alpen zu überqueren.

Dann sind sie ja durch Tölz gekommen.

Ja, ich bin dort abends angekommen und habe Käsespätzle gegessen. Dann ging’s isaraufwärts noch eine halbe Stunde weiter, bis ich mich irgendwo in die Büsche geschlagen habe. Ich habe links und rechts geguckt, denn das war illegal. Also (lacht), sollten noch Spuren von meinem Zelt zu sehen sein, werde ich die Kosten der Gemeinde erstatten.

Was haben Sie von Ihrer Reise persönlich mitgenommen?

In vier Wochen Bergsteigen fragt man sich öfter, ob das sinnhaft oder sinnlos ist. Ich muss zugeben, dass ich oft mit der Einsamkeit gekämpft habe. Allerdings hatte ich auch schöne, intensive menschliche Begegnungen auf meiner Reise.

Welche zum Beispiel?

Man hat mich im Kuhstall übernachten lassen. Ein Viehhirte hat mich bekocht. In Italien habe ich ein Fahrrad geschenkt bekommen. Wenn man so lange zu Fuß unterwegs ist, wird man derart entschleunigt, man entwickelt einen guten Draht zu sich selbst, eine gute Intuition. Beim Blick ins Tal wurde mir klar, wie groß und vielfältig die Welt ist. Bei mir kamen solche Glücksgefühle hoch, dass ich sagen musste: Ich folge dem Ruf der Freiheit und höre auf mit „Willi will’s wissen“.

Die Entscheidung ist am Berg gefallen?

Ja, ich habe das dem BR dann bald mitgeteilt. Ich habe auf dieser Wanderung einen neuen Lebensstil entwickelt.

Statt vor der Kamera stehen Sie jetzt auf der Bühne. Das Geschichtenerzählen hat Sie also nicht losgelassen.

Da schlägt eben mein Reporterherz. Eine Reise ist für mich erst abgeschlossen, wenn ich darüber berichtet habe. Ich überlege immer, wenn ich unterwegs bin: Was ist mitteilenswert? Bei den Öffentlich-Rechtlichen habe ich gelernt, das Thema wichtiger zu nehmen als mich selbst.

Zum Beispiel als Sie vor zwei Jahren zusammen mit ihrem Bruder mit einem Lkw an die syrische Grenze gefahren sind, um dort Kindern zu helfen?

Die Politik sagt ja immer, man muss den Menschen vor Ort helfen. Es sollte eine mediale Demonstration sein, dass man helfen kann, wenn man will. Die Aktion war sehr rührend, aber auch sehr anstrengend. Sie stand mehrmals vorm Scheitern. Wir haben deutschen Kindern in Schulen erzählt, wie schlecht es den Kindern in Syrien geht. Schulranzenweise haben die uns ihre Sachen gegeben: Stifte, Hefte, Radiergummis. Wir haben auch Hygiene-Artikel und Klamotten runtergefahren.

Apropos Kinder: Ihr Vortrag ist auf sie zugeschnitten oder?

Ja, jeder Fünfjährige versteht das und kann das miterleben. Aber ich bekomme auch von den Erwachsenen oft das Feedback: „Endlich hab ich das mal kapiert.“

Wie kommt man als Moderator bei Kindern an?

Ich knie mich hin, versuche, die Welt durch ihre Augen zu sehen. Kinder sind näher dran an den Ameisen und schauen den Erwachsenen in die Nasenlöcher. Als freier Mitarbeiter des Starnberger Merkur musste ich einst über einen Haushaltsplan berichten. Ich habe nichts verstanden. Ich denke, ich bin von meiner Art her Kindern näher als Erwachsenen. Ich bemühe mich selbst oft, erwachsen zu sein, aber es funktioniert nicht immer.

Tobias Gmach

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