Die Folk-Band Mountain Lake Vista aus Holzkirchen, Bad Tölz und München mit (v.li.) Sebastian Schaal, Vinzenz Semmler, Tobias Gmach und Giustina Gabelli. 
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Die Folk-Band Mountain Lake Vista aus Holzkirchen, Bad Tölz und München mit (v.li.) Sebastian Schaal, Vinzenz Semmler, Tobias Gmach und Giustina Gabelli. 

Kultur

Pandemie bremst lokale Bands aus: So gehen Hobbymusiker mit der Situation um

  • vonInes Gokus
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Die Bühnen sind geschlossen, die Probenräume verwaist: Der harte Lockdown hat es unmöglich gemacht, miteinander Musik zu machen oder gar aufzutreten. Wie gehen die zahlreichen Hobbymusiker mit der Situation um? Haben sie Alternativen gefunden?

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Wir waren schon letztes Jahr auf Sparflamme, und seit November proben wir gar nicht mehr - allmählich sind wir schon richtig heiß drauf,“ berichtet Willi Streicher, Schlagzeuger der Band „Next to nothing“. Normalerweise kommen die vier Mitglieder einmal wöchentlich in ihrem Proberaum in der ehemaligen Lenggrieser Kaserne zusammen, um zu jammen oder an Musikstücken zu feilen. Das fehlt, genauso wie das freundschaftliche Treffen. „Seit Jahren ist die wöchentliche Bandprobe heilig,“ sagt Streicher. „Wir leiden schon richtig, und hoffen, dass wir bald wieder miteinander spielen dürfen.

Immerhin, ein bisschen „Hausmusik“ gibt es bei Sängerin Elisabeth Danzer und „Point 11“ Bandkollege, Bassist Peter Koller. Sie treffen sich unregelmäßig zu zweit, um miteinander zu musizieren. Sie spielen einfach „schöne Sachen nach,“ sagt Danzer, die dann auch in die Gitarrensaiten greift. Sie tut sich vergleichsweise leicht mit der unfreiwilligen Probenabstinenz, denn sie nutzt fleißig ihren Youtubekanal, auf dem sie selbst geschriebenen Songs vorstellt. „Somit bin ich autark“, sagt Danzer. Allein im vergangenen Jahr hat sie sieben Stücke mit ihrem Handy aufgenommen und ist ganz begeistert von der technischen Qualität. „Musik machen ist einfach gut für die Seele“, da ist sich die bekannte Isarwinkler Musikerin sicher.

Elisabeth Danzer (li.) und Sonja Schroth sind gemeinsam „s’Elysion“. „Kein Gestreame der Welt kann gemeinsames musizieren ersetzen“, sagt Schroth.

Das sagt auch Sonja Schroth. Mit ihr zusammen spielt Elisabeth Danzer in einer anderen Formation namens „s’Elysion“. „Kein Gestreame der Welt kann gemeinsames musizieren ersetzen“, findet die 50-jährige Penzbergerin, die außerdem als Musiklehrerin in Lenggries arbeitet und seit einiger Zeit die weibliche Verstärkung im Trio „d’Housemusi“ ist. Corona hat sie durchaus schwer getroffen, denn die Band hatte einen gut gefüllten Terminkalender. „Wir hatten ein tolles Zwei-Stunden-Programm beisammen, und durch die Pause müssen wir uns so einiges wieder erarbeiten“, bedauert Sonja Schroth.

Ist virtuelles Proben keine Option? „Kann man vergessen zu dritt. Da bleibt zu viel auf der Strecke.“ Sie geht davon aus, dass es noch lange nicht wieder so wird wie vor Corona. „Auftritte vor maskiertem Publikum sind nicht so einfach. Wenn man die Reaktionen auf den Gesichtern nicht sieht, wird man viel eher unsicher.“ Sie ist aber ebenfalls kreativ, hat einige ihrer Songs im Home-Tonstudio aufgenommen und hofft, dass irgendwann vielleicht mal eine CD daraus wird.

Die Band „Next to nothing“ mit (v. li.) Dieter Ritschl, Alex Ohly, Helmut Weichinger und Willi Streicher.

Sepp „Bodo“ Kloiber aus Gaißach ist ebenfalls kein Fan vom virtuellen Leben. Dennoch hat er online Gitarrenunterricht gegeben. Und er hat ein paar Schlupflöcher gefunden, die es ihm auch im Lockdown ermöglicht haben, vor Leuten zu spielen. „Dreimal hab ich auf privaten Einladungen in Familien spielen dürfen, das war völlig legitim“, erzählt Kloiber. „Außerdem kann ich manchmal in der Kirche spielen, bei Andachten und auf Beerdigungen.“ Der 56-jährige sieht, dass viele Musikerkollegen „stimmungsmäßig durchhängen“ ohne ihr geliebtes Hobby. Statt seiner regelmäßigen Auftritte spielt und singt „Bodo“ jetzt daheim für sich und probiert sich aus, und zwar in allem, was ihm selber gefällt aus Jazz, Pop und Klassik.

Ganz anders dagegen geht die Formation „Mountain Lake Vista“ mit der ungewohnten Lage um. Die fünf Musiker haben technisch aufgerüstet und verfügen nun über Equipment, mit dem sie per Videochat und Aufnahmesoftware live aufnehmen und sich gegenseitig Feedback geben können. „Das ist wenigstens ein bisschen Bandfeeling“, erklärt Gitarrist und Sänger Tobias Gmach – auch, wenn es das gemeinsame Tüfteln und Besprechen freilich nicht ersetzen könne.

Seit über einem Jahr wartet die Band drauf, ihr Album „Wayfarer“ bei einem „Release“-Konzert vorzustellen. Zwei anberaumte Termine fielen dabei Corona zum Opfer, ebenso wie die anderen Auftritte. Etwa 20 im Jahr sind es immerhin. Nun sind durch die wöchentlichen virtuellen Proben bereits sechs neue Songs dazu gekommen, der Titel „Three Rivers“ ist demnächst auf den gängigen Streaming-Portalen zu finden. Übrigens: Die Hoffnung ist groß, auch wenn es momentan noch unwägbar ist: Nach wie vor plant „Mountain Lake Vista“ ihr Album am 2. Mai im Arzbacher Kramerwirt das erste Mal vor Publikum zu spielen.

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