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Entscheidung von Papst Franziskus wird teils kritisch gesehen. 

Katholische Kirche

Papst-Schreiben wird an der Basis kritisch gesehen 

Der Papst hat der Lockerung des Pflichtzölibats und der Diakonenweihe von Frauen eine schriftliche Absage erteilt. Sowohl an die Basis der katholischen Kirche als auch Kirchenvertreter aus dem Landkreis üben daran Kritik. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Papst Franziskus hat der Lockerung des Pflichtzölibats und der Diakonenweihe von Frauen in einem Schreiben eine Absage erteilt. Das wird an der Basis der katholischen Kirche kritisch gesehen.

„Entsetzt und enttäuscht“ ist die Tölzer Pfarrgemeinderatsvorsitzende Angelika Lindmair, die nach den vielen Diskussionen um den Synodalen Weg gedacht hätte, „dass wir schon viel weiter sind. Das ist ein Rückschritt.“ Lindmair kann sich auch vorstellen, dass der von Kardinal Reinhard Marx angekündigte Rücktritt vom Amt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz mit Roms Entscheidung zu tun hat. Der viel diskutierte Synodale Weg werde durch das Schreiben des Heiligen Vaters untergraben.

„Gesellschaft wird noch säkularer“

Auch die Reichersbeurer Pfarrgemeinderätin Barbara Landler sieht eher einen Schritt zurück statt „der positiven Signale, die wir jetzt brauchen“. Sie hält die Papstentscheidung für nicht zeitgemäß und ist irritiert. Vergangenes Jahr, so erzählt sie, seien Ordensschwestern aus der Peru-Mission zu Gast in Reichersbeuern gewesen. Die Schwestern seien schon in den 1960er-Jahren vom Heiligen Stuhl mit missionarischen Diensten beauftragt worden. „Das kann ich nicht nachvollziehen.“ Landler befürchtet nun noch mehr Polarisierung in der Kirche und hat Sorge, dass am Ende gar eine Kirchenspaltung steht.

Schritt zurück statt positivem Signal 

Die Tölzer Gemeindereferentin Brigitte Blösl greift aus dem Rom-Schreiben Artikel 99 heraus. Immerhin spreche der Papst da den „starken Frauen“ in Amazonien, die teils jahrzehntelang ohne Priester die Glaubensgemeinschaften am Leben erhalten hätten, seine Bewunderung aus. Blösl liest dies auch als Ermutigung weiterzumachen. Eine echte Legitimierung sei es freilich nicht.

Der Tölzer Pfarrer Peter Demmelmair hätte sich gerade bei der Problemlösung für das priesterliche unterversorgte Amazonasgebiet „etwas anderes vorgestellt“. Das Gut der Eucharistie und das Bringen der Sakramente zu den Menschen sei „Herrenwort“ und höher anzusiedeln „als die Frage, wie christusförmiges Leben für Priester auszusehen hat“.

„Der Papst hat zwar Herz am rechten Fleck, aber Angst, dass es die Kirche zerreißt.“

Der Papst, betreibt Cornelia Irmer aus Geretsried Ursachenforschung, habe zwar das Herz am rechten Fleck, aber wohl Angst, dass es die Kirche zerreißt. Der Druck der Konservativen im Vatikan sei zu stark geworden. Für die frühere Bürgermeisterin seien Frauen, die sich wie sie seit Langem in der Kirche engagieren, vor den Kopf gestoßen worden. Dabei sei im Konzil so viel Positives angeklungen. „Durch die jüngste Entscheidung wird eine Tür zugeschlagen. Viele werden sich abwenden. Unsere Gesellschaft wird noch säkularer werden.“

„Nein“, sagt die Wolfratshauser Pfarrgemeinderatsvorsitzende Cornelia Schrills, gar so dramatisch seien ihrer Meinung nach die Aussagen von Papst Franziskus nicht zu bewerten. „Es ist keine totale Absage. Das hätte es auch sein können“ Steter Tropfen werde den Stein höhlen.

Zufrieden ist sie aber auch nicht, gerade im Hinblick auf Deutschland. „Ich hätte mir schon eine Aussage zur Rolle der Frau in der Kirche gewünscht.“ Mehr Gleichberechtigung bedeute für sie nicht unbedingt gleich die Weihe zu Diakon oder Priesterin. Tatsächlich spiele die Frau im Kirchenalltag immer noch eine „absolut untergeordnete Rolle. Ich kenne keine Position, wo die Frau auf Augenhöhe mit einem Priester agiert“. Und ohne Anweisung von oben „funktioniert es halt leider nicht“.

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