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Parker Quartet erobert Publikum im Sturm

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Musiker von allererstem Rang: Das Parker Quartet fühlte sich auf der Bühne des Tölzer Kurhauses sichtlich wohl. arp

Schon nach dem ersten Stück brandete im Kurhaus tosender Applaus der knapp 200 Zuhörer auf. Das Parker Quartet aus Boston eroberte das Tölzer Publikum im Sturm. Der Auftaktabend für „Quartettissimo“, eine neue Konzertreihe für Streichquartette, wurde ein überwältigender Erfolg.

Bad Tölz – Daniel Chong und Ken Hamao (Violine), Jessica Bodner (Viola) und Kee-Hyun Kim (Violoncello) begannen ihr Konzert mit Mozart. Schon mit den ersten warmen, leichten, harmonischen Klängen nahmen die Musiker von allererstem Rang das Publikum vollkommen für sich ein. Goethe kamen Streichquartette vor wie Gespräche von vier vernünftigen Leuten, hatte Susanne Kessler in ihrer Konzerteinführung im Salettl des Kurhauses erklärt. Das zelebrierten die Grammy-Gewinner mit filigraner Virtuosität.

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Auf den ungewöhnlichen Mozart folgte Janaceks nervenzerfetzendes Streichquartett „Kreutzersonate“, eine Vertonung von Tolstois gleichnamiger Novelle. Darin bringt ein Ehemann seine Frau um, weil sie mit ihrem Musiklehrer Beethovens Sonate einstudiert. Das Parker Quartet führte das Werk mit immenser Intensität auf, das Thema Eifersucht fand seine Höhepunkte in harten Pizzicati und schrillen Klängen, die die wenigen Harmonien zerstörten.

In der Pause waren hocherfreute Gesichter zu sehen. Einige jugendliche Musiker hatten die Freikarten genutzt, die an Schulen und Musikschule ausgegeben worden waren. Sophie Kiening, mehrfache Gewinnerin mit der Bratsche bei „Jugend musiziert“, zeigte sich tief beeindruckt vom außergewöhnlichen Zusammenspiel der vier US-Amerikaner.

Es folgte noch Beethoven mit seinem Streichquartett in e-Moll. Dank des Parker Quartets wurden die Zuhörer in die Höhen und Tiefen der menschlichen Seele geführt. Das Molto Adagio des zweiten Satzes wirkte tranceartig.

Dagegen preschten die Vier im Finale in rasendem Galopp davon. Wie in der Einführung erklärt, ist Beethovens Verwirrspiel um die Taktart hochraffiniert. Für die Musiker aber war es eine reine Selbstverständlichkeit.

Das Publikum überschüttete das Ensemble am Ende mit langem, schließlich stehendem Applaus und bekam noch zwei Zugaben von Debussy und Ravel.

Bratschistin Jessica Bodner zeigte sich im Gespräch mit Kulturreferent Christof Botzenhart begeistert von der Stadt Bad Tölz, vom Kurhaus als Raum für Kammermusik und vom konzentrierten Publikum. Dabei verbrachte das Quartett nur rund 24 Stunden an der Isar, zwischen einem Auftritt in St. Pölten und dem Rückflug in die USA. Die Musiker hatten eine zehntägige Konzertreise durch Europa gemacht und waren für eine CD-Aufnahme in London gewesen.

Konzertorganisator Christoph Kessler hatte das Parker Quartet schon vor über einem Jahr bei einem Festival für die Tölzer Konzertreihe gewinnen können. Der Abend bereitete große Vorfreude auf die kommenden Konzerte, die weitere begeisternde Stücke und Musiker ins Kurhaus bringen werden. (Birgit Botzenhart) 

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