Haben sich während der Pandemie in der Asklepios-Klinik kennengelernt: Michael Kühn und Christina Münzer.
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Haben sich während der Pandemie in der Asklepios-Klinik kennengelernt: Michael Kühn und Christina Münzer.

Corona Auswirkungen?

Partnersuche zur Zeit der Pandemie? Singles aus dem Tölzer Land berichten ob‘s funktioniert

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Abstand halten statt Händchen halten, Kontaktbeschränkungen statt Kontaktaufnahme: Zu den Auswirkungen der Pandemie gehört es auch, dass Alleinstehenden die Partnersuche erschwert wird. Trotzdem: Es kann auch in Zeiten von Corona funken.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Für viele Singles, die einen Partner fürs Leben suchen, sind die Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung hart. Bars und Clubs haben geschlossen, die Menschen halten sich weniger in der Öffentlichkeit auf, und man lernt selten neue Leute kennen. Keine guten Voraussetzungen für den Wunsch nach Schmetterlingen im Bauch. Daher boomen gerade Online-Partnerbörsen, Dating-Apps und Single-Social-Media-Gruppen wie etwa der lokale Facebook-Zusammenschluss „Singles in Bad Tölz-Wolfratshausen und Starnberg“. Hier können sich Alleinstehende zumindest virtuell umsehen, was der Singlemarkt zu bieten hat.

Schließung der Bars und Discos erschwert Partnersuche

„Mir gehen die Veranstaltungen wie Burschenfeste oder Feiern sehr ab. Da kommen viele Menschen zusammen, sodass es leichter ist, jemanden kennenzulernen“, sagt Maria Blöckner aus Königsdorf. Das stellt auch Maria Kremsreiter fest: „Als Bars und Discos noch offen hatten, war es definitiv einfacher“, so die 25-Jährige aus Jachenau. Trotz der gebotenen Vorsicht würde sich Blöckner dennoch auf ein Date verabreden. „Aber irgendwie kommt bei mir keine wirkliche Lust auf, denn Online-Portale sind weniger geeignet, um eine Beziehung zu finden.“ Auch Kremsreiter hat bemerkt, dass „die meisten Männer auf Dating-Apps eher nach was Lockerem suchen“. Man komme über das Schreiben zwar mit einigen in Kontakt, jedoch entstehe selten ein echtes Rendezvous aus dem Chat.

Melanie Penzkofer

Auch Melanie Penzkofer aus Wolfratshausen hat schon Erfahrungen mit Online-Portalen gesammelt. „Als Frau bekommt man viele Reaktionen, nur leider inhaltlich immer sehr überschaubar“, berichtet die 42-Jährige. Ein Date kam bei ihr „mangels Reaktion und Kommunikation“ so nie zustande. Dies sei jedoch auch schon vor der Pandemie so gewesen. „Wer nur an schnellen unverbindlichen Erfahrungen interessiert ist, kann diese so durchaus haben. Das ist aber nichts für mich.“ Vor allem im Alltag, stellt Blöckner fest, sei es schwieriger geworden, da ein Lächeln und die Mimik zum Flirten fehlen. „Gefühlt ist man gerade eher Einzelgänger als Single“, sagt die 31-Jährige.

„Onlinedating momentan die einzige Möglichkeit“

Martin K. aus Geretsried ist erst seit Mai wieder solo. Davor war er neun Jahre vergeben. Er merke jedoch, dass „jeder im Supermarkt oder anderen öffentlichen Orten sehr auf sich konzentriert ist“. So komme man kaum in Kontakt. Online-Dating ist für den 40-Jährigen keine nützliche Alternative. Denn: „Gutaussehende Frauen antworten selten, da sie sehr viele Nachrichten von Männern bekommen.“ Zusätzlich würden Antworten oft „plump“ ausfallen. „Da wird man oft von Anfang an über einen Kamm geschert.“ Dennoch merkt er, dass es „momentan die einzige Möglichkeit“ sei.

Solveig Eger aus Jachenau berichtet, dass sich das Online-Dating sehr geändert habe „die meisten wollen das Sexuelle immer gleich abklären“. Vor Corona sei sie oft in München mit Freundinnen unterwegs gewesen, „da war es viel leichter, Kontakte zu knüpfen und zu flirten. Jetzt verhindert das Tragen der Maske das stark. „Da geht viel verloren“, meint die 62-Jährige. Aktuell sei ihr jedoch das Risiko mit Blick auf die Pandemie zu hoch, um jemand Neues zu treffen. „Ich gehöre zur Risikogruppe. Außerdem kann man auch als Single glücklich sein“, sagt sie und gibt den Tipp: „Beim Gassi-Gehen mit dem Hund kommt man nach wie vor noch in nette Gespräche mit anderen Hundebesitzern, und das an der frischen Luft.“

Belastung wegen Corona aktuell zu hoch für Dating

Marinus Jennerwein aus Bad Tölz ist niedergeschlagen von dem zweiten Lockdown. Sowohl privat als Single als auch beruflich als Koch treffen ihn die Maßnahmen hart. „Der zweite Lockdown ist für mich unverständlich und macht mich sehr traurig. Dating ist für mich gerade unmöglich.“ Der 30-Jährige würde zwar gerne einen Menschen treffen, „mit dem ich Intimität und Zuneigung austauschen kann“, aber das gehe aufgrund der aktuellen Belastung schon mental nicht. Zu hoch sind seine Sorgen um den Job und die zu zahlenden Rechnungen. Dennoch meint er: „Die Männerwelt muss einfach kreativer werden. Würde ich gerade eine Frau daten, würde ich mit ihr spazieren gehen oder meine Wohnung in ein Restaurant für sie verwandeln.“

Schmetterlinge im Bauch - trotz Corona

Doch trotz der bedrückenden Lage für manche Singles gilt immer noch der Spruch: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Das lebende Beispiel dafür sind Michael Kühn und Christina Münzer aus Tölz. Die beiden haben sich während der Pandemie kennen- und liebengelernt. Und das sogar ganz ohne die Hilfe von Tinder, Lovoo und Co. „Ich war zum Probearbeiten in der Asklepios-Klinik“, berichtet die 26-Jährige. Ihr jetziger Freund Michael Kühn (42) sei damals schon im Krankenhaus angestellt gewesen. „Wir haben oft zusammengearbeitet, und dann hat es einfach gefunkt“, sagt sie. „Ich weiß, dass es gerade schwierig ist, einen Partner zu finden, aber zum Glück nicht unmöglich.“

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