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Mühlfeldchor, Solisten und Musiker führten am Samstagabend die Passionsgeschichte in der Mühlfeldkirche auf. 

Mühlfeldkirche

Passion aus anderem Blickwinkel

„Stabat Mater“ ist der Titel einer Passionsgeschichte, die in einem fließenden Arrangement aus Liedern, Musikstücken und Szenenspiel am Samstagabend in der Mühlfeldkirche aufgeführt wurde. Die Frauen um Jesus standen diesmal im Mittelpunkt der Handlung, die Josef Radauer – vielen bekannt als musikalischer Leiter des Tobi-Reiser-Ensembles – künstlerisch aufbereitet hat.

Bad Tölz – Es ist ein unheilvoller und beängstigender Traum, den Maria träumt. Ihr Sohn zieht umjubelt von der Menschenmenge in Jerusalem ein. Ob das nicht ein Schritt zu weit ist? Ob das die Mächtigen im Lande, denen der Heilsverkünder ein Dorn im Auge ist, so einfach hinnehmen werden? Johannes, Maria Magdalena und Veronika dagegen sind noch voller Euphorie über die neue Zeit, die im Sinne von Jesu Lehre nun anbrechen soll. Doch schon bald wendet sich das Blatt, und Marias düstere Vorahnung bewahrheitet sich.

„Stabat Mater“ ist der Titel dieser Passionsgeschichte, die in einem fließenden Arrangement aus Liedern, Musikstücken und Szenenspiel am Samstagabend in der Mühlfeldkirche aufgeführt wurde. Die Frauen um Jesus standen diesmal im Mittelpunkt der Handlung, die Josef Radauer – vielen bekannt als musikalischer Leiter des Tobi-Reiser-Ensembles – künstlerisch aufbereitet hat. Es ist Radauers Konzept, den Besuchern die Leidensgeschichte aus verschiedenen Blickwinkeln nahezubringen. Bei zwei früheren Passionssingen waren einmal der jüdische Pharisäer Nikodemus und das andere Mal „Petrus, der Fels“ die zentralen Figuren gewesen.

Aus dem Salzburgischen nach Bad Tölz mitgebracht hatte Radauer auch heuer wieder die Darsteller, die Pongauer Bläser, den Organisten Andreas Gassner und nicht zuletzt den komplett neu besetzten Salzburger Dreigesang. Erstmals zum Kreis der Mitwirkenden zählte das neu gegründete Radauer-Ensemble, das in instrumentaler Übereinstimmung so etwas wie eine Nachfolgegruppe des in Zukunft kürzer tretenden Tobi-Reiser-Ensembles ist. Mit eingebunden in den musikalischen und szenischen Ablauf war aber auch der Mühlfeldchor unter Leitung von Christl Frei.

Das Besondere an diesen Arrangements ist zudem die nahezu nahtlose und einvernehmliche Verbindung von neuen und alten Musikwerken, von Volksmusik und klassischen Kompositionen, von Dreigesang und Chor. „Maria voll der Sorgen“ hieß etwa eine ahnungsschwere Weise, die die Pongauer Bläser intonierten, bevor der Ruf „Ans Kreuz mit ihm“ erscholl und musikalisch vom Mühlfeldchor und dem Radauer Ensemble aufgegriffen wurde.

Das Leiden des Verurteilten auf dem Kreuzweg mitansehen zu müssen, trifft seine Mutter, Maria Magdalena, Veronika und Johannes tief ins Herz, dennoch bleiben sie bis zu seinem Tod in seiner Nähe – anders als die zuvor so treu ergebenen Jünger, von denen, wie die Frauen feststellen müssen, in den schweren Stunden keiner mehr an der Seite des Herrn ist.

Mit dem „Stabat mater“ von Zoltan Kodaly besang der Mühlfeldchor die Schmerzen Mariens, und Maria Brunauer in der Rolle der Maria Magdalena trug in ihrem Part als Mezzosopran-Solistin das „Fac ut ardeat“ aus Antonio Vivaldis „Stabat mater“ vor. Den an der Verurteilung beteiligten Hohepriester Kaiphas allerdings plagen plötzlich Zweifel: „Wann da wirklich was stimmt, dass Jesus mit Gott was zum doa hat, dann hob i nix mehr zum Suacha auf dera Welt“, treibt ihn sein schlechtes Gewissen.

Für die Frauen kommt nach aller Not und Pein die beglückende Wendung: Das Grab ist leer, der Herr ist auferstanden. „Jetzt ham ma die Gewissheit, dass alles stimmt, was er uns gsagt hat“, überbringt Maria Magdalena die erlösende Botschaft. Mit „Also hat Gott die Welt geliebt“ und „Du lässt den Tag, o Gott, nun enden“ klang das Passionssingen in der vollbesetzten Mühlfeldkirche aus – wie eingangs gewünscht ohne Applaus, in Stille und Nachdenklichkeit. 

Rosi Bauer

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