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Patienten im Bereich Psychiatrie haben neue Anlaufstelle in Bad Tölz

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Von: Andreas Steppan

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Das Team des neuen Medizinischen Versorgungszentrums in Bad Tölz (v. li.): Prof. Michael Landgrebe, Michaela Reindl, Dr. Arnold Torhorst, Dr. Irmela Hauber, Claudia Glasl und kbo-Geschäftsführer Gerald Niedermeier. © arp

In der Tölzer „Schnecke“ hat die kbo Lech-Mangfall-Kliniken gGmbH ein neues Medizinisches Versorgungszentrum eröffnet. Hier finden Menschen mit psychiatrischen Krankheiten Hilfe - unter anderem bei Dr. Arnold Torhorst, der seine eigene Praxis nach 32 Jahren geschlossen hat.

Bad Tölz – Am 1. Juli 1986 hatte Dr. Arnold Torhorst seine psychiatrische Praxis in Bad Tölz eröffnet. Jetzt, mehr als 32 Jahre später, tritt er in eine neue Phase seiner Berufstätigkeit ein. Der 71-Jährige ist nun Angestellter im neuen Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ), das die kbo-Lech-Mangfall-Kliniken gGmbH als ihr Tochterunternehmen in der Tölzer „Schnecke“ eröffnet hat.

Wie Torhorst berichtet, hatte er sich schon seit einigen Jahren nach einem geeigneten Nachfolger umgeschaut, dem er seine Praxis übergeben könnte. „Aber all diejenigen, die geeignet gewesen wären, wollten nicht von München weg.“ Akut wurde die Situation, als sein Praxis-Partner Günter Winkler zum 1. Oktober 2018 in den Ruhestand ging. „Deswegen habe ich mich sehr über die Initiative der kbo gefreut“, sagt Torhorst.

„Region ist nicht so optimal versorgt, wie es sein könnte“

Dadurch dass das Unternehmen Torhorsts kassenärztliche Zulassung übernommen hat, bleibt Bad Tölz nun wenigstens ein Sitz für eine psychiatrische Praxis erhalten. „Das ist sehr wichtig, denn im Raum Bad Tölz gibt es zwar nicht direkt einen Engpass bei der ambulanten psychiatrischen Versorgung, aber die Region ist nicht so optimal versorgt, wie sie es sein könnte“, sagt kbo-Geschäftsführer Gerald Niedermeier.

„Wir können den Bedarf nicht decken“, formuliert es Torhorst. Und er wird weiter steigen. „Laut Hochrechnungen wird die Depression 2030 die Volkskrankheit Nummer eins sein“, sagt Prof. Michael Landgrebe, der im MVZ als Prokurist tätig ist und privatärztlich Patienten behandelt. Das liege an den veränderten Lebensumständen mit viel Hektik, Leistungsdruck und Stress, aber auch daran, dass die Menschen immer älter würden und dabei zunehmend isoliert lebten.

Hauptansprechpartnerin für die Patienten ist im MVZ nun Dr. Irmela Hauber. Die 46-Jährige war bislang in der Institutsambulanz in der Klinik Agatharied beschäftigt. Bad Tölz ist für sie aber vetrautes Terrain – nicht nur weil die gebürtige Regensburgerin seit vielen Jahren hier wohnt. Sie arbeitete auch schon mehrere Jahre mit Torhorst in dessen Praxis zusammen. „Daher bin ich mit allen Strukturen bestens vertraut und mit den entsprechenden Einrichtungen vernetzt.“ Und die medizinischen Fachangestellten, die mit Torhorst ins MVZ gewechselt sind, kennt sie auch schon.

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Hilfe im MVZ finden Menschen, die zum Beispiel unter depressiven Störungen leiden, unter schizophrenen Psychosen, Angst- oder Persönlichkeitsstörungen oder chronischen Schlafstörungen. Prof. Landgrebe bezeichnet Tinnitus als sein „Spezialgebiet“.

Beide Ärzte wissen es zu schätzen, dass sie im Fachgebiet Psychiatrie nah am Menschen arbeiten. „Das ist das Gegenteil von Gerätemedizin“, sagt Landgrebe.

Verwaltung und Buchhaltung läuft über die „Mutter“

Die Lage des MVZ in der „Schnecke“ bezeichnet Dr. Hauber auch deshalb als günstig, weil in der Nachbarschaft viele andere Ärzte ansässig sind. Für einige Patienten senke es die Hemmschwelle, wenn nicht jeder gleich erkennt, ob er auf dem Weg zum Psychiater oder etwa zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt ist.

Die Form des Medizinischen Versorgungszentrums ist im Bereich der Psychiatrie neu in Bad Tölz. Die hier arbeitenden Ärzte sind keine selbstständigen Praxisinhaber, sondern Arbeitnehmer bei der kbo.

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Für die Mediziner bedeutet dies, dass sie selbst nicht das wirtschaftliche Risiko einer eigenen Praxis tragen und tendenziell regulärere Arbeitszeiten haben. Das Unternehmen kbo übernehme die Verwaltung und Buchhaltung, so Niedermeier. Die Ärzte des MVZ könnten zudem auf die diagnostischen Verfahren oder die Fortbildungsangebote der kbo zurückgreifen, die unter anderem Träger der Kliniken in Agatharied, Garmisch-Partenkirchen, Landsberg/Lech und Peißenberg ist.

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Nun hat Niedermeier die Hoffnung, „dass wir noch mehr Kollegen gewinnen, auch gerne in Teilzeit“. Platz genug wäre in den Räumlichkeiten mit 230 Quadratmetern und fünf Behandlungszimmern. Fest steht, dass Torhorst dem MVZ noch mindestens drei Jahre erhalten bleibt. „Dazu bin ich durch die Weitergabe des Kassensitzes formaljuristisch verpflichtet“, sagt er. Seine Kollegen halten es für gut möglich, dass er länger arbeitet.

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