+
Hinter dem Gerüst liegt das Büro des Förderschulleiters – neben dem Sekretariat das am stärksten mit PCB belastete Zimmer.

Kreis-Schulausschuss

PCB-Belastung: Neue Fassade reicht nicht

  • schließen

Nach der Mustersanierung des Direktorats steht fest: Die Erneuerung der Fassade reicht nicht aus, um die PCB-Belastung an der Tölzer Förderschule soweit zu senken, dass der Zielwert erreicht wird.

Bad Tölz – Um eine gänzlich unbedenkliche Konzentration des krebserregenden Giftstoffs zu erreichen, gibt es zwei Möglichkeiten, wie Hauptamtsleiter René Beysel in der Sitzung des Kreis-Schulausschusses sagte.

Option eins wäre, alle Materialien, in denen sich das PCB abgesetzt haben könnte, zu entfernen. Konkret würde das bedeuten, dass unter anderem sämtliche Wände abgefräst und alle Teppichböden herausgerissen werden müssten. Die Schule würde quasi in einen „Rohbau“ zurückversetzt werden, betonte Beysel. „Das wäre völlig unverhältnismäßig.“

Option zwei wäre deutlich leichter zu realisieren, kostet aber auch rund 300 000 Euro mehr als die Beseitigung dieser sogenannten Sekundärquellen. So würde laut Beysel auch eine flächendeckende Lüftungsanlage den gewünschten Erfolg bringen. „Ich denke, dass wir damit auf 300 Nanogramm pro Kubikmeter Luft runterkommen würden“, sagte Beysel mit Blick auf den Zielwert der anstehenden Sanierung.

Wie berichtet hatten Messungen im Juni des vergangenen Jahres ergeben, dass in den meisten Räumen der Förderschule die PCB-Belastung bei 300 bis 700 Nanogramm liegt. Große Ausnahme sind das Sekretariat und das Zimmer von Schulleiter und Drittem Landrat Klaus Koch. Dort wurden Werte von 1600 Nanogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Zum Vergleich: Ab 3000 Nanogramm werden umgehend Sanierungsmaßnahmen empfohlen. Wie sich im Herbst herausgestellt hat, ist die Fugenmasse an den Außenwänden der Quell allen Übels. „Der wurden PCB-haltige Materialien als Weichmacher beigefügt“, sagte Beysel damals.

Genau diese Dichtungen wurden in den vergangenen Wochen entfernt, zunächst nur an der Außenwand des Direktorats. Dadurch konnte der Wert von 1600 auf 938 Nanogramm pro Kubikmeter Luft gesenkt werden, wie Beysel in der Sitzung am Montag ausführte. Nach der Innensanierung liegt der Wert bei 427 Nanogramm. Voraussichtlich ab dem 24. April sollen die gesamte Fassade der Förderschule sowie die Front am Altbau der Realschule erneuert werden. Denn auch in der Realschule hatte der TÜV leicht erhöhte PCB-Werte gefunden. In einer Umkleide waren es sogar 1800 Nanogramm pro Kubikmeter Luft. In solchen Räumen müsse man künftig genauer hinschauen, ob eine Lüftungsanlage ausreicht oder dort tatsächlich die Wände und Böden herausgerissen werden müssen, sagte Beysel auf Nachfrage von Willi Streicher (SPD).

Nun muss sich der Kreis-Schulausschuss überlegen, wie es nach der Fassaden-Sanierung weitergehen soll. Um den anwesenden Kreisräten die Entscheidung zwischen Lüftungsanlage und der Beseitigung der Sekundärquellen zu erleichtern, hatte Beysel einige Zahlen im Gepäck. Rund 911 000 Euro würde es ihm zufolge kosten, um in der Realschule alles zu entfernen, was PCB aufgenommen haben könnte. Zusammen mit den Kosten für die Förderschule kam Beysel auf eine Summe von rund 1,6 Millionen Euro. Die Investitionskosten und der Betrieb einer Lüftungsanlage würden 1,9 Millionen Euro in den nächsten 30 Jahren kosten. „Die Lüftung wäre 300 000 Euro teurer“, führte der Hauptamtsleiter aus.

Aber eine solche Anlage hätte Beysel zufolge einige wichtige, nicht monetäre Vorteile: Sie würde nämlich die Lüftung des Gebäudes sicherstellen, das nach der Erneuerung der Fassade „100-prozentig dicht“ wäre. Im Moment findet unter anderem wegen der undichten Fenster eine permanente Grundlüftung statt. Fällt die weg, drohen Probleme mit Schimmel. „Die Ausschreibung für eine neue Lüftungsanlage läuft derzeit.“

Entschieden wurde bei der Sitzung noch nichts, es ging lediglich um einen Sachstandsbericht. Kreisrat Alois Bauer (Freie Wähler) tendiert aber schon jetzt zu einer Lüftung. „Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe“, sagte der Bürgermeister von Wackersberg. Irgendwann würden die entsprechenden Richtlinien nämlich ohnehin den Bau einer solchen Anlage vorschreiben, ist sich Bauer sicher.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Auto überschlägt sich auf der B11
Sie waren im Mietwagen unterwegs - und erlitten am Freitagabend in Kochel einen schweren Unfall, bei dem sich ihr Pkw überschlug: Ein Mann und seine Beifahrerin wurden …
Auto überschlägt sich auf der B11
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Freitagabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Freitagabend
Unfall in Kochel: Pkw hat sich überschlagen
Unfall in Kochel: Pkw hat sich überschlagen
Festwoche Gaißach: Heute Tag der Nachbarschaft, Vereine und Betriebe
Festwoche Gaißach: Heute Tag der Nachbarschaft, Vereine und Betriebe

Kommentare