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Ein Händchen für die Rasenpflege hat der Tölzer Manfred Beer. Er ist Vorsitzender des bayerischen Greenkeeper-Verbands und half auch schon dem Problem-Fußballplatz auf der Flinthöhe auf die Sprünge.

Fussballplätze

Der perfekte Rasen braucht viel Liebe

Bad Tölz-Wolfratshausen - Es grünt so grün, heißt es jetzt im Frühjahr wieder. Das gilt auch für die Fußballplätze, die auf Vordermann gebracht werden wollen. Feiner Schnitt, sattes Grün, keine Löcher – das ist der angestrebte Idealzustand. Doch die Pflege eines ständig beackerten Spielfelds ist aufwändig und teuer.

Mit dem Rasen verhält es sich im Fußball oft wie mit dem Schiedsrichter: Ist er gut, redet niemand groß drüber. Zeigt er Mängel, schimpfen die Fußballer. Beim SV Bad Tölz auf der Flinthöhe ist die Beschaffenheit des Platzes ein Dauerthema. Knochenhart, viele kleine Löcher, stehendes Wasser am Spielfeldrand: Der 2007 angelegte Rasen hatte immer wieder größere Macken. „Es ist besser geworden, aber er ist nach wie vor nicht top“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Franz Erhart. Den Betriebshof-Mitarbeiter, der den Rasen mäht, düngt und nach dem Winter vom Unkraut befreit, lobt er ausdrücklich. „Der macht einen super Job.“ Es hapere am Grundaufbau des nach einem speziellen DIN-Mischverhältnis konzipierten Grüns.

Bei der Zusammensetzung des Saatguts beginnen die Details, die sich um die komplexe Angelegenheit namens Sportrasen ranken. Beim SV schaute dieser Tage ein Mitarbeiter einer auf Rasenpflege spezialisierten Firma vorbei, um Bodenproben zu nehmen. Die richtige Düngemischung muss immer wieder aufs Neue die Frage beantworten: Was fehlt dem Platz?

Dem in Benediktbeuern fehlte vor drei Jahren so ziemlich alles, weshalb der TSV in Kooperation mit der Gemeinde bis April 2014 eine Generalsanierung vornahm. Für 70 000 Euro ließ man die oberen 30 Zentimeter umfräsen und 700 Tonnen Spezialsand einlagern. „Eine Rekonstruktion des Platzes“ nennt Abteilungsleiter Rudolf Thumann die Maßnahme, die er damals selbst forcierte. Auch wenn der Rasen heute „um Welten besser“ sei, ist Thumann nicht vollends zufrieden – zumal aktuell wieder Probleme auftauchen: Die Oberfläche lässt zu wenig Wasser durch. Eine Spezialfirma muss sogenannte Schlitzdrainagen nachrüsten. Ein kompletter Neubau samt Unterbau hätte die Benediktbeurer 250 000 Euro gekostet, sagt Thumann. Utopisch, zumal es auch die Instandhaltungskosten in sich haben. Rund 2500 Euro würden allein die Düngemittel für die beiden Plätze in Benediktbeuern pro Jahr kosten. Alle zwei, drei Jahre müsse man den Rasen mit 60 bis 80 Tonnen neu besanden.

Und dann kommt sie erst, die Pflegearbeit: So einen Rasen kann man vertikutieren, aerifizieren, bewässern oder tiefenlüften. Rainer Größwang vom SC Gaißach weiß, dass man nicht nur Pferde, sondern auch Fußballplätze ab und an striegeln muss. Mit einem Art Großrechen wird dabei die Grasnarbe angekratzt – ein Mittel gegen Schneeschimmel, der aktuell viele Felder im Landkreis bedeckt. Dabei handelt es sich um totes Gras in Form weißer Flecken, die es zu entfernen gilt. Größwang (26) stürmt nicht nur in der ersten Mannschaft des SCG, er kultiviert auch die Wiese, auf der er seine Tore schießt. Im Sommer müsse man den Rasen alle zwei Tage mähen, um ihn kurz und dicht zu halten. Alle zwei Monate helfen die Gaißacher Spieler beim Unkrautausreißen zusammen.

Für das Know-How zum Grün fragen die Vereine gerne auch bei Greenkeeper Manfred Beer nach. Seit zwei Jahrzehnten pflegt er das Areal des Golfclubs Isarwinkel. Darüber hinaus ist der Tölzer Vorsitzender des bayerischen Greenkeeper-Verbands und wurde einst vom Freistaat ausgezeichnet. Beer berät unter anderem die Gaißacher und den TSV Dietramszell, auch die Stadt Bad Tölz hat ihn schon wegen des Problemrasens auf der Flinthöhe konsultiert. Beer schlug Tiefenlockerungen und ein „spezielles Nährstoffkonzept“ vor, wie er berichtet.

Die Strapazen, denen der SV-Platz unterliegt – mehrere Jugend- und Erwachsenenteams trainieren darauf – kann die beste Pflege nicht immer kompensieren. Beer empfiehlt, den Rasen nur außerhalb der vegetationsfreien Zeit zu nutzen. Die Fußballer in Tölz, Gaißach und Lenggries können sich das leisten, solange nicht auch noch die Jugendteams trainieren müssen. Franz Erhart vom SV: „Dafür haben wir ja unseren Kunstrasen.

Tobias Gmach

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