1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Bad Tölz

Pfarrer H.: Staatsanwaltschaft fand keine Hinweise auf Übergriffe in Bad Tölz

Erstellt:

Von: Andreas Steppan

Kommentare

In der Tölzer Franziskanerkirche hielt Pfarrer H. einst beliebte „Touristengottesdienste“ ab.
In der Tölzer Franziskanerkirche hielt Pfarrer H. einst beliebte „Touristengottesdienste“ ab. © Arndt Pröhl

Der jetzt wieder aktuell diskutierte Fall des pädophilen Pfarrers H. bewegt viele Menschen. Seine zwei Jahre in Bad Tölz hat die Staatsanwaltschaft zu den Akten gelegt.

Bad Tölz – Die Reaktionen auf die jüngste Berichterstattung im Tölzer Kurier zeigen es: Der Fall des wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraften Pfarrers H., der zuletzt von 2008 bis 2010 in Bad Tölz eingesetzt war, bewegt viele Menschen. Bevor in der kommenden Woche das Gutachten einer Anwaltskanzlei mehr Klarheit in der Frage bringen soll, was der frühere Münchner Erzbischof Joseph Ratzinger, der jetzige emeritierte Papst Benedikt XVI., über H. wusste, berichtet an diesem Mittwoch auch das BR-Politmagazin „Kontrovers“ über das Thema und drehte dafür auch in Tölz.

Wenn Pfarrer H. in Bad Tölz predigte, dann war „volle Hütte“

Interviewt wurde Pastoralreferent Herbert Konrad, zuständig für die Tourismusseelsorge in Bad Tölz. In dieser Funktion arbeitete er von 2008 bis 2010 mit Pfarrer H. zusammen, der damals aus Garching an der Alz nach Bad Tölz versetzt worden war. „Ich habe mich damals gewundert, warum die Tourismusseelsorge bei uns personell so gut ausgestattet wurde“, erinnert sich Konrad im Gespräch mit dem Tölzer Kurier. Die Hintergründe der Versetzung – wieder aufbrandende Missbrauchs-Vorwürfe – habe er aber nicht geahnt.

H. habe in Bad Tölz eine eigene „Touristenmesse“ eingeführt. „Das war eine Bühne, die er gebraucht hat“, sagt der Pastoralreferent. Es habe sich schnell herumgesprochen, dass der charismatische H. die Gottesdienste „anders und kurzweilig“ gestaltete. Sonntags um 11 Uhr seien weniger Touristen als vielmehr viele Einheimische beziehungsweise Gläubige aus der Umgebung in die Franziskanerkirche gekommen. „Da war volle Hütte.“

In der Pfarrgemeinde Bad Tölz kein Aufarbeitungsbedarf mehr

Konrad erinnert sich aber auch noch genau an den Abend, an dem H. sich ihm offenbarte. Es war klar, dass die Veröffentlichung eines Artikels in der Süddeutschen Zeitung bevorstand, der H.s Vergangenheit ans Tageslicht bringen würde. H. bat Konrad zum persönlichen Gespräch in seine Wohnung. Konrad war sprachlos über das, was er da zu hören bekam.

Heute, elf Jahre später, sei Pfarrer H. aber kein großes Thema mehr in der Pfarrgemeinde, meint Pfarrer Peter Demmelmair. „Damals war ich noch nicht hier“, sagt er. „Aber in meinen acht Jahren in Bad Tölz hat mich noch niemand aus der Gemeinde angesprochen, dass das Thema Pfarrer H. noch aufzuarbeiten wäre.“ Dass die Vorgeschichte „schlimm“ sei, das sei klar. Doch glücklicherweise seien aus Bad Tölz keine Übergriffe auf Kinder und Jugendliche bekannt.

Staatsanwaltschaft sieht von Ermittlungsverfahren zur Zeit in Tölz ab

Ansatzpunkten war die Staatsanwaltschaft laut Medienberichten vom Februar 2020 nachgegangen. Dazu teilt Andrea Mayer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II, auf Anfrage des Tölzer Kurier mit: „Nach Durchführung von Vorermittlungen wegen möglicher sexueller Übergriffe durch den Pfarrer Peter H. in den Jahren 2008 bis 2010 im Rahmen seiner Tätigkeit in Bad Tölz wurde bereits durch Verfügung vom 13. Januar 2021 von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens abgesehen, da die Vorermittlungen keine Hinweise auf sexuelle Übergriffe zulasten von Jugendlichen erbrachten.“

Die in Bad Tölz 2010 vorherrschende Meinung, H.s letzte Vergehen lägen 24 Jahre zurück, erwiesen sich allerdings als falsch. Aus seiner Zeit in Garching an der Alz, wo H. zuvor 20 Jahre Pfarrer war, wurde bekannt, dass H. drei Buben missbraucht hatte, einen zwischen 1987 und 1993, zwei weitere zwischen 1994 und 1996. Man vermutet eine höhere Dunkelziffer. Ein Betroffener aus Garching kommt ebenfalls in dem „Kontrovers“-Beitrag zu Wort. Die Aufklärung darüber hatten in Garching ab 2020 Mitglieder der „Initiative Sauerteig“ bei Kardinal Reinhard Marx eingefordert. Im Juli 2021 entschuldigte sich Marx in Garching für das „Versagen der Institutionen“.

Pfarrer H. Thema in „Kontrovers“ im Bayerischen Fernsehen

Mögliche Betroffene eines Missbrauchs durch Pfarrer H. haben die Möglichkeit, Kontakt zur „Initiative Sauerteig“ aufzunehmen, die sich weiter um die Aufarbeitung kümmert. Kontakt über www.initiative-sauerteig-garching.de.

Der „Kontrovers“-Beitrag läuft in der Sendung an diesem Mittwoch, 12. Januar, um 21.15 Uhr im Bayerischen Fernsehen.

Bad-Tölz-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Bad Tölz – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare