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„Es gibt Probleme, und die werden wir lösen. Es wird weitergehen“, sagt Dekan Martin Steinbach.

Interview 

Pfarrer Steinbach über die  Corona-Krise: „Wir werden das gut hinkriegen“

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„Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus“ lautet bis Ostern das Motto der Fastenaktion der Evangelischen Kirche. In Zeiten der Corona-Pandemie ist das natürlich eine ganz besondere Herausforderung.

Bad Tölz – Kurier-Redakteurin Christiane Mühlbauer hat sich mit dem Tölzer Dekan Martin Steinbach (65) darüber unterhalten, wie man trotz aller Probleme und Sorgen zuversichtlich bleiben kann.

Herr Steinbach, was hat Sie in den vergangenen Tagen zuversichtlich gestimmt?

(schmunzelt) Das war, als ich im Fernsehen die Bilder gesehen habe von den musizierenden Italienern, die aus Fenstern und auf Balkonen in einem Wohnblock singen und Instrumente spielen. Da wird im Prinzip aus Nichts was gemacht. Solche Momente geben Zuversicht.

Zurzeit fällt es vielen aber schwer, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Wie erleben Sie als Geistlicher diese Situation?

Natürlich ist es nicht leicht gerade. Man muss aber auch sagen, dass Deutschland ein Land ist, das an und für sich gut aufgestellt ist. Hier ist zwar nicht alles rosig, aber viele Dinge sind zum Beispiel besser organisiert als in südeuropäischen Ländern. Diese Krise erwischt uns auch nicht in einer wirtschaftlichen Talsohle, sondern die Wirtschaft in Deutschland hat bislang gebrummt. Nun kommt also eine große Bremse. Für viele Menschen kommen jetzt Momente, die sie nachdenklich machen. Man besinnt sich wieder auf das Wesentliche, und sicherlich wird man auch das Wort Dankbarkeit in einem neuen Zusammenhang sehen. In unserem Leben gibt es eben nicht nur „höher, schneller, weiter“. Es geht jetzt darum, gelassen zu bleiben und auch eine gewisse Kreativität zu entwickeln, wie man mit der Situation umgeht. Und ich bin sicher, dass wir das alle gut hinkriegen. Wir erleben hier keinen Krieg oder etwas, das uns dauerhaft zerstört. Es gibt Probleme, und die werden wir lösen. Es wird weitergehen. Lassen Sie es mich mit dem Wetter vergleichen: Es kommt ein Sturmtief, aber dann wird auch wieder die Sonne scheinen.

Trotzdem: Menschen haben Existenzängste und machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Unternehmen wissen nicht, wie es weiter gehen soll. Können Sie das nachvollziehen?

Ja, natürlich. Aber auch hier gilt abzuwarten, was passieren wird. Der Bund hat finanzielle Hilfen zugesagt, keiner soll im Regen stehen gelassen werden. Ich denke, dass sich in diesen Zeiten auch Initiativen entwickeln werden, wie man sich gegenseitig hilft und kreativ eine Lösung findet. Es geht darum, sich untereinander zu unterstützen. Das macht jeder so gut wie möglich, und ich bin zuversichtlich, dass sich gute Dinge entwickeln.

Derzeit soll man am besten zu Hause bleiben und keine sozialen Kontakte pflegen. Das trifft vor allem Senioren. Wie können diese Zuversicht schöpfen?

Ja, viele Senioren fühlen sich derzeit einsam und brauchen Ansprache. In der Kirchengemeinde versuchen wir das ab jetzt übers Telefon. Man kann uns auch Bescheid geben, wenn man einen Rückruf möchte, dazu soll man sich bitte einfach vormittags im Pfarrbüro melden oder auf den Anrufbeantworter sprechen. Auch den Senioren würde ich raten, untereinander zu telefonieren, wenn man sich jetzt zum Beispiel beim Mittagstisch nicht treffen kann. Es muss ja kein langes Gespräch sein, einfach ein kurzer Anruf und die Frage, wie es geht oder ein bisschen übers Wetter reden. Wichtig ist, Zeichen zu setzen, dass man füreinander da ist, und das geht auch mal übers Telefon. Auch in Hausgemeinschaften ist es schön, wenn man so Kontakt halten kann. Viele ältere Menschen freuen sich auch, wenn sie derzeit von ihren Familien Videoanrufe bekommen oder öfters Bilder per Whatsapp. Mit kleinen Dingen kann man viel bewirken.

Lesen Sie auch: Was bedeutet die Krise für das kirchliche Leben in Tölz? 

Gibt es in diesen Tagen eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Katholiken in Bad Tölz?

Ja, mit Pfarrer Peter Demmelmair haben wir vereinbart, dass wir aufgrund der Absagen der Gottesdienste ab jetzt ein gemeinsames Mittag- und Abendläuten in Bad Tölz einführen. Mittags um 12 und abends um 18 Uhr werden in allen Kirchen für fünf Minuten die Glocken läuten. Wir möchten damit die Menschen zu Zuversicht in diesen Tagen aufrufen, und vielleicht sprechen wir ja auch ein kurzes Gebet füreinander.

Wer in Kontakt mit dem evangelischen Pfarrbüro treten möchte, kann unter Telefon 0 80 41/76 12 73-32 anrufen.

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