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Weg mit dem Unkraut: Ein Landwirt versprüht Pflanzenschutzmittel auf seinem Feld. Im Landkreis greifen Bauern nur zur Einzelfallbekämpfung auf das Mittel Glyphosat zurück.

Debatte um Pflanzengift

Heißes Wasser statt Glyphosat

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Bad Tölz-Wolfratshausen –  Seit Glyphosat im Bier entdeckt wurde, steht der als krebserregend geltende Unkrautvernichter in der Kritik. Die Europäische Kommission prüft die Zulassung. Im Landkreis wird bereits auf Alternativen gesetzt.

Glyphosat packt Unkraut an der Wurzel. Es dringt durch grüne Pflanzenteile, verteilt sich und tötet das Gewächs von innen heraus. Eine Wirkung, die sich nicht nur Landwirte, sondern auch Hobbygärtner zunutze machen. Über diesen Weg kann das Gift allerdings auch ins Grundwasser oder in Lebensmittel gelangen, was weniger erfreulich ist. Laut der Weltgesundheitsorganisation steht Glyphosat im Verdacht, krebserregend zu sein.

Die Gärtnerei Epp in Lenggries hat das Pflanzenschutzmittel schon vor ein paar Jahren aus den Regalen verbannt. „Es ist nur auf Bestellung zu bekommen“, sagt Firmenchef Wolfgang Epp. Er setzt auf ein bienenverträgliches Pflanzenschutzmittel oder rät dazu, Unkraut abzubrennen oder auszuhacken. „Ich persönlich finde, dass Glyphosat im privaten Bereich komplett verboten werden sollte – und bei allem, was mit Nahrung zu tun hat.“

Abflammen hält auch Jürgen Kling von Garten Holzmann in Bad Heilbrunn für die umweltfreundlichste Alternative. Mit einem kleinen Gasbrenner könne Unkraut, das sich seinen Weg durch Pflastersteine bahnt, entfernt werden. „Man muss halt öfter drübergehen“, sagt Kling. Derzeit prüft die Europäische Kommission die Zulassung des sogenannten Herbizids, die heuer im Juni ausläuft. Kling hätte nichts gegen ein Verbot. „Wir sind einem Erzeugerring angeschlossen, der uns schon vor einiger Zeit angewiesen hat, Glyphosat nicht zu verkaufen oder zu verwenden.“

Die Stadt Bad Tölz hat Glyphosat an den Straßenrändern gegen Unkraut eingesetzt – bis vor einigen Jahren. Kommunen müssten dazu inzwischen eine Ausnahmegenehmigung beim Landratsamt beantragen, sagt Betriebshofleiter Florian Schallhammer. „Wir sind frühzeitig umgestiegen und haben vor zwei Jahren ein Heißwassergerät angeschafft.“ Das Gerät ist auf einen Anhänger montiert, damit man die Straßenränder über eine Lanze mit heißem Wasser bearbeiten kann. „Dadurch gerinnt das Eiweiß in der Pflanze“, erklärt Schallhammer. Einfacher als Chemie einzusetzen ist das allerdings nicht. „Wir müssen das Unkraut regelmäßig bearbeiten, um es zurückzudrängen, aber mittlerweile gelingt es gut.“

Glyphosat  ist der Landwirtschaft

In der Landwirtschaft ist Glyphosat vereinzelt im Gebrauch. „Im Grünland verwenden wir es nur zur Einzelpflanzenbekämpfung“, sagt Peter Fichtner, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV). Es tötet alle Grünpflanzen, daher werden keine Flächen eingesprüht, sondern nur einzelner Ampfer auf der Wiese behandelt. „Im Normalfall kommt es nicht auf Nutzpflanzen“, so Fichtner.

Zwar wolle der BBV-Obmann nichts verharmlosen, doch er ärgert sich über die Diskussion. Es sei immer eine Frage der Dosis. „Heute kann man ein Zuckerstück im Bodensee nachweisen, das heißt aber nicht, dass etwas Unrechtes passiert.“ Landwirte müssten bei einer Nachschulung alle drei Jahre ihr Wissen über Pflanzenschutzmittel auffrischen. Verbote würden schnell gefordert, die Alternativen seien aber der Knackpunkt. „Es gibt Möglichkeiten – mit allen Vor- und Nachteilen, die Pflanzenschutzmittel mit sich bringen.“

Hans Falter ist „Gegner von diesem Zeug“. In dem Biobetrieb des Kreisvorsitzenden des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) kommt keinerlei Pflanzenschutz zum Einsatz. „Das braucht es nicht.“ Auch wenn Falter für ein Glyphosat-Verbot ist, sieht er Schwierigkeiten in der Umsetzung. „Ich kann mir vorstellen, dass die Lobby in der Agrarindustrie sehr stark ist. Es kann nur funktionieren, wenn viele Bürger mobilisiert werden.“

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