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Bis 2020 fehlen im Landkreis 200 stationäre Pflegebetten. Dieses Problem muss man angehen – und zwar rasch, sagen die Frauen aus der CSU-Fraktion.

Antrag von fünf Kreisrätinnen

Pflege im Tölzer Land: CSU will „Finger in Wunde legen“

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Das Thema Pflege brennt den Frauen in der CSU-Kreistagsfraktion auf den Nägeln. In einem Antrag fordern sie die Etablierung eines Expertengremiums, das unter anderem konkrete Projekte erarbeiten soll, um beispielsweise den Mangel an stationären und Kurzzeit-Pflegeplätzen zu beheben.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Landkreis hat sich zuletzt intensiv mit dem Thema Pflege auseinandergesetzt: bei der Fortschreibung des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts. Dessen Vorwort beginnt mit dem Satz: „…die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft ist kein Thema für später! Es ist ein aktuelles Thema, welches uns jetzt beschäftigen muss, damit wir für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet sind.“

Und genau hier setzt der Antrag der CSU-Frauen an. „Es muss jetzt was passieren“, erklärt Birgitta Opitz. Die Gemeinde- und Kreisrätin ist in ihrer Heimatgemeinde Lenggries äußerst aktiv in der Seniorenarbeit, weiß also um die Probleme, die es in diesem Bereich gibt – genauso wie ihre Geretsrieder Kollegin Sabine Lorenz. Beispielsweise finde man im Landkreis keinen Kurzzeitpflegeplatz, benennt sie einen Problembereich. Genau diese Plätze seien aber nötig, um Angehörige zu entlasten. „Oft sind das ja selbst hochbetagte Ehepartner“, sagt Opitz. Eine weitere Schwierigkeit ist der zunehmende Mangel an Pflegepersonal. Immer weniger Menschen würden sich für diesen Beruf entscheiden, „weil die Wertschätzung einfach fehlt“, sagt Lorenz.

Drängend ist auch das Problem, dass stationäre Pflegeplätze fehlen. Die aktuelle Bestandserhebung berechnet einen Fehlbedarf von 200 Betten bis zum Jahr 2020. „Und wir haben ja jetzt schon 2018“, sagt Opitz mit Blick darauf, wie wichtig zügiges Handeln ist. Bis 2028 wird sich dieser Bedarf verdoppelt haben – „im günstigsten Fall, wenn viele im eigenen Haushalt wohnen bleiben und sich privat um Pflege kümmern“, sagt Opitz. Ansonsten werde der Fehlbedarf noch deutlicher steigen. Nicht miteinberechnet sei auch, dass Heime wegfallen könnten, weil sie die gesetzlichen Vorgaben nicht mehr erfüllen, merkt Lorenz an.

Im Vorwort des Konzepts heißt es außerdem: „Die Aufgabe des Landkreises, auf eine geeignete Pflegestruktur hinzuwirken, wird ebenso intensiv bearbeitet.“ Genau das erkennen die Kreisrätinnen allerdings noch nicht so richtig. „Man befasst sich schon mit dem Thema. Aber nicht so intensiv, wie es im Vorwort steht“, sagt die Lenggrieserin. „Wir haben ein Konzept, und das liegt nun in der Schublade“, verdeutlicht Lorenz. Ihr und ihren Kolleginnen gehe es darum, „den Finger in die Wunde zu legen“, so Opitz. Wenn man den Mangel an Betten bis 2020 beheben wolle, „muss man jetzt mit der Planung anfangen. Es dauert, bis so ein Heim gebaut ist“, sagt Opitz. Das sehe man ja bei der Debatte um den Neubau des Kreispflegeheims ins Lenggries, ergänzt Lorenz.

Der Landkreis stehe mit Blick auf die demografische Entwicklung vor einer großen Herausforderung. Er müsse Strukturen entwickeln, „um der älter werdenden Bevölkerung gute Rahmenbedingungen für eine Teilhabe an der Gesellschaft zu schaffen“, heißt es im Antrag. „Für ein weitestgehend selbstbestimmtes Leben im Alter sind neben der Mobilität und der Barrierefreiheit auch die Sicherstellung einer guten qualifizierten Pflege und Betreuung wichtig. Eine ausreichende Entlastung der Angehörigen, die Versorgung der Demenzkranken und eine menschliche Hospizversorgung sind ebenso für die älter werdende Bevölkerung von großer Wichtigkeit.“

Damit konkrete Maßnahmen und Projekte angestoßen werden können, schlagen die CSU-Frauen die Einberufung eines Runden Tischs vor. Hier sollen Experten versammelt werden – aus der Kreisverwaltung, den Seniorenheimen, aber auch „Menschen, die ihr Ohr an der Basis haben“, umschreibt es Opitz. Seniorenbeiräte zählt sie dazu genauso wie Seniorenbeauftragte der Gemeinden.

Zudem möchten die Kreisrätinnen Auskunft darüber haben, welche konkreten Projekte angestoßen und umgesetzt wurden, welche Einrichtungen sich in der Planung beziehungsweise im Bau befinden und welche Lösungsansätze hinsichtlich des Pflegepersonalmangels angedacht sind. Unterschrieben haben den Antrag neben Opitz und Lorenz Uschi Disl, Lydia Hofherr und Anni Rieger.

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