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Das Kreispflegeheim in Lenggries ist in die Jahre gekommen. Dasselbe gilt fürs Tölzer Josefistift. Für beide Einrichtungen sind Neubauten geplant, die dann unter dem Dach der Josefistiftung gemeinsam betrieben werden könnten.

Kooperation wird geprüft

Pflegeheime: Tölz und Lenggries bald unter einem Dach?

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Lange herrschte Stillstand, jetzt gibt es beim Kreispflegeheim eine neue Entwicklung: Geprüft wird derzeit, ob die Gemeinde Lenggries und die Tölzer Josefi-Spitalstiftung beim geplanten neuen Heim gemeinsame Sache machen.

Lenggries/Bad TölzTatsächlich gibt es die Überlegungen, in der Pflege zusammenzuarbeiten, seit gut einem Jahr. Sie kamen auf, kurz nachdem der Kreistag beschlossen hatte, dass der Landkreis weder alleine den dringend nötigen Neubau des Kreispflegeheims realisieren, noch den Betrieb stemmen kann. Mit dem Zusatzbeschluss, dass beides in einer interkommunalen Zusammenarbeit durchaus denkbar wäre, blieb aber eine Hintertür offen.

Tölz muss bauen, Lenggries auch

Allerdings heißt das nicht, dass der Kreis Teil dieser interkommunalen Kooperation sein muss. Vielmehr ist die Idee nun folgende: Weil das Tölzer Josefistift in die Jahre gekommen ist, wird auch hier ein Neubau unumgänglich sein. Im Raum steht der Vorschlag, das neue Tölzer Heim (130 Betten) und das ebenfalls neu zu bauende Lenggrieser Heim (100 Betten) unter dem Dach der bestehenden Josefispital-Stiftung – eine 100-prozentige Tochter der Stadt – gemeinsam zu betreiben. Das schafft Synergieeffekte, vor allem bei der Verwaltung. „Der Tölzer Bürgermeister ist mit dieser Idee auf mich zugekommen“, sagt der Lenggrieser Rathauschef Werner Weindl.

Ob diese Kooperation rechtlich möglich ist und ob sie Vorteile birgt, prüfte das Büro Rödl & Partner im Auftrag des Landratsamts. Dafür waren allerdings mehrere Anläufe nötig. Einmal fehlte beispielsweise die Stiftungssatzung als Prüfungsgrundlage, sagte Weindl. Und so dauerte es tatsächlich fast ein Jahr, bis alle Teile des Gutachtens auf dem Tisch lagen. Vor wenigen Tagen wurde es den Vertretern von Gemeinde und Stadt im Landratsamt vorgestellt. Die gute Nachricht: Grundsätzlich ist die Kooperation denkbar – auch wenn der Wirkungsraum der Stiftung bislang auf Tölz beschränkt ist. „Generell wäre die Lösung mit dem Josefistift schon eine gute Sache“, sagt Weindl.

Wie sie am Ende konkret aussieht – dazu gibt es noch viele Details zu klären. Lenggries müsste auf jeden Fall das gemeindeeigene Grundstück an der Karwendelstraße zur Verfügung stellen. Auch, dass die Gemeinde den Bau – geschätzte Kosten zehn bis zwölf Millionen Euro – selbst stemmt, ist denkbar. „Experten sagen, dass wir damit kein großes Risiko eingehen“, sagt Weindl. Refinanziert werden könnte die Investition über die Pacht, die die Josefistiftung dafür bezahlt. „Denkbar ist aber auch, dass wir das Grundstück in Erbpacht an einen Investor geben, und der für uns baut“, ergänzt Weindl.

Gleichzeitig müsste zwischen Stadt und Landkreis vereinbart werden, dass die Stiftung das Personal übernimmt. „Der Vorteil ist, dass auch die Stadt nach dem öffentlichen Tarif bezahlt“, sagt der Lenggrieser Bürgermeister.

Natürlich möchte die Gemeinde zumindest beim Lenggrieser Heim ein Mitspracherecht haben. Das könnte beispielsweise über Sitze im Stiftungsbeirat geregelt werden. „Aber soweit sind wir noch nicht“, sagt Weindl. Denn zunächst muss die Stadt Bad Tölz eine Grundsatzentscheidung fällen, ob sie mit Lenggries zusammenarbeiten möchte.

Stadtrat fällt Dienstag Grundsatzbeschluss

Am Dienstag, 20. März, wird das Thema in der Stadtratssitzung behandelt – und zwar im öffentlichen Teil. Eine Einschätzung, wie die Abstimmung ausgeht, will Bürgermeister Josef Janker nicht abgeben. „Wir müssen die Gesamtheit der Argumente abwägen. Es kann schon sein, dass da ein Totschlagargument dabei ist.“ Seine Haltung sei aber „grundsätzlich positiv“.

Sagt der Stadtrat doch Nein, hat die Gemeinde Lenggries einen Plan B in der Hinterhand. „Der Gemeinderat hat die Verwaltung beauftragt, weitere Lösungen ohne Beteiligung des Landkreises zu suchen“, sagt Weindl. Die reichen von einer absoluten Privatisierung bei Bau und Betrieb bis hin zu einem Pflegeheim, das die Gemeinde baut und führt. „Wir werden das jetzt mal alles untersuchen.“

Und wie denkt der Landkreis über die geplante Kooperation von Stadt und Gemeinde? Das Ganze könne funktionieren, wenn die Beteiligten sich darauf einlassen, sagt der zuständige Abteilungsleiter Wolfgang Krause. Auch der Landkreis hat übrigens einen Plan B, sollten die Gespräche scheitern. In diesem Fall würde das Interessenserkundungsverfahren vorangetrieben, sagt Krause. Dieses bringt Aufschluss darüber, ob es Interessenten für Bau und/oder Betrieb eines neuen Heims gibt. Wobei, so Krause, manche Investoren nur zum Bau bereit seien, wenn ihnen das Grundstück gehöre. Verkaufen will die Gemeinde aber auf keinen Fall. „Wir gehen maximal bis zur Erbpacht“, bekräftigt Weindl.

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