Der LPV wird in Traunstein nicht von sich aus aktiv, spricht keine Landwirte an oder meldet einen Anspruch auf die Bewirtschaftung von Flächen an.
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Der LPV wird in Traunstein nicht von sich aus aktiv, spricht keine Landwirte an oder meldet einen Anspruch auf die Bewirtschaftung von Flächen an.

Interview mit dem Vorsitzenden Markus Fröschl

Landschaftspflegeverband: So macht es die Region Traunstein

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Gerade in den Isarwinkler Gemeinden gibt es bei den Landwirten viele Vorbehalte gegen die Gründung eines Landschaftspflegeverbands (LPV). Markus Fröschl kann das nachvollziehen, hält die Ängste aber für unbegründet. Er muss es wissen. Fröschl – selbst Landwirt – ist seit 20 Jahren Vorsitzender des LPV Traunstein.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Markus Fröschl hat die Berichterstattung über die geplante Gründung eines Landschaftspflegeverbands im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen durchaus verfolgt, kennt also die Vorbehalte, die gerade viele Landwirte haben. „Das sind die üblichen Geburtswehen“, sagt Fröschl. Ähnliche Vorbehalte habe es auch im Landkreis Traunstein gegeben. „Die haben sich aber alle in Luft aufgelöst.“ Allerdings brauchte es auch in seiner Heimat mehr als einen Anlauf zur Gründung. „1996 hat unser Landrat den ersten Versuch gestartet. Damals haben die Bauern Nein gesagt. 2001 wurde der Verband dann gegründet.“ 22 von 35 Kommunen waren mit an Bord. „Es hat ein paar Jahre gedauert, aber mittlerweile sind alle dabei.“ Pro Einwohner zahlt jede Gemeinde 50 Cent, denselben Betrag legt der Landkreis drauf. Fröschl war 2001 Gründungsvorstand – und dieses Amt hat er bis heute inne.

Es braucht keine LPV, die Landwirte kümmern sich selber um die Landschaftspflege, es ist wieder etwas, das den Bauern übergestülpt wird und sie in ihrer Arbeit behindert. Das sind Bedenken, die im Isarwinkel vorgebracht werden. „Diese Bedenken sind nachvollziehbar, aber unbegründet“, sagt Fröschl, selbst Landwirt. Der LPV sei ein eingetragener Verein. „Wie bei einem Schützen- oder einen Sportverein hat er keinerlei rechtliche Befugnisse.“ Es gelte immer „das Prinzip der Freiwilligkeit“. Der LPV werde nicht von sich aus aktiv, spreche keine Landwirte an oder melde einen Anspruch auf die Bewirtschaftung von Flächen an. „Solange man sich nicht an uns wendet, tun wir nichts“, sagt Fröschl. Allerdings nehmen im Landkreis Traunstein viele gerne die Dienste des LPV in Anspruch. „Mittlerweile müssen wir einiges ablehnen, weil wir das personell einfach nicht mehr gestemmt bekommen“, sagt Fröschl.

Markus Fröschl, LPV-Vorsitzender Traunstein

In der Regel läuft der Einsatz des LPV so ab: Ein Landwirt meldet sich, weil er beispielsweise eine Leite oder eine andere Fläche, auf die er früher ab und an Vieh aufgetrieben hat, so nicht mehr bewirtschaften kann. „Unser Geschäftsführer fährt raus und schaut sich das an. Dann macht der LPV Vorschläge, was man machen könnte und welche Förderung es dafür gibt.“ In Traunstein sind auf diese Weise unter anderem einige Streuobstwiesen entstanden. Die Bäume stellte der LPV, das Pflanzen übernahm der Landwirt. „Der ist immer unser erster Vertragspartner.“ Kann oder will der Grundstückseigentümer das lieber nicht selbst machen und hat das Areal einen gewissen ökologischen Wert, sucht der LPV einen Landwirt im Umkreis, der die Aufgabe übernimmt. „Wir haben bei uns einige Bauern, die sich durch den LPV ein Einkommen sichern.“ Die Rechnung zahlt der LPV, wobei es 90 Prozent an Fördermitteln vom Freistaat gibt. Erst, wenn sich in der näheren Umgebung gar niemand finde, werde der Suchkreis erweitert, sagt Fröschl. An den Eigentumsverhältnissen ändere sich übrigens nichts. „Der Verband pachtet oder kauft keine Flächen.“ Und er sorge auch nicht für eine flächendeckende Bewirtschaftung. „Wenn uns einer ein Grundstück mit fünf Ecken und einem Bach mittendurch anbietet, aber ohne ökologischen Wert, sagen wir schon auch mal: Frag doch bitte deinen Nachbarn, ob er es mitmäht“, sagt Fröschl.

Kritisch gesehen wird auch oft, dass Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunalpolitik gleichberechtigt in der Vorstandschaft vertreten sein müssen. Auch diesen Vorbehalt kennt Fröschl. Natürlich werde auch im Traunsteiner LPV durchaus diskutiert. „Aber groß gerauft haben wir nie.“ Die Zusammensetzung sei eher ein Anreiz. „Viele kommen mit ihrem Projekt zu uns, weil sie sagen: ,Ihr bekommt alle unter einen Hut.‘“

Weiterer Kritikpunkt ist, dass eine Geschäftsstelle aufgebaut wird und so ein Bürokratiemonster entstehe. „Ohne Geschäftsstelle geht das nicht“, sagt Fröschl. „Das muss ja alles zu Papier gebracht werden.“ Die Antragsverfahren seien mit Aufwand verbunden. „Und das muss alles korrekt sein, damit die Fördergelder fließen. Es ist utopisch, dass das jemand ehrenamtlich machen kann.“ Und letztlich kümmere sich die Geschäftsstelle auch um die Abrechnung. „Die Bauern wollen ihr Geld ja auch rasch haben und nicht ein Jahr drauf warten.“

Fröschl jedenfalls kann nur raten, sich auf die Gründung des LPV einzulassen. 20 Jahre nach der Gründung in Traunstein, „ist bei uns alles in ruhigem Fahrwasser“.

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