So sieht die aktuelle Planung für die Tölzer Nordspange aus. Jetzt werden die rund 100 Einwände von Bürgern und Trägern öffentlicher Belange erörtert und abgewogen. Foto: Staatliches Bauamt

Planfeststellung Tölzer Nordspange

"Wenn wir nichts fordern, kriegen wir nichts"

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Bad Tölz – Ab Montag, 10. Oktober, wird es ernst: An drei Tagen hintereinander werden die rund 100 Einwände von betroffenen Anliegern, Kritikern und Trägern öffentlicher Belange zum Planfeststellungsentwurf Nordspange erörtert. Alle Gespräche sind nichtöffentlich.

Einen Vorgeschmack auf das komplizierte und wichtige Verfahren gab Bauamtsleiter Christian Fürstberger schon einmal in der Stadtratssitzung am Dienstag. Im Oktober 2014 hatte das Gremium seine Wünsche zur Nordspange formuliert.

 Die Regierung von Oberbayern hatte diese Anregungen bewertet. Zum Beispiel forderte die Stadt neben der rund drei Meter breiten Fuß- und Radwegbrücke (vom Lettenholz in Richtung Bahnhof) eine weitere ähnliche Brücke vom Eisstadion in Richtung Maxlweiher. Das wurde abgelehnt, da es keine bestehende Rad- und Fußwegeverbindung dort gebe, der Bund sich also auch nicht in der Pflicht sieht. Außerdem seien im neuen Kreisverkehr, unter dem künftig der Hauptverkehr auf der tiefergelegten Nordspange läuft, genug Querungshilfen eingebaut. Fürstberger konnte diese Argumentation sogar nachvollziehen, die Räte nicht. Robert Paintinger (CSU) nahm die Ablehnung zum Anlass, nochmals Grundsatzkritik an „diesem Moloch Nordspange“ zu üben. „Ich bin kein Freund davon, das weiß jeder.“ 

Die Ablehnung der zweiten Brücke beweise nur, dass der Bund seiner Verantwortung nicht gerecht werde. Willi Streicher (SPD) hielt die zweite Brücke für „logisch. Das ist ein Schulweg, und da haben wir auch die Jugendherberge“. Er erinnerte daran, dass die staatlichen Behörden bei Tölzer Vorstößen für neue Radwege im Bereich Flinthöhe immer gesagt hätten, man solle doch erst die Nordspange abwarten. Nun werde der Spieß umgedreht und jetzt heiße es plötzlich: Weil es keine Radwege gibt, gibt es auch keinen Ersatz. Grundsätzlich forderte der SPD-Mann Standvermögen von der Stadt: „Wenn wir nichts fordern, kriegen wir auch nichts.“

 Ein zweiter Punkt ist eher eine Kleinigkeit. Die Stadt will den künftigen Lärmschutzwall oberhalb der neuen Bundesstraße einmal aufbrechen, um Fußgängern und Radlern eine unkompliziertere Anbindung zur Straße „Am Lettenholz“ zu ermöglichen. Da dies recht einfach mit einer überlappenden Lärmschutzwand möglich ist, stimmte die Regierung in ihrer Prüfung zu. Der Standort der Öffnung wird noch zu diskutieren sein. 

Zustimmung mit Einschränkungen signalisiert die Regierung von Oberbayern zur Anregung der Stadt, die Allgaustraße als sechs Meter breite Ortsstraße entlang der neuen Umgehung zu führen. Die Stadt wird dabei von der Überlegung geleitet, künftig vom Bahnübergang Allgaustraße bis zum Tölzer Bahnhof – am Schrotthandel vorbei – eine neue Straße zu schaffen. Die alte Allgaustraße neben den Tennisplätzen würde dann gesperrt. Die neue Verbindung wäre nach den Worten Fürstbergers eine Umleitungsmöglichkeit, sollte es zum Beispiel auf der Sachsenkamer Straße einmal einen Unfall geben.

 Da der Bau der Nordspange die bestehende Allgaustraße zerstört, zieht die staatliche Bauverwaltung bei diesem Vorschlag mit. Den erbetenen zusätzlichen Fuß- und Radweg lehnt sie indes ab, da die Allgaustraße zu wenig Verkehr führe. Die von der Obersten Baubehörde dabei ins Feld geführten Zahlen (weniger als 2500 Fahrzeuge am Tag) hielt Fürstberger nicht für stichhaltig. 

Franz Mayer (Grüne) bezeichnete es als absurd, dass es von Sachsenkam bis Tölz einen Radweg geben soll, der dann aber am neuen Kreisverkehr B 13 aufhört. „Dann machen wir ihn halt selber“, schlug er vor, sollte die Forderung der Stadt wirklich abgelehnt werden. „Das kostet nicht die Welt.“ Eine Diskussion entbrannte schließlich um Andrea Grundhubers Anmerkung, die Fußgängerbrücke vom Lettenholz in Richtung Bahnhof zugunsten höherer Akzeptanz auf jeden Fall breiter als drei Meter zu planen. Fürstberger bezeichnete dieses Ansinnen als chancenlos. Drei Meter seien ausreichend. Er erinnerte an den alten Vorschlag einer rund 60 bis 70 Meter breiten Grünbrücke über die Nordspange. „Die hätten wir vor zehn Jahren bekommen können. Da hätten wir zuschlagen müssen.“ 

Anlieger hätten damals auf Tierbeziehungen zwischen dem Wäldchen hinter dem Baywa/Edeka-Komplex und dem Lettenholz verwiesen. Deshalb habe man den Grünbrücken-Vorschlag fallen lassen. „Heute kriegen wir die nicht mehr.“ Das verstand Robert Paintinger als Seitenhieb in Richtung Kritiker und schoss zurück: „Das jetzt auf die Nordspangen-Gegner abzuwälzen, geht gar nicht.“ Es handle sich um eine Bundesstraße. Der Bund habe gefälligst dafür Sorge zu tragen, „dass den Tölzern keine Nachteile entstehen“. 

Einstimmig wurde Streichers Vorschlag, auf den alten Forderungen zu bestehen, vom Stadtrat angenommen. Der zweite Beschluss, dass die staatliche Bauverwaltung zügig einen Planfeststellungsbeschluss erlassen solle, um die Umgehung voranzutreiben, wurde von Robert Paintinger und den drei SPD-Räten abgelehnt. Letztere wollten das aber nicht als Nein zur Nordspange verstanden wissen, sondern hielten den Passus für überflüssig (Streicher) und kontraproduktiv, was ein sorgfältiges Verfahren betreffe (Camilla Plöckl).

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