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Umweltbewusst eingeschenkt: Das Café Schwarz – hier Inhaberin Mandy Schwarz – gehört zu den ersten Betrieben im Landkreis, die das Pfand-Kaffeebecher-System „Recup“ eingeführt haben, um Müll einzusparen.

Müllvermeidung in Cafés

Plastik sparen – nicht nur beim Strohhalm

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Das geplante Strohhalmverbot der EU ist nur ein erster Schritt: Einige Gastronomen im Landkreis gehen voran und setzen auf noch mehr Maßnahmen, um Plastikmüll zu vermeiden.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Die EU möchte Strohhalmen und Rührstäbchen aus Plastik den Garaus machen und plant ein Verbot von Einmalprodukten. Im Landkreis stößt dieses Vorhaben vielerorts auf Zustimmung. Hier gibt es schon eine ganze Reihe von Initiativen, um Plastikmüll zu vermeiden.

Pfand-Mehrwegbecher statt Wegwerfbecher für den Kaffee zum Mitnehmen: darauf setzt Christian Schwarz. In seinem Lenggrieser Café Schwarz hat er den „Recup“ eingeführt. „Der Kunde bekommt den Becher für einen Euro Pfand und kann ihn dann bei allen teilnehmenden Betrieben dieses Systems wieder befüllen lassen oder zurückgeben“, erklärt Schwarz. Deutschlandweit ist das schon an über 1000 Stellen möglich, und auch in der Region hält „Recup“ Einzug. Laut der Internetseite recup.de machen in Lenggries außer Schwarz noch die Bäckerei Kögl, „Brot & Torte“ und die Bäckerei Bammer mit, außerdem in Bad Tölz das „Isardrive“ und das „FreiZeit“ in Bairawies, ein Café, das zudem den ersten Unverpackt-Laden im Landkreis beherbergt. Hier kann man viele Produkte lose kaufen (wir berichteten).

Pfandbecher-System „Recup“: Noch mehr Mitstreiter gesucht

Schwarz hofft nun, dass sich noch mehr Kollegen anschließen. „Das Ganze funktioniert am besten, wenn viele mitmachen.“ Auch von Kundenseite laufe die Resonanz noch „etwas zäh“ an. Schwarz sagt aber: „Ich bin guter Dinge, dass das Bewusstsein für dieses Thema steigt.“ Dass die EU nun ebenfalls das Thema Plastikvermeidung aufgreift, gibt dem Lenggrieser Caféinhaber das Gefühl von Rückenwind. „Ich vermeide jetzt schon, Strohhalme rauszugeben“, sagt er. Ein Eiscafé lasse sich ohne Trinkhalm schwer verzehren, räumt er ein. „Aber bei unseren selbst gemachten Limonaden mit Früchten oder Minze reichen wir lieber einen langen Löffel dazu.“

Ähnlich verfährt in Wolfratshausen Angela Buchberger in ihrer „Tagesbar“. Wenn sie einen Latte Macchiato serviert, hat sie auf dem Tablett einen Strohhalm dabei, gibt ihn dem Gast aber nur auf Wunsch. Die Resonanz bei der Kundschaft sei allerdings sehr gemischt. Auch der Thermobecher für den „Coffee to go“, den sie für 14,50 Euro anbietet, finde leider eher schleppend Absatz.

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Dass die Trinkhalme – zumindest wenn sie aus Plastik sind – nun ganz verboten werden sollen, findet Buchberger persönlich „längst überfällig“. Die Gastronomin hat früher unter anderem auf Schiffen gearbeitet, die im Polargebiet unterwegs waren. „Die Müllteppiche dort gibt es wirklich, man sieht sie“, sagt Buchberger. Auch deshalb hat sie ihren Betrieb in Richtung Müllsparen orientiert. „Ich komme seit zwei Jahren mit einer Rolle Alufolie und einer Rolle Frischhaltefolie aus.“

Kleine Zuckerpäckchen und Mini-Milchdöschen aus Plastik vermeiden und zur Tasse Kaffee lose Kekse servieren statt einzeln abgepackte: Auf solche kleinen Müllsparmaßnahmen setzen sowohl Buchberger als auch Schwarz. Alltag ist so etwas aber noch nicht, wie Marisa Neumeister vom Verein „Oberland pastikfrei“ beobachtet hat.

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„Wenn ich mich in Tölzer Straßencafés umschaue, dann sind da in fast jedem Getränk ein bis zwei Strohhalme“, sagt die Lenggrieserin. Sie selbst sage als Gast, dass sie ihren Latte Macchiato lieber ohne Strohhalm möchte. „Aber ich habe dabei nicht das Gefühl, dass ich damit einen Gedanken anstoße.“ Dass es nun ein Verbot geben soll, findet Neumeister daher richtig – „sonst tut sich scheinbar nichts“. Auch wenn es „nur“ um eine vermeintliche Kleinigkeit wie Strohhalme gehe, sei es ein „guter erster Schritt“, denn: „In Deutschland werden im Jahr 40 Milliarden Plastikstrohhalme verbraucht.“

„Haben wir denn verlernt, einfach aus dem Glas zu trinken?“

Völlig überflüssig, wie auch die Tölzerin Diana Meßmer, Umweltbildungsreferentin bei der Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN), findet. „Haben die Menschen etwa verlernt, einfach aus dem Glas zu trinken?“, fragt sie sich. Aber auch zum Plastikstrohhalm gebe es Alternativen – aus Edelstahl etwa, aus Bambus, Stroh oder – sogar essbar – aus Apfeltrester.

Meßmer und ihre Mitstreiter vom BN bemühen sich stark um Bewusstseinsbildung und Aufklärung in Sachen Plastikmüllvermeidung, zum Beispiel an zehn Partnerschulen im Landkreis. Es freut Meßmer, dass bei dem Thema „von unten so viel passiert“. Wenn von oben Druck durch den Gesetzgeber dazukomme, sei das „super“. „Man könnte auch gern alles, was aus nicht recycelbarem Plastik ist, verbieten oder mit einer Steuer belegen.“

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