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Spezialitäten vom Metzger: Einige Kunden wollen ihre Einkäufe in mitgebrachte Dosen gelegt bekommen.  

Trend zum Plastiksparen 

Plastikfrei einkaufen: Wenn die Wurst nicht in die Tüte kommt

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Beim Einkaufen Plastikmüll zu vermeiden, liegt im Trend. Deswegen kommt es immer häufiger vor, dass Kunden ihre eigene Tupperdose zum Metzger mitbringen. Einige Geschäftsinhaber haben dabei aber Hygienebedenken.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Statistisch gesehen produziert jeder Bundesbürger 213 Kilogramm Verpackungsmüll pro Jahr – was Deutschland den zweifelhaften Titel des Europameisters im Kunststoffverbrauch beschert. Immer mehr Menschen versuchen mittlerweile aber auch, Plastik so weit wie möglich zu vermeiden. Eine Methode, die beliebter wird, ist es, zum Beispiel zum Metzger die eigene Tupperdose mitzubringen und die Wurst hineinlegen statt eigens verpacken zu lassen. Die Metzgereien im Landkreis gehen mit diesem Kundenwunsch höchst unterschiedlich um.

„Wir gehen auf die Wünsche jedes Kunden ein – müssen aber natürlich auch die Hygienevorschriften einhalten“, erklärt etwa Elisabeth Röckenschuß, Ladenleiterin der Tölzer Metzgerei Rottenwallner. „Wir haben eben ein empfindliches Produkt, das wir in gewisser Weise schützen müssen. Ich kann eine Wiener nicht einfach so in einen Stoffbeutel werfen.“

Wolle ein Käufer seine Wurst in den eigenen Behälter bekommen, „dann machen wir das selbstverständlich“, sagt Elisabeth Röckenschuß. Dabei sei aber darauf zu achten, dass die mitgebrachte Dose nicht über die Theke gereicht wird. „Sie muss oben auf der Theke bleiben.“ Diese Vorschrift soll verhindern, dass vom Kunden von außen hereingebrachte Keime an die Verkaufsware gelangen.

Für sinnvoll hält es Röckenschuß allerdings, dass die einzelnen Wurstsorten in „Wunderpapier“ gewickelt werden, wie sie es nennt. „Dieses Material ist umweltfreundlich und recycelbar und gewährt die Frische des Produkts.“ Lege man hingegen zum Beispiel Paprika- und Gelbwurst ungetrennt miteinander in eine Dose, dann würden sich die Geschmäcker vermischen. Wenn der Kunde darauf bestehe, verzichte man aber auch auf das Einwickelpapier. Üblicher sei es, den Kunden die einzelnen Wurstsorten in „Wunderpapier“ verpackt, aber ohne zusätzliche Plastiktüte in den Korb oder den Stoffbeutel zu reichen.

Dass Kunden eigene Behälter dabei haben, das passiere schon häufiger vor, sagt die Ladenleiterin. „Es können an einem Tag mal mehrere sein, an anderen Tagen kommt es gar nicht vor.“

„Schwierig“ findet der Lenggrieser Metzger Karl Weber die Sache mit den mitgebrachten Dosen. Auch er verweist auf die Regel, dass die Behälter nicht über die Theke gereicht oder gar auf die Arbeitsfläche gestellt werden dürfen. Natürlich unterstelle er keinem Kunden, seine Tupperschüsseln nicht sauber zu halten. Ganz genau wisse man aber nicht, wer zum Beispiel einen Hund daheim habe, der an dem Behälter Keime hinterlassen haben könnte. „Ein Kollege von mir ist wegen so etwas schon angezeigt worden“, sagt Weber. Und ihm selbst sei sehr bewusst: „Ich habe die Verantwortung, dass meine Kunden gesund bleiben.“

Deswegen ist dem Lenggrieser etwas mulmig bei den mitgebrachten Behältern, und er erfüllt den Kundenwunsch, der pro Tag vielleicht ein- bis dreimal vorkomme, „ganz ungern“. Plastik zu vermeiden, hält auch Weber für eine gute Sache. Das lasse sich aber anderswo leichter und auch effektiver umsetzen als in der Metzgerei.

Ganz anders sieht das Thema Sebastian Limm, der in Münsing ein Gasthaus mit eigener Metzgerei führt. Er freut sich über jeden Kunden, der sich seine Ware in die eigene Dose legen lässt – und das „werden immer mehr“, berichtet er. Limm versichert: „Das ist bei uns gern gesehen. Wir müssen schauen, dass wir mit dem Verpackungsmüll so weit wie möglich runterkommen.“

Andreas Länger, Inhaber der Metzgerei Knöbl in Geretsried, lehnt es hingegen prinzipiell ab, seine Ware in die Behälter der Kunden zu geben. „Wir arbeiten mit verderblicher Ware“, argumentiert er. Die Verpackung schütze Fleisch und Wurst vor allen schädlichen äußeren Einflüssen und garantiere die Hygiene. Mitgebrachte Gefäße müssten nicht unbedingt dreckig sein. „Aber wir wissen halt nicht, wo sie vorher gelagert waren.“

Leses Sie auch: Der Gasthof verfiel seit Jahrzehnten - jetzt kommt ein plastikfreier Laden rein

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