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Podiumsdiskussion des Bund Naturschutz: Irgendwie wollen alle mehr Öko

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Landtagskandidaten auf dem Podium: In der Tölzer Franzmühle diskutierten (v. li.) Martin Ehrenhuber (CSU), Sepp Lausch (BP), Markus Gampl (ÖDP), Moderatorin Veronika Ahn-Tauchnitz, Hans Urban (Grüne), Robert Kühn (SPD), Elmar Gehnen (Linke), Fritz Haugg (FDP) und Florian Streibl (FW). © arp

Acht Männer, eine Frau und rund 65 Zuhörer: Das waren die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion, die der Bund Naturschutz veranstaltet hat. Die eingeladenen Landtagskandidaten zeigten sich als Meister der grünen Selbstdarstellung: Alle wollen weniger Großbauern und Flächenfraß – und mehr Öko.

Bad Tölz – Es wirkte ein klein wenig wie beim „Kanzlerduell“ im Herbst 2017 – nur mit mehr Teilnehmern und auf Landkreisebene: Da versammelten sich am Donnerstagabend die Vertreter von acht Parteien in der Tölzer Franzmühle zur Podiumsdiskussion des Bund Naturschutz (BN) und diskutierten – nicht wirklich.

Friedl Krönauer, Kreisvorsitzender des BN, stellte zu Anfang die angedachten Themen vor. Um Wald, Flächenfraß, Verkehr, Tourismus und Energie solle es gehen. Der Abend sei als Gegengewicht zur Verengung der öffentlichen Debatte auf die Migrationspolitik gedacht. Naturschutz trete in der Politik oft in den Hintergrund, werde mehr „als Option gesehen“. Aber: „Wir kämpfen für den Erhalt der Lebensgrundlage“, sagte Krönauer.

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Am intensivsten besprachen die Vertreter von Freien Wählern (FW), FDP, Linken, SPD, Grünen, ÖDP, Bayernpartei (BP) und CSU den Flächenverbrauch durch Infrastruktur – Stichwort Tölzer Nordspange –, die im Landkreis dringend benötigte Verkehrswende, den Ausbau des ÖPNV und die Isarverordnung. Florian Streibl (FW), Fritz Haugg (FDP), Elmar Gehnen (Linke), Robert Kühn (SPD), Hans Urban (Grüne), Markus Gampl (ÖDP), Sepp Lausch (BP) und Martin Ehrenhuber (CSU) gaben sich dabei alle ökologisch – konnten sich aber kaum thematisch von ihren Mitstreitern absetzen. Das lag vielleicht daran, dass auf dem Podium rund um Moderatorin Veronika Ahn-Tauchnitz, Redaktionsleiterin des Tölzer Kurier, zu viele Kandidaten saßen. Entbrennende Diskussionen hätten aus der Abendveranstaltung eine lange Nacht gemacht, obwohl die Redezeit der Kandidaten auf je 90 Sekunden am Stück begrenzt war. Die große Übereinstimmung war aber womöglich auch darauf zurückzuführen, dass sich die Politiker dem Kontext und dem zu erwartenden Publikum der Veranstaltung gemäß präsentierten – schließlich hatte der BN geladen.

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Selbst der CSU-Vertreter präsentierte eine solch „grüne“ Agenda, dass seinen Worten manchmal nicht anzuhören war, welcher Partei er angehörte. Martin Ehrenhuber war als Vertretung für den verhinderten Stimmkreis-Abgeordneten Martin Bachhuber gekommen. Der Münsinger ist Landesvorsitzender des CSU-Arbeitskreises Energiewende. Ehrenhuber sieht zwischen seiner CSU-Mitgliedschaft und seinem „grünen“ Veränderungswillen keinen Widerspruch. Er orientiere sich an christlich-konservativen Werten und „dazu gehört auch der Erhaltungsgedanke an die Umwelt“, erklärte der 46-Jährige.

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Nur beim Thema Nordspange waren klare Meinungsunterschiede zu hören. Linken-Vertreter Gehnen sprach sich gegen die Umfahrung aus. Vielmehr solle man den Stau an der Flintkaserne als Möglichkeit der „Entschleunigung“ betrachten. Sepp Lausch (BP) hingegen verkündete ein klares „Ja“ zur Nordspange. „Da geht die Lebensqualität vor, Stau ist eine Geißel der Menschheit.“ Robert Kühn (SPD) nutzt die Straße regelmäßig und sagte: „Ich bin ganz klar für die Nordspange, mit Radweg kombiniert.“ Haugg (FDP) und Streibl (FW) sprachen sich für eine grundsätzliche Neuplanung der Verkehrsströme aus, Gampl (ÖDP) sucht ebenfalls eher nach Infrastruktur-Alternativen. Hans Urban (Grüne) sieht die Umfahrung ebenfalls noch nicht kommen und wagte sogar eine Prognose: „Ich vermute, die Nordspange wird der nächste Tölzer Bürgerentscheid.“

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