Die jungen Politiker samt Moderatorin bei der Podiumsdiskussion im Tölzer Jugendcafé.
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Die jungen Politiker (v.li.) Jakob Hirn (Linke), Janina Wessendorf (ÖDP), Josef Rohrmoser (JU), Simon Roloff (FDP), Bruno Peetroons (SPD) und Teresa Wimmer (Grüne). Moderatorin Verena Peck (Mitte) führte durch den Abend.

Entscheidungshilfe für junge Wähler

Podiumsdiskussion im Tölzer Jugendcafé: Junge Politiker im Kreuzverhör

  • VonElena Royer
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Sechs junge Politiker aus dem Landkreis standen dem Publikum bei der Podiumsdiskussion im Tölzer Jugendcafé Rede und Antwort.

Bad Tölz-Wolfratshausen - Am Mittwochabend gaben sich sechs junge Politiker die Ehre und diskutierten im Rahmen der „Polit(o)ur“ im Tölzer Jugendcafé. Von den Linken kam Jakob Hirn, von der ÖDP Janina Wessendorf. Die Junge Union/CSU vertrat Josef Rohrmoser, die FDP Simon Roloff, die Grünen Teresa Wimmer und die Jusos/SPD Bruno Peetroons.
Die Veranstaltung im Jugendcafé sollte den Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen Überblick geben, wer am 26. September zur Wahl steht und bei welcher Partei sie ihr Kreuz machen können. Moderatorin und zugleich Mitorganisatorin der U18-Wahl im Landkreis, Verena Peck, machte zu Beginn darauf aufmerksam, wie wichtig es sei, den Menschen, die noch nicht 18 sind und somit noch nicht wählen dürfen, eine Stimme zu geben. Das wird im Landkreis mit der U18-Wahl ermöglicht. „Ihr seid ein nicht zu verachtender Teil der Gesellschaft“, so Peck. „Euch soll auch Gehör verschafft werden.“

Redezeit der Kandidaten war begrenzt

Peck stieg mit einer kleinen Vorstellungsrunde ein, in der jeder Kandidat 60 Sekunden Zeit hatte, sich und seine Partei vorzustellen. Bei den nachfolgenden Themen war die Redezeit auf jeweils 90 Sekunden begrenzt. Das Publikum konnte die jungen Partei-Vertreter besser kennenlernen, indem diese die zwei ihrer Ansicht nach wichtigsten Punkte ihrer Parteien vorstellten. Außerdem sollten sie sich überlegen, in welcher Partei sie wären, wenn sie nicht in ihrer Partei wären. Simon Roloff (FDP) versuchte, die Antwort zu umgehen und antwortete: „Wenn es die FDP nicht gäbe, hätte ich sie gegründet.“ Moderatorin Peck ließ das aber nicht gelten, doch bevor sich Roloff für eine Partei entscheiden konnte, war die Zeit schon abgelaufen. „So kann man es auch machen“, so Peck.

Der ÖPNV war ein heißes Thema

Als erstes großes Thema stellte die Moderatorin den ÖPNV zur Debatte. Die jungen Politiker sollten aufschreiben, was ein Zugticket von München nach Bad Tölz ihrer Meinung nach kosten soll. Linke, SPD und Grüne legten sich bei null Euro fest, die ÖDP findet einen Euro angemessen und die FDP einen Euro pro Tag, also ein 365-Euro-Ticket. Rohrmoser hatte auf seinem Blatt „1 bis 19 Euro“ stehen, woraufhin Peck ihn bat, das genauer zu erläutern. „Für Kinder, Jugendliche, Azubis, Studenten und Hartz IV-Empfänger finde ich einen Euro angebracht“, erklärte Rohrmoser. „Aber es gibt sicherlich Menschen in unserer Gesellschaft, die sich 19 Euro leisten können. Deswegen fände ich es bei diesen Leuten nicht in Ordnung, wenn sie ebenfalls für nur einen Euro von uns allen bezuschusst nach München fahren. Denn ÖPNV kostet eben auch was.“

Diese Ansicht traf im Publikum nicht auf Zustimmung. Eine Zuschauerin gab zu bedenken, dass es problematisch sei, wenn man beim Ticketkauf seine soziale Schicht preisgeben muss. Ein anderer Zuschauer fand es komisch, dass in Deutschland zwar Bildung kostenlos sei, aber um zur Schule oder zur Uni zu kommen, müsste man Geld für den ÖPNV bezahlen. „Das hat keinen Sinn“, sagte er und erntete Applaus.

Asylpolitik: „Diese Leute haben keine andere Möglichkeit“

Ein wichtiges Thema im vollen Saal des Jugendcafés war auch die Asylpolitik. Wimmer (Grüne) hat dazu eine klare Meinung: „Unser Land wird älter, wir sollten uns über Leute freuen, die zu uns wollen.“ Die Migranten würden die Flucht als einzigen Ausweg sehen, so Wessendorf (ÖDP). „Migration passiert nicht, weil die Leute sagen: Heute ist schönes Wetter, heute fahren wir mal übers Mittelmeer. Diese Leute haben keine andere Möglichkeit.“

Doch was ist mit Kriminellen? Eine Zuschauerin gab zu bedenken, dass es durchaus Leute gibt, die „aus Spaß kommen und ihr Unwesen hier treiben“. „Wir können es nicht am Gesicht ablesen, wer kriminell ist, und wenn einer Unwesen treibt, sollte man ihn nach deutschem Recht verurteilen“, forderte Hirn (Linke). Und Peetroons (Jusos) warf ein: „Kein Mensch wird illegal oder als Verbrecher geboren.“ Rohrmoser (JU) fügte hinzu: „Nur weil in der Vergangenheit Dinge nicht funktioniert haben, dürfen wir nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern müssen es in Zukunft nochmal probieren.“

Was tun die einzelnen Parteien gegen Rechts?

Als Abschluss wählte Peck die Publikumsfrage „Was tun die einzelnen Parteien gegen Rechts“? Peetroons sagte: „Es ist wichtig, dass wir an die Schulen gehen und Bildung schaffen. Die SPD hat vor 100 Jahren gegen die Nazis gestimmt und wird es auch in 100 Jahren immer noch tun.“ Roloff erklärte, dass die FDP bereits in Programme investiert, die sich mit Links- und Rechtsextremismus beschäftigen. „Zudem wollen wir Jugendliche bilden, dass sie sich nicht von Meinungen ködern lassen.“ Wimmer (Grüne) wies Roloff zurecht: „Ich finde es problematisch, dass du Rechte und Linke in diesem Zusammenhang gleichsetzt.“

Zum Schluss wollte die Moderatorin noch von den Zuschauern wissen, wer denn schon weiß, wen er entweder bei der U18-Wahl oder bei der „richtigen“ Bundestagswahl wählen wird. Die deutliche Mehrheit wusste es schon. Im Anschluss hatte das Publikum noch die Möglichkeit, sich in privaten Gesprächen mit den jungen Politikern auszutauschen.

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