Führt der Weg nach Berlin? Ob der bayerische Ministerpräsident Markus Söder als Kanzler kandidieren sollte - darüber gehen die Meinungen auseinander. 
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Führt der Weg nach Berlin? Ob der bayerische Ministerpräsident Markus Söder als Kanzler kandidieren sollte - darüber gehen die Meinungen auseinander. 

Wird der bayerische Ministerpräsident Kanzler? 

Politiker aus dem Tölzer Land über mögliche  Kanzlerkandidatur Söders 

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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Der bayerische Ministerpräsident hat sich während der Corona-Pandemie als Krisen-Manager profiliert. Selbst seine politischen Gegner im Landkreis zollen Markus Söder (CSU) dafür Respekt. Ob er nun als Kanzler kandieren sollte, darüber gehen die Meinungen aber auseinander

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Er hat in den vergangenen Monaten eine wahnsinnig gute Figur abgegeben“, sagt Susanne Merk, Vorsitzende des Kreisverbands der Freien Wähler, über Ministerpräsident Markus Söder. Dass er als heißer Anwärter für die Kanzlerkandidatur gehandelt wird, sieht sie mit Sorge. „Ich habe Angst, dass er als Kanzlerkandidat in Berlin verheizt wird“, sagt die Gaißacherin. Der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber aus Bad Heilbrunn erinnert sich noch gut an Söders Auftritt im Reutberger Festzelt Mitte März 2018. Zwei Tage nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten seien ihm viele Oberbayern skeptisch gegenüber gestanden: „Nun hat Söder ganz, ganz viele Bürger mit seinem Führungsstil überrascht“, sagt Bachhuber. Er selbst sei allerdings nicht überrascht worden: „Ich kenne den Markus, seit er in die Politik eingestiegen ist, habe ihn als Parteivorsitzenden, Umwelt- und Finanzminister erlebt.“ Söders Auftritte seien stets „sehr, sehr souverän und ohne Hektik“. Bachhuber hält Söder für den geeignetsten Kandidaten, „was den anderen gegenüber nicht despektierlich gemeint ist“.

„Lieber hätte ich ihn in Bayern“ 

Nach Ansicht des Heilbrunner Bürgermeisters Thomas Gründl spricht ebenfalls viel für Söders Kanzler-Kandidatur: „Ein Bundeskanzler muss in Krisenzeiten führen können, und das hat er bewiesen.“ Söder sei in der Lage, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen, nehme die Leute mit und bringe Dinge transparent rüber. Auch die Kommunen hätten von seiner Arbeit profitiert. „Ich bin überzeugt, dass er die Fähigkeiten hat, Kanzler zu werden“, sagt Gründl, schränkt aber ein: „Lieber hätte ich ihn in Bayern.“

„Bayern haben es schwer, Kanzler zu werden“ 

Skeptisch steht Gerhard Meinl der Kandidatur Söders gegenüber: „Er hat sicher die Fähigkeiten dazu“, sagt der 3. Bürgermeister der Stadt Geretsried und langjährige Vorsitzende des CSU-Ortsverbands. „Aber Bayern haben es schwer, Kanzler zu werden. Daher kann ich ihn nur davor warnen, diesen Weg zu beschreiten.“ Selbst Edmund Stoiber und Franz-Josef Strauß hätten es nicht geschafft, Kanzler zu werden: „Und die beiden hätten sicher auch die nötigen Fähigkeiten gehabt.“

Das sieht auch Susanne Merk so: „Wir haben diese Konstellation doch schon mehrfach gehabt. In Berlin sind doch selbst die größten Größen aus Bayern gescheitert. Da wird kein Bayer jemals einen Blumentopf gewinnen.“ Dabei habe Söder in der Corona-Zeit alles richtig gemacht und alle Positionen sehr stark vertreten: „Das ist in solch einer Zeit ganz wichtig.“ Beeindruckt ist sie vor allem, wie perfekt er sich auf jede Pressekonferenz vorbereitet.

„Für Berlin ist Söder viel zu schade“

Den Vorwurf, Söder habe übervorsichtig agiert, kann sie nicht nachvollziehen: „Man muss sich nur mal überlegen, in welcher Position er ist und welche Verantwortung er hat. Da kann man von außen leicht mit Dreck werfen.“ Vor diesem Hintergrund findet Merk: „Ich war anfangs skeptisch und war nicht immer mit ihm einer Meinung. Aber für Berlin ist Söder doch viel zu schade.“

Söder habe sich in vergangenen Monaten gut geschlagen, findet auch Alexander Müllejans, Kreissprecher der Grünen: „Das muss man als politischer Gegner neidlos anerkennen.“ Ob dies reicht, um Kanzlerkandidat zu werden, sei „schwer zu sagen“. Prognosen könne man noch nicht abgegeben, „denn es fließt noch viel Wasser die Isar hinunter, bis die Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl feststehen“. Der Eurasburger glaubt nicht an Söders Kandidatur: „Das würde ein Riesenloch in Bayern reißen.“

Lob für Söders Management der Corona-Krise aus alles Reihen 

Dies sieht Michael Ernst, Ortsvorsitzender der Tölzer SPD, ähnlich: „Söder tut Bayern als Persönlichkeit gut. Er hat die Krise organisatorisch gut und mit Weitblick gemeistert. Ob er deshalb ein super Kanzlerkandidat ist, muss die CDU/CSU für sich selbst klären – ich bin da völlig schmerzbefreit.“ Gleich wie die Überlegung ausfällt, hofft Ernst, dass die SPD es schafft, einen geeigneten Gegenkandidaten aufzustellen und dass es zu keiner fünften Runde der großen Koalition kommt. Stattdessen wünscht sich Ernst eine Koalition mit den Grünen und den Linken.

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