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Hatschi! Pollen machten Heuschnupfen-geplagten Menschen heuer teils schon im Januar zu schaffen. 

Pollensaison

Allergiker leiden heuer länger

Bad Tölz/Lenggries – Warmer Winter beschert frühen Pollenflug: Heuschnupfen-Geplagte leiden heuer bereits seit Januar. Warum die Behandlung wichtig ist.

Niesen statt Genießen heißt es für viele zum Frühlingsbeginn. Grund dafür ist der Pollenflug. Dass dieser heuer aufgrund des warmen Winters besonders stark in Erscheinung tritt, bestätigt der Tölzer HNO-Arzt Dr. David Saumweber. So sei der Ansturm von Allergie- und Heuschnupfenpatienten in seiner Praxis bisher „deutlich heftiger“ ausgefallen als im vergangenen Jahr.

Auch bei Helmut Ratzeck von der Kurapotheke in Lenggries war die Nachfrage allergiegeplagter Kunden besonders hoch. Auffällig ist für den Apothekensprecher im Landkreis dabei vor allem der lange Zeitraum, in dem nach Medikamenten verlangt wurde: „Wir hatten die ersten Patienten bereits im Januar. Das ist für uns mittlerweile ein halbjähriges Phänomen.“ Prof. Dr. Carl-Peter Bauer von der Fachklinik Gaißach kann diese Eindrücke nur eingeschränkt teilen: einen hohen Andrang von Patienten konnte er am Kompetenzzentrum für Allergien nur phasenweise feststellen.

Natürliche Heilmittel sind umstritten

Doch was tun gegen die Symptome? Geht es um die Linderung und Heilung von Allergien, schwört so mancher auf alte Hausrezepte: So gilt lokal produzierter Honig aufgrund der darin vorhandenen Pollen als Heilmittel, wie Apotheker Ratzeck sagt. Bauer sieht das kritisch: „Eine heilende Wirkung beschränkt sich auf Einzelfälle.“ Es gebe keine Studien zur natürlichen Pollenbehandlung bei Allergikern, sie anzuwenden sei daher fahrlässig. Für eine wirksame Bekämpfung einer Allergie sei der Pollenanteil im Honig viel zu gering, sagt auch Saumweber.

Heimischer Honig ist bei Ingrid Pummer vom Lenggrieser Geschäft „Kräuterhexe“ sehr beliebt. Ob dies jedoch an der heilenden Wirkung liege oder doch am guten Geschmack, wisse sie nicht. Pummer schwört auf ein anderes natürliches Mittel: Die Zistrose aus der Familie der Cistaceae. Die Pflanze stärke das Immunsystem im Allgemeinen, könne also auch Allergikern beim Kampf gegen die Pollen helfen. „Allerdings muss man schon mehrere Wochen vorher mit der regelmäßigen Einnahme beginnen“, rät Pummer. Sie selbst habe durch das Kraut ihre Pollenallergie deutlich gelindert. Der Erfolg sei aber von Mensch zu Mensch unterschiedlich. An der Schulmedizin komme man kaum vorbei.

An Medikamenten führt oft kein Weg vorbei

Apotheker Ratzeck bestätigt: „Auch homöopathisch orientierte Kunden greifen bei allergischen Reaktionen deutlich öfter zu konventionellen Medikamenten.“ Zwar könne eine frühzeitig und langfristig angesetzte homöopathische Behandlung Leiden von Allergikern lindern. Wenn es jedoch um eine schnelle Bekämpfung der Symptome geht, komme man mit rein pflanzlichen Mitteln oft nicht sehr weit.

Die komplette Heilung von einer Allergie kann durch eine rein medikamentöse Behandlung nicht erreicht werden. „Da hilft nur eine Hyposensibilisierung beim Allergologen“, so Ratzeck. Eine solche Behandlung kann zwar einige Jahre in Anspruch nehmen, trotzdem lohne sie sich. Schließlich könne die mangelnde Behandlung einer Allergie schlimme Folgen haben. „Daraus kann sich Asthma entwickeln“, warnt Fachmediziner Saumweber.

Allergologe Bauer empfiehlt einen frühen Beginn der Sensibilisierung: „Viele Menschen zögern das hinaus, bei Kindern glauben einige, dass Allergien nach der Pubertät einfach abklingen.“ Zwar kann die Behandlung auch im höheren Alter angewendet werden, in Anbetracht der Gefahren, die von einer Allergie ausgehen, sei dies aber nicht zu empfehlen. Die Behandlung werde auch immer einfacher: Die Spritzen sind nur einmal im Monat nötig und sie könne auch mit Tabletten durchgeführt werden. Auch für die akute Behandlung stehen laut Bauer viele Medikamente zur Verfügung. „Heute muss keiner mehr unter starken allergischen Reaktionen leiden, solange er sich behandeln lässt.“

Markus Henseler

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