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Selfie mit dem CSU-Kreisvorsitzenden: Markus Söder fotografiert sich mit Martin Bachhuber zu Beginn des Abends.

CSU eröffnet den Wahlkampf

Popcorn statt Politik: Söder plaudert über Privates im Tölzer Kino 

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Markus Söders dritter Auftritt in Tölz seit September 2017 ist perfekt inszeniert. Zum Start der Reihe „Söder persönlich“ plaudert der designierte Ministerpräsident Privates aus – vor 260 Menschen in einem Kinosaal.

Bad Tölz – Die CSU achtet auf jedes Detail. Sogar auf dem Glas, aus dem Markus Söder Wasser trinken soll, steht sein Name. Und natürlich auf dem Riesenbanner unter der Leinwand. Allein dort prangen an die 50 „Söder“-Schriftzüge. Der größte Saal des Tölzer Kinocenters ist in CSU-Blau ausgeleuchtet, Triumph-Musik erklingt. Dann kommt er, der designierte Ministerpräsident.

Das Popcorn auf dem Tisch wird er in den nächsten zwei Stunden nicht anrühren, es passt aber dazu: Leichte private Snacks, keine schwere politische Kost bekommen die 260 Besucher serviert. Über 320 Menschen wollten kommen. Die Reihe „Söder persönlich“ startete am Montagabend in Tölz. In sieben weiteren Orten Bayerns will der Franke bis Juni über Heimat, Glaube, Sicherheit, Soziales und Visionen sprechen. So steht es auf dem Veranstaltungsflyer. Er zeigt Söder mit siegessicherem Blick zwischen dem bayerischen Löwen und einem barocken Engelskind mit Schwert und Schild.

Wahlkampf im September, Leonhardi im November und nun die persönliche Vorstellung: Es ist der dritte Söder-Besuch in Tölz innerhalb nur eines halben Jahres. Nachdem BR, ZDF, Spiegel, DPA und andere Medien Kameras und Laptops aufgebaut haben, eröffnet Sat1-Moderator Ralf Exel den Abend: „Wir haben nur kurz die Hände geschüttelt und relativ wenig abgesprochen.“ Kritische Fragen sind von Exel bei dieser CSU-Show aber nicht zu erwarten. Das „Gespräch“ besteht aus minutenlangen Monologen Söders, für die Exel nur der Stichwortgeber ist.

Großes Kino: 260 Interessierte lauschten Markus Söders Geschichten am Montagabend im Tölzer Kinocenter. 320 hatten sich im Vorfeld angemeldet.

Ein lehrreicher Abend: Söder hat immer Schwimmsachen im Auto, spielt Tennis, mag Hunde, glaubt an Gott und steht morgens meist vor 6 Uhr auf. Der 51-Jährige, vierfacher Vater und Fan des 1. FC Nürnberg, streift durch seinen eigenen Lebenslauf: von der Schulzeit über die politischen Anfänge zur nicht immer einfachen Beziehung zu Horst Seehofer. Gerade aus der Landespolitik hat Söder Anekdoten mitgebracht. Erzählen kann er, wie einer, der einen Witz ankündigt und alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Da sind die Geschichten mit Edmund Stoiber, der ihn eines Abends ewig zappeln ließ: Söder wartete damals, 2003, auf die definitive Zusage, den Generalsekretärs-Posten zu übernehmen. „Als mich der Edmund dann endlich angerufen hat, hat er nur erzählt, dass er gerade die Welt geordnet hat“, berichtet er im Kinosaal. „Dann hat er sich aber noch mal gemeldet und ganz beiläufig gesagt: ,Natürlich wirst du Generalsekretär.‘“ Auch die erste Pressekonferenz ist Söder noch präsent – Stoiber habe ihn alleine vor 100 Journalisten sitzen gelassen.

Noch mehr beeindruckt hat den Heimatminister aber Franz Josef Strauß. „Ich hatte ein Riesenposter in meinem Zimmer. Strauß war ein rhetorisches Kraftwerk. Jeder Satz von ihm sollte als Psalm für die heutige CSU gelten.“ In dem Moment erscheint der junge Söder auf der Kinoleinwand – an einem Schreibtisch, auf dem ein Strauß-Porträt steht. Überhaupt machen die Bilder die Ein-Mann-Show noch größer: Söder mit Schultüte, Söder auf dem Rad, Söder am Gipfelkreuz.

Söders Seitenhiebe gegen Nicht-Bayern, Veganer und die SPD

Der Glaube ist ein zentrales Thema des Abends, der Lutheraner plädiert dafür, Kreuze nicht abzuhängen, sondern für christliche Werte einzustehen. „Die Welt entwickelt sich zu einem globalen Franchiseunternehmen. Bayern darf das nicht werden.“ Politisch wird Söder auch beim Thema Pflege. Sein Vater sei auf einer Palliativ-Station gestorben. Jeder solle in Würde seinen letzten Weg gehen dürfen. Ansonsten gibt es Seitenhiebe gegen Nicht-Bayern, Veganer und die SPD.

Besucherin Astrid Völler hat Söder voll überzeugt: „Ich finde es gut, dass er das Christliche in der CSU wieder herausholen will.“ Die Erzieherin aus Geretsried begrüße auch, „dass Söder mehr an die Einheimischen denken will“. Gefallen hat der Auftritt auch dem jungen Tölzer Gabriel Menzinger: „Er weiß, wie er AfD-Wähler mit Inhalten zurückgewinnen kann.“ Für den 18-Jährige, der sich inhaltlich komplett von der AfD distanziert, steht am 14. Oktober die erste Landtagswahl an. Er ist noch unentschieden – „aber nicht abgeneigt von der CSU“. Der Wolfratshauser Paul Brauner ist angetan vom persönlichen Format: „Das ist eine völlig neue Form. Man wählt ja auch einen Menschen.“

Nach dieser Biografie mit knapp zwei Stunden Spieldauer bedankt sich Moderator Exel bei den Zuschauern. Während in den Kinos nebenan „Maze Runner 3: Die Auserwählten in der Todeszone“ und der dritte Teil von „Fifty Shades of Grey“ mit dem Titel „Befreite Lust“ anlaufen, verkündet Exel: „Hier kommt jetzt kein Film mehr.“

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