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Vermittelt Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz: Elisabeth Friedrich, hier in ihrem Büro bei der Caritas im Tölzer Franziskuszentrum.

Präventionsstelle für Medien

Wenn das Smartphone Kinder überfordert

Bad Tölz - Smartphone, Soziale Netzwerke und Ballerspiele: Für Mädchen und Buben bringen Medien Probleme mit sich. Elisabeth Friedrich hilft Schulkindern im Umgang damit.

In einer durchschnittlichen dritten Klasse besitzt etwa die Hälfte der Kinder ein Smartphone. Das stellt Elisabeth Friedrich immer wieder fest, wenn sie an Schulen zu Besuch ist. „Technisch kommen sie ohne Weiteres damit zurecht“, stellt die Tölzerin fest. Doch wenn sie manchmal hört, welche emotionalen und psychischen Probleme die Nutzung der neuen Medien mit sich bringt, „dann tun mir die Kinder richtig leid“.

Den Mädchen und Buben, aber auch deren Eltern Kompetenzen im Umgang mit Facebook, Whatsapp, Instagram & Co. zu vermitteln, das ist eine der Aufgaben der ausgebildeten Sozialpädagogin, Erzieherin und Religionslehrerin. Sie führt bei der Caritas Bad Tölz-Wolfratshausen die „Präventionsstelle für Finanzen, Konsum und Medien“, die vollständig vom Landkreis finanziert wird.

Friedrich kommt auf Wunsch für eine Doppelstunde in eine Schulklasse zu Besuch – und ist dabei für alles offen. Von der Förderschule bis zum Gymnasium, von der zweiten bis zur zwölften Klasse, für alle Schüler hat sie passende Inhalte zu vermitteln. Die Nachfrage sei stark gestiegen, so die 57-Jährige. Aufklärung zu Sozialen Netzwerken, Datenschutz, Urheber- und Bildrechten oder das Recht auf informationelle Selbstbestimmung sei vielen Schulen zunehmend wichtig.

„Eigentlich sind ja die Kinder die Experten auf dem Gebiet“, räumt Elisabeth Friedrich ein. Wenn sie in eine Klasse kommt, ist es ihr deshalb ein Anliegen, die Kinder und Jugendlichen bei deren jeweiligem Wissensstand abzuholen – und sie hört erst einmal zu. In den unteren Klassen öffnet sie die Herzen der Kinder auf ganz analoge Art: mit Hilfe der Handpuppe Herr Tukan, die durch einen Bilderrahmen zu den Mädchen und Buben spricht. Und dann beginnen die Kinder zu erzählen: Von Kettenbriefen etwa, die sie über Whatsapp erhalten. „Darin heißt es, sie müssten die Nachricht weiterverschicken, sonst würde jemand ihre Mama umbringen“, so Friedrich. „Dann können sie nicht schlafen, weil sie Angst haben, dass nachts jemand aus dem Schrank kommt.“ Grundschulkinder seien von ihrer Entwicklung noch nicht so weit, die virtuelle Nachricht von einer realen Bedrohung zu unterscheiden.

„Ein anderer Drittklässler hat erzählt, dass er ständig Pornos zugeschickt bekommt“, berichtet Friedrich. Für die Sozialpädagogin ein Hinweis mehr darauf, dass bei der Internetnutzung Grenzen für Kinder sinnvoll sind. Nicht ohne Grund sei Whatsapp offiziell erst ab 16 Jahren freigegeben, Facebook ab 14. Der Einstieg in den Umgang mit dem Smartphone – so die einhellige Meinung von Experten – sei ab etwa 12 Jahren anzuraten, und dann auch nur mit wenigen und kindgerechten Apps.

Friedrich weiß freilich auch, dass die Realität oft eine andere ist – wenn auch nicht immer so extrem wie bei der Einschlaf-App für einjährige Kinder, von der sie berichtet. Die Sozialpädagogin weiß, dass sie mit erhobenem Zeigefinger wenig erreichen kann. Sie setzt deswegen auf Wissen und Aufklärung, will Wege aufzeigen, wie Kinder das Internet kreativ und mit Freude nutzen können. So stellt sie Apps wie „Knipsclub“ vor, eine Foto-Community für Kinder. Bei Kettenbriefen und ähnlichem rät sie, mit Eltern oder Vetrauenslehrern zu sprechen. Und sie redet mit den Kindern über Werte. Oft seien Drittklässler ausgeschlossen, wenn sie kein Smartphone besitzen. „Wir fragen uns dann, was wichtiger ist: eine tatsächliche Freundschaft oder Statussymbole.“

Adressaten für Friedrich sind freilich auch die Eltern, denen sie an Infoständen bei Schulveranstaltungen begegnet. Dort kann sie dann weitergeben, dass ihr manche Kinder erzählen, wie gern sie doch beim Abendessen mit ihren Eltern und Geschwistern reden würden – aber leider jeder nur auf sein Smartphone oder Tablet starre. Wenn Mütter und Väter erzählen, ihr Kind dürfe nach dem Lernen zur Belohnung ein Ballerspiel einschalten, weist Friedrich darauf hin: „Durch die vielfältigen Reize kann sich das Gelernte nicht richtig setzen – man hat sozusagen umsonst gelernt.“

Zur Medienkompetenz gehört noch viel mehr, etwa das Wissen, dass man Facebook alle Rechte an den Bildern abtritt, die man dort veröffentlicht. Und vieles hängt mit Friedrichs zweitem großen Beratungsthema zusammen, der Schuldenprävention. Im Internet lauert so manche Kostenfalle. Von den Gesprächen mit Kindern und Jugendlichen, so die 57-Jährige, profitiere sie auch selbst: „Sie glauben gar nicht, was ich in der Schule alles lerne.“

Andreas Steppan

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