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Nach dem Auszug der Asylbewerber steht das ehemalige Hotel Jodquellenhof leer. Es könnte Teil eines Sanierungsgebiets im Badeteil werden. 

Sanierungsgebiete

Die Probleme des Tölzer Badeteils

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Die Stadt wird sich in den kommenden Jahren mit der Weiterentwicklung des Tölzer Badeteils befassen müssen. Dort gibt es ganz unterschiedliche Probleme. 

Bad Tölz – Stadtentwicklung ist kein einfaches Thema. Es verlangt, einen gewissen Weitblick an den Tag zu legen oder sogar eine Vision zu haben. Wichtig ist dabei, dass man das Gebiet, welches man weiterentwickeln möchte, genau kennt und um dessen Stärken und Schwächen weiß. Die Weiterentwicklung des Tölzer Badeteils ist für die Stadt wesentlich. Doch was sind die Probleme, denen man sich hier stellen muss? Welche Bedürfnisse gibt es in diesem Quartier, und bei welchen Entwicklungen muss man gegensteuern? Erster Schritt vor der tatsächlichen Definition der Sanierungsziele sind die sogenannten „vorbereitenden Untersuchungen“. Die hat der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung nun auf den Weg gebracht.

Am Ende dieser Untersuchungen steht die Einteilung des Badeteils in sinnvolle Sanierungsgebiete. „Das können am Ende auch zwei oder sogar drei sein“, sagt Bürgermeister Josef Janker auf Anfrage. Es gehe einfach darum, sich einmal das gesamte Gebiet anzuschauen und aufzuzeigen, wo es städtebauliche Missstände beziehungsweise verbesserungswürdige Punkte gebe. Danach müsse man sinnvolle „Cluster“ bilden. Diese künftigen Sanierungsgebiete können ganz unterschiedliche Zielsetzungen haben. Beispielsweise gibt es nach dem Tod von Trachtenhändlerin Rita Braun und der Schließung ihres Ladens weiteren Leerstand am Amortplatz zu beklagen. Das zu ändern und den Platz zu beleben, könnte eines der Sanierungsziele sein.

Ein weiteres Sanierungsgebiet werde wohl das leere Alpamare, den verwaisten „Jodquellenhof“, das abbruchreife Haus Bruckfeld und die Wandelhalle umfassen, vermutet Janker. Hier dürfte die Zielsetzung in Richtung touristischer Nutzung gehen.

Es wäre aber auch denkbar, dass es bei einem weiteren Sanierungsziel darum geht, „dem demografischen Wandel im Badeteil entgegenzusteuern“, wie Bauamtsleiter Christian Fürstberger in der Sitzung sagte. Durch den mittel- bis hochpreisigen Wohnraum, der dort in den vergangenen Jahren entstanden sei und den sich junge Familien eher nicht leisten können, gebe es „sichtbare Tendenzen in Richtung einer Überalterung der Bevölkerung im Quartier Bäderviertel“, ergänzte der designierte Stadtbaumeister Florian Ernst.

Die Definition von Sanierungsgebieten ist übrigens keine neue Erfindung. „Wir hatten schon einmal eines im Badeteil“, erinnerte Fürstberger. Ziel war seinerzeit die Umnutzung der leerstenden Sanatorien. Denen hatte Mitte der 1990er-Jahre die vom damaligen Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer auf den Weg gebrachte Gesundheitsreform das Ende beschert. „Leider erfolgte die Umnutzung in Wohnungen. Aber die großen Brachen gibt es nicht mehr“, so Fürstberger. „Deshalb wurde das Sanierungsgebiet auch aufgehoben.“

Michael Lindmair (FWG) fand es gut, dass „wir das Thema angehen und die Untersuchungen machen lassen“. Wichtig sei ihm, „dass wir die Bürger dabei von Anfang an mitnehmen“. Er, Lindmair, habe mittlerweile auch eingesehen, „dass ich in einem Problemviertel wohne“, scherzte er. Der größte Missstand „ist für mich aber der Name des Quartiers“. Das heißt in den offiziellen Unterlagen nämlich immer noch „Bäderviertel“ – ein Ausfluss aus der mittlerweile etwas ungeliebten „Neuen Tölzer Hotelkultur“. Lindmair plädierte deshalb dafür, zum Namen Badeteil zurückzukehren.

Bürgermeister Janker geht davon aus, dass die vorbereitenden Untersuchungen bis zu einem halben Jahr dauern. Und dabei gibt es für die Planer vielleicht auch das eine oder andere dicke Brett zu bohren. „Es wäre denkbar, dass sie auch mit den Besitzern der Problem-Immobilien mal Gespräche führen“, sagte Fürstberger – und zwar ohne Beteiligung der Stadt. Das könnte gerade im Fall der Jod AG vielleicht besser sein. Denn mit Anton Hoefter, dem unter anderem Alpamare und „Jodquellenhof“ gehören, ist die Stadt bekanntlich über Kreuz. Während sich Hoefter eine Wohnnutzung auf seinen Grundstücken wünscht, plädiert die Stadt für eine touristische Nachfolgenutzung.

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