Rückruf-Aktion bei Aldi Nord für Tiefkühlfisch - auch Ostdeutschland betroffen

Rückruf-Aktion bei Aldi Nord für Tiefkühlfisch - auch Ostdeutschland betroffen
+
Werbung fürs Mitfahrerbankerl macht in Wollomoos (Markt Altomünster) die Ortsbäuerin Marianne Kerle (re.) – ein Vorbild für den Landkreis? 

Erfahrungen aus anderen Gemeinden

Projekt Mitfahrerbank: Nur eine Bank hinzustellen reicht nicht

  • schließen

Die Mitfahrerbank sorgte jüngst wieder für Diskussionen im Landkreis – weil das Projekt nicht so gut angenommen wird wie erhofft. Aber es gibt auch Gemeinden, in denen es funktioniert.

Bad Tölz-Wolfratshausen– „Ich bin bestimmt schon 100-mal mitgefahren, und ich warte nie länger als zehn Minuten.“ Marianne Kerle, Ortsbäuerin aus Wollomoos (Markt Altomünster, Landkreis Dachau) hat bisher nur positive Erfahrungen mit der örtlichen Mitfahrerbank gemacht.

Von einem solch funktionierenden System ist der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen noch weit entfernt. Zwar haben elf Gemeinden die Bankerl aufgestellt, an denen man ein Fahrziel anzeigen und hoffen kann, von einem Auto mitgenommen zu werden. Doch in der Praxis klappt das nicht unbedingt – und im Kreis-Sozialausschuss gab’s dafür jüngst kritische Worte. Tenor: „Gut gemeint, aber im Ergebnis nicht viel mehr als eine bloße Sitzgelegenheit.“

Dass das System Mitfahrerbank durchaus Chancen hat, sich zu etablieren, zeigt der Blick in Nachbarlandkreise. „Wir haben 600 Einwohner, 100 davon im Pflegeheim“, beschreibt Marianne Kerle ihr Heimatdorf Wollomoos. Auf Initiative der Katholischen Landvolkbewegung ist dort im Sommer 2018 das Projekt Mitfahrerbank gestartet. Die Bänke stehen in den verschiedenen Weilern etwa am Maibaum, am Bahnhof und an der Schule.

Im Gegensatz zum Tölzer Land, wo Landtagspräsidentin Ilse Aigner im Februar zum Auftakt des Projekts im Landkreis eine Ansprache im Benediktbeurer Feuerwehrhaus hielt, wurde der Start in Altomünster groß gefeiert: Es gab ein Bürgerfest mit Weißwurstfrühstück, Tombola und einer Oldtimerbusrundfahrt. „In diesem Bus wurden sämtliche Bank-Standorte abgefahren, die Menschen konnten sich informieren und gleichzeitig einen Stempel für ein Gewinnspiel abholen“, berichtet Kerle. Einige Wochen später startete das Projektteam, bestehend aus acht Bürgern, erneut eine öffentlichkeitswirksame Aktion, nämlich Freibier beim Pfarrfest für alle, die „mit dem Bankerl“ kommen.

Marianne Kerle wird nicht müde, Werbung für die Mitfahrerbank zu machen. „In Zeiten, in denen wir alle über Umweltschutz, weniger Verbrauch und mehr Regionalität sprechen, könnte die Idee nicht aktueller sein“, sagt sie. Ganz wichtig sei die Standortwahl: Am Bahnhof beispielsweise, „wo man abends immer jemanden findet, der einen mitnimmt“. Grundsätzlich müssten Autofahrer einfach und sicher anhalten können. „Und da zählt wirklich jeder Meter.“

Anfangs sei das Team belächelt worden. „Es ist ja eigentlich keiner auf so eine Bank angewiesen“, sagt die Ortsbäuerin. Zudem hätten die Menschen unterschiedliche Bedürfnisse. Jugendlichen sei zum Beispiel der Weg zur S-Bahn wichtig, Senioren der Weg zum Supermarkt. Kerle weiß, dass manche – ob jung oder alt – Scheu haben, bei Fremden ins Auto zu steigen. „Aber das entscheidet man doch selbst“, sagt sie. „Wenn mir jemand nicht geheuer ist, dann steige ich nicht ein und sage zum Beispiel: ,Danke, aber ich warte auf jemand anders.‘“

Letztlich funktioniere die Mitfahrerbank nur über Mund-zu-Mund-Propaganda. Ganz wichtig sei Vertrauen. „Wenn ich auf der Bank sitze, hält schnell jemand.“ Eine dunkelhäutige Frau im Ort habe aber Probleme: Bei ihr bleibe kaum jemand stehen. Deshalb will Kerle jetzt mit der betroffenen Frau, die die Mitfahrerbank gerne für den Weg zum Arbeitsplatz nutzen würde, „mal zusammen darauf sitzen und meine Präsenz zeigen, damit es für sie leichter wird, mitgenommen zu werden“.

„In unserer weitverzweigten Kommune haben die ,Nimm-mi-mit‘-Bankerl ganz bewusst nur eine rein innerörtliche Funktion“, berichtet unterdessen der Bürgermeister von Ohlstadt (Kreis Garmisch-Partenkirchen), Christian Scheuerer. Man könne damit zum Beispiel zum Supermarkt oder zum Friedhof gelangen, nicht jedoch in andere Orte.

Vor allem Senioren sitzen auf diesen Bänken. „Wer es mal gemacht hat, findet es gut. Wir bekommen immer wieder positive Rückmeldungen“ , sagt Scheuerer. Allerdings hätten es viele Menschen noch nicht probiert. „Es könnte schon noch besser laufen“, sagt der Rathauschef. Gleichwohl: „Selbst wenn es nur ein kleines bisserl hilft, es ist auf jeden Fall eine gute Sache.“

In vielen anderen Gemeinden sind Mitfahrerbänke nach wie vor ein schwieriges Thema. Im Zuge der Kampagne im Tölzer Land wurde gerne auf das „Erfolgsmodell“ in Graben-Neudorf in Baden-Württemberg verwiesen. Über deren Mitfahrerbank gab es vor drei Jahren einen positiven Fernsehbeitrag vom SWR, noch immer im Internet über YouTube abrufbar. „Die Idee mit der Bank war gut, aber sie findet leider nicht die erhoffte Akzeptanz“, sagt Ulrich Notheis, Leiter des Ordnungsamts, auf Anfrage des Tölzer Kurier. Seiner Meinung nach sei Graben-Neudorf mit 12 000 Einwohnern schlichtweg zu groß und der öffentliche Nahverkehr relativ gut.

Dass es mit den Bänken schleppend bis gar nicht laufe, berichteten auf Anfrage des Tölzer Kurier auch die Bürgermeister aus Irschenberg (Landkreis Miesbach), Riegsee und Oberammergau (beide Landkreis Garmisch-Partenkirchen). „Oft sind Senioren bis ins hohe Alter mit dem Auto mobil“, sagt Christian Ostler, Geschäftsleiter im Rathaus Oberammergau. Statistiken, wie oft eine Mitfahrerbank genutzt wird, gibt es noch in keiner Gemeinde.

Ralph Seifert, Initiator der Mitfahrerbänke im Tölzer Landkreis, hat einen langen Atem. „Ich glaube, das Problem ist, dass viele das Projekt immer noch nicht kennen“, sagt der Benediktbeurer. Man müsse positive Mund-zu-Mund-Propaganda auf den Weg bringen, beispielsweise in Senioren-Kreisen. Auch in Benediktbeuern werde man noch an den Standorten feilen.

„Wenn man die Bank nur hinstellt und nix macht, dann stirbt das Projekt“, sagt Marianne Kerle aus Wollomoos. Ihre nächste Idee: Eine „Büchertankstelle“ daneben aufstellen, also einen öffentlichen Bücherschrank.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Jachenauerin liefert wieder Hochglanz-Inspiration für die Gastro-Branche
Sie hat es wieder getan: Die Jachenauerin Johanna Warham hat im dritten Jahr in Folge ein neues Buch veröffentlicht, das Inspirationen für die Gastro-Branche bieten soll.
Jachenauerin liefert wieder Hochglanz-Inspiration für die Gastro-Branche
Bodenbelag für Tölzer Gries abgesegnet
Im Tölzer Gries wird seit Monaten gearbeitet, weil der Kanal erneuert werden muss. Laut Andrea Bacher von den Stadtwerken dauert es noch etwa fünf Wochen, bis die …
Bodenbelag für Tölzer Gries abgesegnet
Illegales Autorennen am Walchensee: Fahrer (18) rammt Audi kurz vor dem Tunnel
Nach einem illegalen Autorennen auf der B11 kam es zwischen Urfeld und Walchensee zu einem Unfall. Zwei junge Männer wurden verletzt.
Illegales Autorennen am Walchensee: Fahrer (18) rammt Audi kurz vor dem Tunnel
Nach Unfall bei Tölzer Leonhardifahrt: Wer galoppiert, soll ausgeschlossen werden
Ein Unfall überschattete die Tölzer Leonhardifahrt. Die Rosser forderten bei der Nachbesprechung der Wallfahrt nun Konsequenzen von der Stadt. 
Nach Unfall bei Tölzer Leonhardifahrt: Wer galoppiert, soll ausgeschlossen werden

Kommentare