Rehkitze drücken sich bei Gefahr in die Erde. So schützen sich die Tiere vor Fressfeinden. Dem Mähdrescher entgehen sie dadurch nicht.

Projekt von Marco Paulo und Hans Willibald

Damit sie nicht unter den Mäher kommen: Jetzt gibt es den Rehkitz-Retter

Rehkitze liegen gerne im hohen Gras. Bei Gefahr ducken sie sich noch tiefer in ihre Mulde - und werden vom Mäher zerfetzt. Dabei können sich Landwirte doch den Rehkitz-Retter in Wackersberg ausleihen.

Rehkitz-Retter spendete Umweltaktivist Marco Paulo. Auszuleihen sind sie bei Landmaschinenhändler Willibald in Wackersberg. 

Bad Tölz/Wackersberg – Rehe gebären ihre Jungtiere vorwiegend im Mai und Juni in Wiesen mit hohem Gras, die an Waldgebiete oder Dickicht grenzen. Damit die Tiere dort bei der Mahd nicht versehentlich unter die scharfen Messer der Mähmaschinen gelangen, können sich Landwirte auch in diesem Jahr sogenannte „Rehkitz-Retter“ beim Landmaschinenhändler Hans Willibald in Wackersberg ausleihen. Die Geräte erzeugen Licht- und Tonsignale, welche die Ricken dazu veranlassen, ihre Jungtiere an Stellen außerhalb des Mähgebiets zu führen. 

Vor zwei Jahren spendete Marco Paulo die Geräte und übergab sie Willibald zum Verleih. Paulo will damit seinen Beitrag zum Schutz von Wildtieren leisten. Landwirte, die eines oder mehrere Geräte benötigen, können sie unbürokratisch bei Willibald ausleihen. „Wichtig ist, dass die Geräte nicht zu früh aufgestellt werden. Rehe gewöhnen sich an den Piep-Ton und das Licht, wenn sie merken, dass davon keine Gefahr ausgeht“, sagt Paulo. Denn die Jungtiere haben keinen Instinkt, der sie vor dem Lärm der Maschinen flüchten lässt. Droht Gefahr, ducken sie sich in den Boden anstatt wegzulaufen. Die Bauern wiederum laufen Gefahr, dass die Kadaver ins Futter ihrer Rinder gelangen. Im Silo verbreiten sich dann Bakterien, die das Gift Botulinum produzieren. Es führt bei trächtigen Kühen zu Fehlgeburten. Paulo und Willibald empfehlen eine Kombination aus Gerät und Mähtechnik. „Es macht Sinn, die Geräte kurz vor der Mahd aufzustellen, aber auch die Wiesen von innen nach außen zu mähen“, sagt Paulo. So bleiben den Tieren Fluchwege.

„2016 hatten wir eine sehr gute Resonanz, viele Landwirte haben die Geräte ausgeliehen“, sagt Hans Willibald. Weil im letzten Jahr die Nachfrage wieder etwas sank – vermutlich aus Unwissenheit der Ausleihmöglichkeit – möchten Paulo und Willibald das Thema nun wieder bekannter machen. Auch das Gesetz nimmt Bauern in die Pflicht: Das fahrlässige Töten von Wirbeltieren ist strafbar.  

Nora Linnerud

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