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Zeugenberichte

„Die pure Hölle“: Wie Tölzer den Schrecken in Berlin erlebten

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    Patrick Staar
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Bad Tölz/Berlin – „Es war die pure Hölle.“ So beschreibt der gebürtige Tölzer Florian Völler das, was er am Montagabend in Berlin erlebt hat. Der 32-Jährige war nur ein paar Meter entfernt, als ein Lastwagen in den Weihnachtsmarkt raste.

Ist es Glück, dass Völler noch lebt? Ist es Zufall? Oder war ein Schutzengel am Werk, wie eine Bekannte in einer SMS an Völler mutmaßte? Den Personal-Sachbearbeiter, der in Geretsried lebt, hatte es dienstlich nach Berlin verschlagen. Nach getaner Arbeit bummelte er mit einem Kollegen durch das Einkaufszentrum Bikini-Haus. Der Kollege trödelte etwas, und so verließen die beiden ein paar Minuten später als geplant das Haus.

Als Völler durch die Ausgangstüre trat, bot sich ihm ein Bild der Verwüstung: Als erstes sah er einen Lastwagen mit einer völlig zerstörten Frontscheibe. Zertrümmerte Weihnachtsmarkt-Buden. Eine überforderte Polizistin. Menschen, die andere trösteten. Schaulustige, die mit gezückten Handys zur Unfallstelle liefen. Und ein paar Meter weiter Menschen, die weiter ihren Glühwein tranken. „In der Hektik der Eindrücke konnte ich nicht mal sagen, ob Tote und Verletzte um den Lastwagen herum liegen“, sagt Völler.

Wenig später trafen die ersten Rettungskräfte und die Polizei ein. Völler versuchte, den Einsatzkräften Platz zu machen, um keinen Helfer zu behindern. Bei einem Polizisten fragte er nach, ob Blutspenden benötigt würden. Doch zu diesem Zeitpunkt war die Lage für alle vor Ort noch vollkommen unübersichtlich. „An einen Terroranschlag habe ich erst mal überhaupt nicht gedacht.“

Erst nach und nach erfuhr er die Hintergründe und konnte sich seine eigenen Gedanken machen. „Wenn der Kollege nicht getrödelt hätte, wäre ich womöglich ein paar Minuten früher am Eingang des Christkindlmarkts gestanden“, sinniert er. Und womöglich überfahren worden wie viele andere.

Was Völler wütend machte, waren die Schaulustigen, die mit ihren Handys Foto- und Filmaufnahmen machten: „Das war abartig. Ich verachte so was. Mit ihrer Sensationsgeilheit behindern die Leute die Rettungskräfte. Und das in Momenten, in denen es um Menschenleben geht.“

Was ihn fast ebenso ärgerte, waren die Reaktionen auf den Anschlag: „Es war nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Hetz-Kommentare kommen.“ Ein Terroranschlag mit zwölf Toten sei furchtbar. „Aber Hass darf nicht Hass erzeugen.“

Ganz nah dran am Geschehen war am Montag auch Isabel Sommerfeld. Die 30-Jährige, die aus Bad Tölz stammt, lebt in Berlin. Da sie als Krankenschwester arbeitet, wurde sie wie ihre Kollegen alarmiert. „Wir mussten alle einrücken.“ Die Stimmung sei bedrückend gewesen. „Unser Krankenhaus liegt vom Ort des Anschlags weiter entfernt“, so Sommerfeld. Vier Opfer wurden dort eingeliefert und notoperiert.

Die Krankenschwestern konnten in dieser Zeit nur warten. „In erster Linie waren alle geschockt“, sagt Sommerfeld. Klar habe man schon davon gesprochen, dass in Berlin etwas passieren könne. „Aber dass es dann wirklich wahr wird. Man denkt dann, das kann doch nicht sein.“ Der Breitscheidplatz liege zehn Kilometer von ihrem Wohnort entfernt. „Das ist nicht so weit. Vielleicht waren dort Leute betroffen, die ich aus der Stadt kenne, sogar welche, die bei mir im Haus wohnen.“

Der Tölzer Markus Henseler, der in Berlin studiert, war gestern, am Tag nach dem Anschlag, in der Nähe des Tatorts unterwegs. „Die Straße zum Platz war gesperrt. Es war recht ruhig“, schildert der 25-Jährige. „Es waren merklich weniger Menschen unterwegs, aber an sich geht alles seinen Lauf weiter. Nur wenige Meter entfernt erklingt vom Kadewe wieder die Weihnachtsmusik, und die Schaufenster leuchten.“

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