+
In den vergangenen Jahren war Radeln in der Marktstraße immer mal wieder erlaubt, bevor es wieder verboten wurde. Nun gibt es einen neuen Anlauf.

Radeln in der Tölzer Marktstraße zeitweise erlaubt

„Und täglich grüßt das Murmeltier“

Der Tölzer Bauausschuss hat sich in einer Kampfabstimmung für die Öffnung der Marktstraße für Radler ausgesprochen. Allerdings nur von 21 Uhr abends bis 9.30 Uhr morgens. So soll auch der Schulweg sicherer werden.

Bad Tölz – „Und täglich grüßt das Murmeltier“, zitierte Bauamtsleiter Christian Fürstberger den bekannten Film, in dem sich die Figuren in einer Zeitschleife befinden. Genau wie die Tölzer Stadträte beim Thema Radeln in der Marktstraße. Seit 1985 hat sich das Gremium immer wieder damit befasst: Das Radeln wurde erlaubt, wieder verboten und x-mal heiß diskutiert. Zuletzt wurde die Öffnung im Oktober mit 7:4 Stimmen abgelehnt. Am Dienstag einigte man sich nun im Bauausschuss denkbar knapp darauf, die Fußgängerzone von 21 Uhr abends bis 9.30 Uhr früh für Radler zu öffnen. Dies ging auf eine fraktionsübergreifende Initiative von Ulrike Bomhard (FWG), Camilla Plöckl (SPD), Ludwig Janker (CSU) und Franz Mayer (Grüne) zurück.

Wie kann man eine gute Ost-West-Verbindung für Radler schaffen? Das Tölzer Bauamt hat die Vorschläge des Verkehrsentwicklungs-Plans (VEP) geprüft und verworfen. Eine Ampel an der Engstelle in der Nockhergasse und einen Radlaufzug im Schulgraben bezeichnete Amtsleiter Christian Fürstberger als „Humbug“. Der Ausbau der Osterleite sei für die Marktstraße bedeutungslos.

Zwei Varianten, die Radlern das Leben einfacher machen sollen, wurden nun noch näher beleuchtet: der Rückbau der Treppenstufen am Weg vom alten Knabenschulhaus hinauf in Richtung Rathaus. Das seien aber zu viele Stufen. Der Weg mit 14 Prozent Steigung werde zu steil, trug Fürstberger vor. Man habe auch einen neuen Serpentinenweg am Hang neben dem Stollreither-Haus angedacht. Der sei aber zu aufwändig und ein „zu massiver Eingriff“. Das Bauamt, so Fürstberger, „hat leider keinen Zauberstab“, um eine echte Lösung für das alte Radfahrer-Problem präsentieren zu können.

Deshalb nun der Vorstoß der vier Stadträte, durch den wenigstens morgens und abends, wenn in der Marktstraße eher wenig los ist, das Radfahren erlaubt werden soll. Es werde doch ohnehin geradelt, meinte Mayer. Das Schieben werde einfach nicht akzeptiert. „Und bis 9.30 Uhr tut es keinem weh.“ Wer „Nein“ sage, der müsse Alternativen aufzeigen.

„Dass wir wieder bei Null ankommen“, mochte sich auch René Mühlberger (CSU) nicht vorstellen und sprach sich für eine „behutsame Öffnung“ aus. Mühlberger widersprach aber Robert Paintinger (CSU), der im Großen und Ganzen vernünftige Radfahrer in der Marktstraße beobachtete. „Da gibt es schon gemeingefährliche Manöver“, so Mühlberger. Man müsse den Kontrolldruck spürbar erhöhen. Das hatte auch Camilla Plöckl (SPD) vom Arbeitskreis Radeln gefordert: Mehr Polizeikontrollen, wie früher durch Karl Drexl. Bürgermeister Josef Janker hielt dies für illusorisch angesichts einer personell schlecht besetzten Polizei.

Die Gegner der Öffnung blieben bei ihrer Haltung. Margot Kirste (FWG) wollte „den Schutzraum Fußgängerzone“ nicht durch Radfahrer verwässert sehen. Es komme ja noch der Lieferverkehr hinzu. Rowdys könne man ohnehin nicht vom Radeln in der Fußgängerzone abhalten. „Aber bisher sind sie selbst für die Folgen verantwortlich.“ Auch Bürgermeister Janker wollte sich nicht damit anfreunden. Wenn man von einem Radler die in der Fußgängerzone vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit verlange, falle dieser um. Dann könne er gleich schieben.

Michael Lindmair (FWG) hatte sich die Mühe gemacht auszurechnen, um welche Strecke es geht. Die Schüler müssten 318 Meter schieben. „Das dauert drei Minuten. Wo ist das Problem?“ Ihm bereiten die Radler-Strecken vor und nach der Fußgängerzone viel mehr Kopfzerbrechen. Auf der Isarbrücke gebe es nicht einmal eine Radspur.

Die Abstimmung verlief dann ziemlich „raffiniert“, wie Mayer anmerkte. Die Verwaltung hatte im Beschlussvorschlag empfohlen, den Antrag der vier Räte abzulehnen. Das wurde von sechs Räten verneint (Mayer, Grundhuber, Renner, Plöckl, Paintinger, Mühlberger), sechs stimmten dafür (Kirste, Lindmair, Steigenberger, Bauer, Janker, Rein). Bei 6:6-Gleichstand gilt, so die Rechtslage, die Ablehnung des Beschlussvorschlags. Das heißt, die Marktstraße wird für Radler geöffnet. Die Regelung gilt erst, wenn Schilder aufgestellt sind. Erlaubt sei auch nur „Schrittgeschwindigkeit“. Eine bauliche Lösung für eine barrierefreie Verbindung am Schulgraben wurde mit 7:5 abgelehnt.

Christoph Schnitzer

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Freitagabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Freitagabend
Alm-Abtrieb: B 307 am Wochenende offen
Die B 307 ist vom Sylvensteindamm Richtung Kaiserwacht seit einer Woche gesperrt. Am Wochenende wird die Sperrung aufgehoben.
Alm-Abtrieb: B 307 am Wochenende offen
Heute Großübung von BRK und Feuerwehren im Loisachtal
Heute Großübung von BRK und Feuerwehren im Loisachtal
Lkw beim Abbiegen übersehen
Geduld brauchten am frühen Freitagnachmittag Autofahrer, die auf der B 472 unterwegs waren. Ein Unfall auf Höhe der Abzweigung in die Langau brachte den Verkehr zum …
Lkw beim Abbiegen übersehen

Kommentare