1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Bad Tölz

Durchwachsenes Zeugnis für Radwege in Bad Tölz-Wolfratshausen

Erstellt:

Von: Andreas Steppan

Kommentare

Der Radweg von Lenggries in die Jachenau ist mittlerweile zum Teil gebaut. Wie lange und kompliziert der Prozess bis zur Umsetzung war und ist, davon können die Beteiligten ein Lied singen.
Der Radweg von Lenggries in die Jachenau ist mittlerweile zum Teil gebaut. Wie lange und kompliziert der Prozess bis zur Umsetzung war und ist, davon können die Beteiligten ein Lied singen. (Archivfoto) © Arndt Pröhl

Besser radeln im Landkreis: Dazu soll eine genaue Bestandsaufnahme mit Auflistung von Problemstellen und wünschenswerten Lückenschlüssen beitragen. Geld für Verbesserungen wäre da. Aber es hakt oft an anderer Stelle.

Bad Tölz-Wolfratshausen – 300 Problempunkte, knapp 50 Netzlücken und ein insgesamt gemischtes Zeugnis: Das ist das Ergebnis eines „Radverkehrskonzepts“, das am Montagnachmittag im Kreistags-Ausschuss für Umwelt, Infrastruktur und Tourismus vorgestellt wurde. Der Landkreis hatte es bei einem externen Büro in Auftrag gegeben, um die Bedingungen für Radfahrer künftig zu verbessern.

Büro untersucht Alltagsradwegenetz auf 475 Kilometern

„Es ist nicht schlecht, was Sie im Landkreis haben, aber einiges gibt es schon noch zu tun“, fasste Eva Mast vom beauftragten Büro „Top Plan“ vor den Ausschuss-Mitgliedern zusammen. Die Mitarbeiter hatten Wege und Straßen auf insgesamt 475 Kilometern in Augenschein genommen. Der Fokus lag dabei auf den „Alltagsradwegen“, die ganz pragmatisch dazu dienen, um von A nach B zu kommen.

Dabei protokollierte das Büro jede Problemstelle, jeden Wegweiser und jede Lücke bei den Verbindungen für Radfahrer. Nun verfügt der Landkreis über eine ganz genaue Landkarte des Ist-Zustandes, auf der aber auch die noch fehlenden Wunsch-Strecken verzeichnet sind. „Hohe Priorität“ hat hier laut Mast etwa die Radweg-Verbindung zwischen Bad Tölz und dem Mittelzentrum Wolfratshausen/Geretsried.

Das Büro hat zudem festgehalten, wo ein unnötiger Poller oder in den Radweg ragendes Buschwerk die Radler behindern, oder wo eine unübersichtliche Verkehrsführung oder Schlaglöcher die Sicherheit beeinträchtigen.

Verkehrsschau an Gefahrenstellen für Radfahrer geplant

Insgesamt stufte Mast knapp zwei Drittel (314 Kilometer) des untersuchten Radwegenetzes als „bereits befahrbar“ ein – auf Radwegen, verkehrsarmen Straßen oder Wirtschaftswegen – ein Drittel (157,6 Kilometer) als „Wunschlinien“, die noch (aus-)gebaut werden müssen, und 1,3 Prozent als „in Bau oder in Planung“, wie etwa die Verbindung von Tölz nach Lenggries an der B13.

Jetzt sind freilich viele Akteure gefragt, damit das Konzept nicht in der Schublade liegen bleibt. Einen konkreten Schritt kündigte Andreas Süß, Klimaschutzbeauftragter im Landratsamt, an: eine Verkehrsschau mit der Unteren Verkehrsbehörde des Landratsamts, der Polizei und den Kommunen, bei der die größten Gefahrenstellen unter die Lupe genommen werden.

Dass Lücken im Radwegenetz geschlossen werden, das sei „politisch und gesellschaftlich absolut gewollt“, sagte Landrat Josef Niedermaier. Am Geld scheitere es nicht. Ein Problem sei vielmehr, „dass der Radwegebau immer erst vonstattengehen kann, wenn alle betroffenen Grundstückseigentümer es gutheißen“. Kreisrätin Cornelia Irmer (FW) wünschte sich rechtlich „das gleiche Instrument, das es für den Straßenbau auch gibt und das man landläufig ,Enteignung‘ nennt – natürlich für einen angemessenen Preis“.

Radwegbau scheitert oft an Grundstücksverhandlungen

Michael Häsch (CSU) warnte indes davor, mit dem Finger auf Grundstückseigentümer – „in der Regel sind es Bauern“ – zu zeigen. Georg Riesch (FW), der in seiner Zeit als Jachenauer Bürgermeister jahrelang für den – mittlerweile zum Teil umgesetzten – Radweg nach Lenggries kämpfte, kritisierte: „Gerade bei Flächen, von denen sich der Besitzer leichter trennt als von einer landwirtschaftlich intensiv genutzten Fläche, heißt es oft: Es geht nicht, das ist FFH-Gebiet.“

Niedermaier sah ein Problem darin, dass doppelte und dreifache Ausgleichsflächen verlangt würden. „Hier sollten andere Regeln gelten, wenn Flächen für den Radwegebau versiegelt werden.“

Cornelia Irmer – sie hatte 2018 das Verkehrskonzept beantragt – hatte noch andere Vorschläge, zum Beispiel dass bei Straßenausbauplanungen künftig standardmäßig auch der ADFC als Träger öffentlicher Belange angehört werden sollte, und dass es in jeder Kommune einen Radwegebeauftragten geben sollte.

Wunsch: Bei Ausbau der B11 zwischen Heilbrunn und Königsdorf soll Radweg eingeplant werden

Wünsche zu konkreten Verbindungen wurden im Ausschuss auch einige laut. Niedermaier führte die Forderung ins Feld, dass beim geplanten Ausbau der B11 nördlich des Heilbrunner Ortsteils Reindlschmiede nach Königsdorf-Schönrain ein Radweg mitgeplant wird. Hier sei „Hartnäckigkeit“ gefragt. Auf Rückfrage des Tölzer Kurier erklärt dazu Martin Herda vom Staatlichen Bauamt Weilheim, dass in dieser Frage noch nichts entschieden sei. Im Planfeststellungsverfahren hätten Landratsamt und ADFC sich für einen Radweg stark gemacht. Das Bauamt sehe wegen des geringen Verkehrsaufkommens und der Übersichtlichkeit der Strecke keine Notwendigkeit.

Michael Häsch mahnte eine Verbesserung der Anbindung von Dietramszell nach Bad Tölz, Holzkirchen und Sachsenkam an. Wolfgang Werner (SPD) erinnerte an den tödlichen Unfall vom Samstag auf der Staatsstraße 2069 in Geretsried. Dort war ein Motorradfahrer mit einer querenden Radlerin kollidiert. Er starb, die Radlerin wurde schwer verletzt. „Das ist eine der gefährlichsten neuralgischen Stellen im Landkreis“, sagte Werner. „Vielleicht platzt jetzt der Knoten, dass dort endlich die seit Jahrzehnten angedachte Unterführung gebaut wird.“

Bad-Tölz-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Bad Tölz – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare