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Gutes Beispiel: Der Radwegbau zwischen Lenggries und der Jachenau läuft seit dem vergangenen Jahr. Das Foto zeigt das Einsetzen einer der beiden notwendigen Brücken zwischen Rehgraben und Raut.

Staatliches Bauamt

Radwege-Bau in Bad Tölz-Wolfratshausen: An vielen Stellen bleibt es schwierig

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Wie ist es um den Radwegebau des Staatlichen Bauamts im Landkreis bestellt? Im Kreis-Infrastrukturausschuss ging es um angedachte Projekte und Schwierigkeiten.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Der Freistaat sei derzeit „sehr aktiv“, wenn es um das Bereitstellen von Finanzmitteln für Radwege geht, sagte Landrat Josef Niedermaier in der Sitzung des Kreis-Infrastrukturausschusses. Allerdings sei das das nur die halbe Miete. „Man kann leicht Geld zur Verfügung stellen, wenn man weiß, dass es ohnehin nicht gelingen wird, die Töpfe leer zu machen“, sagte der Landrat mit Blick auf die schwierigen Planungen. „Die Verhandlungen mit den Grundeigentümern dauern oft Jahre. Und wenn einer nicht mag, mag er nicht.“ 

Theoretisch sei es zwar denkbar, über ein Planfeststellungsverfahren eine Trasse durchzusetzen. Aber das Verfahren sei aufwendig „und zieht einen extremen Rattenschwanz hinter sich her“. Es brauche dringend modifizierte Regeln – auch in den Punkten Flächenversiegelung und Bauen in FFH- oder sonstigen Schutzgebieten. „Ich hoffe hier auf eine Erleichterung bei der Radwegplanung“, sagte Niedermaier.

Radwege-Bau: 200 Millionen Euro für 70 Landkreise

Angedacht ist einiges, wie Martin Herda, Abteilungsleiter am Staatlichen Bauamt, erläuterte. Insgesamt gibt es für das staatliche Radwegeprogramm 2020 bis 2024 rund 200 Millionen Euro aus dem Bundes- und dem Staatshaushalt sowie aus staatlichen Fördermitteln – aufgeteilt auf 71 Landkreise. 

In Bad Tölz-Wolfratshausen sieht das Bauamt einen Bedarf für verschiedene straßenbegleitende Projekte. Darunter der Radweg von Tölz nach Lenggries an der B13, von Tölz nach Sachsenkam an der B13 und von Vorderriß zum Sylvensteindamm an der B307. Schwierig dürfte es mit dem Radwegbau an der B11 von Wolfratshausen nach Dorfen werden. Die Idee sei zwar „sehr lobenswert“, sagte der Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner (FW), aber aufgrund der schwierigen Topografie sei der Weg wohl kaum zu realisieren. „Könnte man denn nicht einfach mit Markierungen auf der Straße arbeiten?“, fragte er. Herda sieht für derartige Radschutzstreifen außerhalb geschlossener Ortschaften keinerlei Möglichkeit. Außerdem sei bei den Serpentinen am Wolfratshauser Berg die Fahrbahn schon jetzt ziemlich schmal für den Verkehr.

Radwege-Bau von Tölz nach Geretsried: Eine unendliche Geschichte

Eine unendliche Geschichte ist der Radwegbau zwischen Bad Tölz und Geretsried an der Staatsstraße 2072. Auch er steht im Radwegeprogramm. „Aber zwischen Tölz und Unterleiten ist es beispielsweise schon schwierig, überhaupt eine Trasse zu finden“, sagte Herda. „Das ist die Hauptachse des Landkreises und das wichtigste Radwegeprojekt“, betonte Niedermaier die Dringlichkeit. Das Problem bei der Trasse sei, „dass dort alles unter Schutz steht. Aber hier muss es eine Lösung geben“ – und zwar eine für Alltagsradler, nicht für Genussradler, die auch mal ein paar Kilometer Umweg in Kauf nehmen können.

Wie langwierig die Planungen sind, verdeutlichte Herda an einem Beispiel. 2016 gab es für den Weg Tölz-Sachsenkam an der B13 bereits Grunderwerbsverhandlungen, „die aber nicht zielführend ausgegangen sind“. Ein ähnliches Problem gibt es beim Radwegbau zwischen Icking und Ebenhausen. Auch hier seien die Grunderwerbsverhandlungen gescheitert. Im ersten Fall könnte man allerdings prüfen, ob das öffentliche Interesse nicht das Einzelinteresse des Grundstückbesitzers überwiegt. Schließlich sei die B13 viel befahren – und für Radler gebe es keine Alternative. Das ist im zweiten Fall anders: Hier sei eine Alternativroute über Irschenhausen vorhanden, die zwar 500 Meter länger, bei der Abwägung der Interessen aber wohl zumutbar sei.

Auch an der B13 zwischen Lenggries und Tölz hakt es

Dass es selbst schwierig ist, wenn alle Grundstücke vorhanden sind, berichtete Gaißachs Bürgermeister Stefan Fadinger (CSU). Das Radweg-Projekt von Lenggries nach Tölz laufe seit 15 Jahren. Problem ist hier, dass die Trasse zwar direkt an der Bundesstraße verläuft, aber dennoch FFH-Flächen quert. „Das verringert die Breite in manchen Bereichen.“ Das sei nicht praktikabel – vor allem nicht für Alltagsradler, die schnell unterwegs sind. „Es braucht hier einen Konsens mit dem Naturschutz. Jedes Auto, das nicht fährt, ist gut“, so Fadinger.

Bei einigen Projekten geht es aber auch voran, wie Herda erläuterte. Zwischen Lenggries und der Jachenau habe der Bau begonnen. Der erste Abschnitt soll im Herbst abgeschlossen sein. Der Radweg Münsing-Weipertshausen sei eingeweiht worden. Im Programm steht hier noch die Verlängerung bis Allmanshausen. Gute Aussichten gibt es auch für das kurze Stück zwischen Bichl und Untersteinbach an der B472. „Hier ist der Grunderwerb schon abgeschlossen.“ Die Planungen brauchen aber noch einige Zeit.

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