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Optimistischer Blick nach vorn: Der Vorstand der Raiffeisenbank im Oberland mit (v. li.) Manfred Klaar, Josef Bernöcker Manfred Gasteiger und Hansjörg Hegele setzt trotz der Pandemie auf eine positive Geschäftsentwicklung. Den über 300 Mitarbeitern der Bank danken die Chefs für das enorme Engagement in der Corona-Krise. 

Wirtschaft

Raiffeisenbank im Oberland: 1000 Kunden bekamen Soforthilfe

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Die Corona-Krise hat auch im Bankensektor an vielen Gewissheiten gerüttelt und Abläufe auf den Kopf gestellt. Bei der Raiffeisenbank im Oberland aber sieht der Vorstand zumindest geschäftlich keinen Grund zu nachhaltiger Beunruhigung.

Bad Tölz-Wolfratshausen –  „Wir sind trotz allem sehr zufrieden“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Manfred Gasteiger am Mittwoch im Bilanz-Pressegespräch der Bank in Bad Tölz. Im Einzugsgebiet der Bank, das von Endlhausen bis in die Jachenau und von Bad Tölz bis Fischbachau im Kreis Miesbach reicht, seien aktuell „keine Ausfallrisiken zu erkennen“.

Normalerweise gibt die Raiffeisenbank im Oberland in solchen Pressegesprächen einen Überblick über die Geschäftsdaten des Vorjahres. „Aber jetzt haben wir Corona, und es interessiert eigentlich kaum noch jemanden, was letztes Jahr war“, stellte Vorstandsvorsitzender Hansjörg Hegele treffend fest. Und so trat die Bilanz für 2019 gegenüber den aktuellen Entwicklungen in den Hintergrund.

Wie die Vorstandsmitglieder berichteten, stieg mit dem Ausbruch der Pandemie und dem Lockdown der Beratungsbedarf der Kunden – meist telefonisch oder digital – enorm an. Über 200 Kunden hätten eine Aussetzung ihrer Kredittilgung bewilligt bekommen – mit einer Pause von bis zu einem Jahr, „damit die Menschen Luft zum Atmen bekommen und das Gefühl haben: ,Wir vertrauen dir‘“, sagte Vorstandsmitglied Manfred Klaar. Im April sagte die Raiffeisenbank im Oberland zudem Kredite über 13,1 Millionen Euro zu, „teils für Investitionen, teils für Betriebskosten, um den Laden am Laufen zu halten“, so Klaar. Laut Gasteiger erhielten rund 1000 Kunden der Bank Soforthilfen in Höhe von insgesamt 6,7 Millionen Euro von Freistaat und Bund. Als „nicht ganz so einfach in der Handhabung“ habe sich dagegen die Beantragung von Krediten bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erwiesen. „60 Prozent der Anfragen haben wir am Ende aus eigenen Mitteln bedient“, so Manfred Klaar.

Auch wenn die Bank-Verantwortlichen um die wirtschaftlichen Nöte insbesondere im Gastronomie- und Tourismus-Bereich wissen: „Wir sehen bei keinem Unternehmen, dass es akut insolvenzgefährdet wäre“, sagte Gasteiger. „Die Gesunden, die genug Reserven hatten, werden es überstehen“, so die Prognose von Vorstandsmitglied Josef Bernöcker. Schwieriger werde es für die Unternehmen, „die vorher schon zu knabbern hatten“. Hegele zitierte die Aussage eines Hoteliers aus der Region: „Wenn es bei den bisherigen Schließungen bleibt, dann sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.“ Abzuwarten sei freilich, wie sich die Umsatzausfälle mit Zeitverzögerung zum Beispiel noch bei Zulieferbetrieben auswirken, ergänzte Klaar.

Einen fortdauernden „Boom“ beobachtet Gasteiger unterdessen im Sektor Handwerk und Bau im Oberland – abzulesen sowohl an den Kreditanfragen als auch bei der Nachfrage nach Baustoffen in den drei Bau- und Warencentern der Bank in Thanning, Lenggries und Warngau.

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Trotz Corona-Krise möchte die Bank ihre aktuell 18 842 Mitglieder am Gewinn des Vorjahres teilhaben lassen und ihnen eine Dividende in Höhe von zwei Prozent ihrer Einlagen auszahlen. Bei einer üblichen Einlage von 2500 bis 3000 Euro wären das 50 bis 60 Euro. Die Bankenaufsicht BaFin allerdings hat bereits deutlich gemacht, dass die Geldinstitute angesichts der aktuellen Lage auf Dividendenausschüttungen verzichten und stattdessen ihr Eigenkapital aufstocken sollten.

„Wir finden aber, dass es ein Unterschied ist, ob eine Deutsche Bank oder Commerzbank relativ viel an ihre Aktionäre auszahlt oder ob eine Genossenschaftsbank wie wir eine kontinuierliche Dividendenpolitik betreibt“, sagte Hegele. „Wir sind klar der Meinung, dass unseren Mitgliedern eine Dividende zusteht“, so Gasteiger. Beschlossen wird das in der Vertreterversammlung, die wegen der Kontaktbeschränkungen auf den 6. Oktober verschoben wurde. Die Vorstandsmitglieder hoffen, dass sich die Linie der Bankenaufsicht bis dahin entspannt.

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Die Raiffeisenbank im Oberland betreut 48 642 Kunden und betreibt 15 Geschäftsstellen sowie 25 Geldautomaten. Sie hat 334 Mitarbeiter, davon aktuell elf Auszubildende. Sechs Lehrlinge werden im September 2020 neu eingestellt. Zum Stichtag 31. Dezember 2019 betrug der Stand der Kredite an die Kunden 980 Millionen Euro. Davon umfassten Neuzusagen oder Verlängerungen bestehender Kredite eine Summe von 300 Millionen Euro in 850 einzelnen Kreditvorgängen. Die Einlagen der Kunden lagen Ende 2019 bei 1017 Millionen Euro – das ist bei Krediten und Einlagen jeweils ein Plus von 5,2 Prozent gegenüber den Vorjahr. Die Bilanzsumme stieg 2019 um 3,4 Prozent auf 1289 Millionen Euro. Die Bank erwirtschaftete einen Jahresüberschuss von 4 241 683 Euro, der Bilanzgewinn betrug 1 229 527 Euro. Davon möchte die Bank – wenn möglich – gerne 313 333 Euro als Dividende an ihre Mitglieder auszahlen. „Wir haben unsere Prognose übertroffen und uns auf hohem Niveau stabilisiert“, bilanziert Vorstandsvorsitzender Hansjörg Hegele. „Es war für unser Haus ein sehr gutes Jahr.“

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