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Ein letztes Prost: Die Führung der „Mühlfeldler Gmoa“ verabschiedete sich in der März-Gemeinderatssitzung von ihrer langjährigen Wirtin (v. li.): Kämmerer Jürgen van Wahnem, Gmoarat Karl Heinz Kral, Schriftführer Christian Hesse, Bürgermeister Georg Gmeiner, Zweite Bürgermeisterin Anneliese Bichler, Schatzmeisterin Christa van Wahnem, Heidi Königbauer und Gmoarat Fritz Pregler.

Beliebte Wirtin hört auf

Traditionsreiche „Gmoa“ verliert Rathaus: „Tölzer Bräustüberl“ schließt

  • vonEwald Scheitterer
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Mit dem Abschied von Wirtin Heidi Königbauer eine Ära im „Tölzer Bräustüberl“. Das Lokal ist nicht nur ein beliebter Treffpunkt, sondern dient auch als Rathaus.

Bad Tölz – Wirtin Heidi Königbauer hat am Dienstag nach dem letzten Gast ihr „Tölzer Bräustüberl“ zugesperrt – wie an jedem Dienstagabend seit nunmehr fast 40 Jahren. Am Mittwoch hatte die Wirtin immer ihren Ruhetag. Doch diesmal ist es endgültig. „Es reicht“, sagt die 68-jährige Gastronomin. „Ich höre in erster Linie aus gesundheitlichen Gründen auf. Damit ist nach 59 Jahren die Ära Königbauer in einem der letzten echt bayerischen Wirtshäuser in Tölz zu Ende gegangen.

„Jetzt haben wir erst einmal kein Rathaus mehr“, bedauert Bürgermeister Georg Gmeiner den Abschied der Wirtin. Für die „Mühlfeldler Gmoa“ war das Wirtshaus seit der offiziellen Gründung im Jahr 1951 das Zentrum all ihrer Aktivitäten.

Kirche, Wirtshaus, Maibaum: „Tölzer Bräustüberl“ gehört zu bayerischem Panorama

„Das ist doch das Schöne in Bayern. Genau, wie es sein soll“, sagt der Rathauschef: „Die Kirche, das Wirtshaus und gleich daneben der Maibaum.“ Auch Letzterer wird von der „Gmoa“ alle drei Jahre aufgestellt, im Wechsel mit den Siedlern in der Karwendelsiedlung und den Trachtenvereinen an der Alten Schießstätte im Badeteil.

Traditionsgaststätte neben der Mühlfeldkirche: Das „Tölzer Bräustüberl“ wird neu verpachtet.

Die Schrecken des Zweiten Weltkriegs waren noch nicht vergessen und die Zeiten waren hart. Da wurden auch in Bad Tölz einige Vereinigungen gegründet, deren Ziel die gegenseitige Nachbarschaftshilfe und Unterstützung war. So entstand aus einem Stammtisch von Bürgern aus dem Tölzer Mühlfeld die bis heute bestehende „Gmoa“, in der die Geselligkeit gepflegt und das Zusammengehörigkeitsgefühl zum Ausdruck gebracht wird. Darüber hinaus gab es in den 1950er-Jahren noch die „Gemeinden“ der Hintersbergler, der Griesler und der Kohlstattler. Die „Mühlfeldler Gmoa“ wurde am Dreikönigstag des Jahres 1951 gegründet. Sie ist die einzige, die überlebt hat. Aktuell hat sie rund 200 Bürger. Der gewählte Gemeinderat tagte bis heute noch jeden ersten Freitag im Monat im „Bräustüberl“.

Heidi Königbauer ist im „Tölzer Bräustüberl“ aufgewachsen

„Offiziell endet mein Pachtvertrag mit Löwenbräu zum 1. April“, erklärt Heidi Königbauer den Tag der Schließung. Die verbleibende Zeit benötige sie zum Auf- und Ausräumen des Hauses, in dem sie auch seit vielen Jahrzehnten gewohnt hat. „Ich war gerade einmal zehn Jahre alt, als ich mit meinen Eltern hierher gekommen bin.“ Sie ist im Wirtshaus aufgewachsen, denn Vater Lenz war im „Bräustüberl“ von 1961 bis 1980 der Wirt. Da ist es kein Wunder, dass sie eine bodenständige Wirtin mit Leib und Seele wurde, die in das Metier regelrecht hineingewachsen ist. Sie war über die vielen Jahre die Chefin des Hauses und schwang tagtäglich den Kochlöffel. Da gab es für sie auch nie einen anderen Gedanken, als den Betrieb als traditionelles Wirtshaus zu führen – angefangen von der Küche mit bayerischen Schmankerln bis hin zum täglichen Betrieb.

„Hierher konnte man immer kommen, auch wenn man sich nur eine oder zwei Halbe genehmigen wollte“, bestätigt Gmeiner. Hier waren auch Kartenspieler jederzeit willkommen, und man sei nicht schief angeschaut worden, wenn man nichts zu essen bestellt hat.

Es gibt Interessenten für die Nachfolge - aber unterschrieben ist noch nichts

So hat die „Gmoa“ auch die Hoffnung, dass der Wirtshausbetrieb in bewährtem Stil weitergehen wird. Für die Gemeinderats-Sitzungen gibt es noch keine Interimslösung. „Vielleicht werden wir auch unsere Parlamentsferien aus dem Sommer heuer vorverlegen müssen“, sinniert der Bürgermeister, der seit 2004 im Amt ist.

„Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge raus“, erklärt Heidi Königbauer, die hier „immer gerne gearbeitet“ hat: „Vor allem tut es mir um meine vielen netten Stammgäste leid.“ Freilich gibt es bereits drei ernst zu nehmende Interessenten, die das Lokal im gleichen Stil weiterführen wollen, aber – „unterschrieben hat noch keiner“. Nicht zuletzt bedingt durch die Corona-Krise geht die Wirtin aktuell davon aus, „dass das Haus jetzt eine geraume Zeit leer stehen wird.“

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