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Noch braucht es Vorstellungskraft, doch hier entsteht der Sitzungssaal im sanierten Rathaus. Bauamtsleiter Christian Fürstberger geht in Richtung Dachterrasse – wo Stadträte rauchen oder Paare heiraten können.

Sanierung

Rathaus soll erst Ende 2017 fertig sein

Bad Tölz –  Schon der Rohbau zeigt, wie komfortabel das generalsanierte Tölzer Rathaus einmal sein wird. Doch die Erweiterungsmaßnahmen hinken dem Zeitplan um sieben Monate hinterher. Die Gesamtkosten: 8,5 Millionen Euro.

Hier oben hat man den perfekten Blick in den Isarwinkel, Stadträten wird es vergönnt sein, sich eine Zigarette anzuzünden, Liebespaare dürfen sich hier, über der Stadt, trauen lassen. Noch ist das Zukunftsmusik.

Christian Fürstberger steht auf der Dachterrasse zwischen Ziegelsteinen und Baugerüsten. „Es ist ein Zweckbau, keine Vorstandszentrale, es gibt auch keinen Schnickschnack in den Büros. Wir verbauen schließlich Steuergelder“, sagt er. Fürstberger ist Leiter des Stadtbauamts und koordiniert die Generalsanierung und Erweiterung des Tölzer Rathauses. Zuletzt führte er die Presse durch alle Stockwerke des Zwischen- und Neubaus.

Seit 2003 macht sich die Stadt wegen Platzmangels Gedanken über eine Erweiterung, 2007 beauftragte man ein Planungsbüro, im März 2015 begannen endlich die Bauarbeiten. Zu gern würde Bürgermeister Josef Janker die Weihnachtssitzung im neuen, geräumigen Sitzungssaal abhalten. „Da sind wir knapp dran. Ich bin zuversichtlich, dass Ende 2017 alles abgeschlossen sein wird“, sagt Fürstberger. Sieben Monate liege man hinter dem Zeitplan, die Planungen der noch fehlenden Fassade ziehen sich.

Fürstbergers Zuversicht gilt auch dem Finanziellen: Die ursprünglich kalkulierten 7,2 Millionen Euro hatte man im Januar 2015 auf 8,5 Millionen nach oben korrigiert. Fürstberger: „Ich denke, das können wir halten.“ Bei der Führung zeigt der Bauamtsleiter zunächst auf ein Objekt, das nicht zum Haus gehört. Aus Statikgründen musste man Richtung Innenstadt eine Stützmauer errichten lassen. Für 140 000 Euro.

Hauptverantwortlich für die Kostensteigerung sei aber die komplett neue Haustechnik, sagt Fürstberger. „Wir brauchten unheimlich viele neue Rohre für die Stromverkabelung.“ Manchmal habe er den Eindruck, dass jeder Mitarbeiter sein eigenes Stromkabel bekomme. Überall hängen sie aus den Wänden. „Die neuzeitlichen Anforderungen“, sagt Fürstberger und zwinkert dabei.

Für die Journalisten schreitet er durch die Archivräume und Mitarbeiterduschen im Rohbaustatus und erklärt dabei, dass es rund 15 neue Büros geben werde, um für zusätzliche Aufgaben künftig gerüstet zu sein. Das Trauzimmer zieht „weg vom Parteiverkehr“ in den ersten Stock, Ordnungs- und Bauamt werden – logistisch naheliegend – Nachbarn.

Eine Herausforderung ist die Verbindung des Altbaus mit dem etwas niedriger liegenden Zwischenbau. „Der Aufzug muss deshalb mehrere Ebenen anfahren können“, erklärt Fürstberger, der im Keller die Hauptinnovation präsentiert. Für die Eisspeicherheizung, die im Winter wärmt und im Sommer kühlt, habe man 60 000 Euro mehr als für eine herkömmliche Heizung hingelegt. „Aber das wird sich schnell amortisieren.“ Gleiches gilt für die Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Direkt unter dem Holzdach liegt das Schmuckstück des neuen Rathauses: der Sitzungssaal, 200 Quadratmeter groß, der auch Vereinen und anderen Institutionen zur Verfügung stehen soll. Noch braucht es in dem Raum mit den Holzbalken viel Vorstellungskraft, um das komfortable Ambiente einer künftigen Stadtratssitzung zu erahnen. Ein Blick in den alten, beengten Saal allerdings stellt bildet den Kontrast. Er wird zum Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter umfunktioniert.

Tobias Gmach

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