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Ziel erreicht: Michael Wigge 2010 bei seiner Ankunft in der Antarktis. Er war von Berlin aus über vier Kontinente und 35 000 Kilometer dort hingereist – ganz ohne Geld.

Wunderfalke-Festival 

Raus aus der Komfortzone

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Was veranlasst einen Menschen, ohne einen Cent Geld in der Tasche um die Welt zu reisen? Michael Wigge hat genau das getan. Im Interview erklärt er seine Motivation und erzählt, was die Besucher bei seinem Vortrag am 18. November in Bad Tölz erwartet.

Bad Tölz – Michael Wigge?Das ist doch der, der sich mit einem angebissenen Apfel bis zum eigenen Haus auf Hawaii hochtauschte. Genau, aber Wigge ist auch der, der mit dem Tretroller durch Deutschland gurkte und die 50 US-Staaten in 50 Tagen mit der Kamera erkundete. Der Abenteuer-Reporter stellt sich immer wieder Selbstversuchen. Von seiner größten Herausforderung erzählt er am 18. November beim Outdoor & Adventure-Festival „Abenteuerwege“ im Tölzer Kurhaus. Wigge reiste „ohne Geld ans Ende der Welt“ – von Berlin bis in die Antarktis. 150 Tage, 35 000 Kilometer, elf Länder. Zum Interview meldet er sich telefonisch aus Colorado.

-Herr Wigge, was machen Sie in Colorado?

Ich lebe dort, in Boulder, eine halbe Stunde von Denver entfernt. Die „Reise ans Ende der Welt“ lief auch in Amerika im Fernsehen, seitdem trete ich auch dort auf. Ich pendle seit vier Jahren zwischen den USA und Deutschland, wo ich in Rostock wohne. Ich führe ein Leben zwischen Tür und Angel.

-Und wie ist das so?

Es ist sehr abwechslungsreich und spannend, ständig zwei Kulturen zu erleben. Aber es hat auch Nachteile: Man kommt selten zur Ruhe.

-Waren Sie schon mal in Bad Tölz?

Nein, aber ich verbringe meine Freizeit gerne am Königssee und fahre dann vorbei.

-Was darf das Tölzer Publikum von Ihnen erwarten?

Ich werde von der großen Reise erzählen und auch Bilder und Videos zeigen. Wer sagt, er möchte selbst mal ohne Geld reisen, essen und übernachten, der ist hier richtig. Aber natürlich auch alle anderen, die so etwas spannend finden.

-Ihre Reise war ja 2010. Haben Sie das Thema noch nicht ausgeschöpft?

Nein, das ist ein Klassiker und absolut zeitlos. Ich habe damals für viele Dinge das Internet genutzt. Das wäre heute mit diversen Apps wohl noch einfacher.

-Gab es einen besonderen Höhepunkt für Sie?

Ich durfte in den USA zum Beispiel mit Amish-Bauern leben, die auf jegliche technische Errungenschaften verzichten. Die haben mich durchgefüttert, und ich habe mitgearbeitet. Das war wie eine Zeitreise, eine unheimlich spannende Subkultur.

-Und Sie hatten wirklich keinen einzigen Cent dabei? Gab es Momente, in denen Sie aufgeben wollten?

Ich möchte natürlich nicht zu viel vorwegnehmen. Aber die Reise war nicht so spontan, wie manche meiner Zuschauer denken. Ich habe sehr viel geplant und zum Beispiel Essen gebunkert. Allerdings ist mein Apartment, das mir ein Deutscher in Peru überlassen hat, abgebrannt. Ich saß die ganze Nacht auf der Straße. Da war die Motivation komplett raus. Das hätte richtig schief gehen können.

-Was reizt Sie allgemein an der Form der Herausforderung?

Mir machen Selbstversuche einfach Spaß, und ich finde es spannend, auf diese Art Geschichten zu erzählen. Sie ist sehr selbstfokussiert und persönlich, der rote Faden ist sehr klar. Und das Konzept kommt bei den Leuten an.

-Sie geben auch Coachings: Was können denn Unternehmer oder auch Privatpersonen von Ihren Erfahrungen lernen?

In beiden Fällen kann es zu Existenzängsten oder anderen Unsicherheiten kommen. Es geht eigentlich immer darum, die eigene Komfortzone zu verlassen, um seine Ziele zu erreichen.

-Was haben Sie für sich selbst von der Reise ohne Geld mitgenommen?

Dass es bei all dem Terror und den politischen Problemen so viel Gutes in der Welt gibt. Ich sage ganz ehrlich: Ich lebe gerne mit Geld. Aber diese Erfahrung hat meine Dankbarkeit für die kleinen Dinge geschärft.

- Worum geht es bei ihrem nächsten Projekt?

Ich will mich dem gesellschaftspolitischen Thema Einwanderung in Deutschland widmen. Das ist ja eine sehr polarisierende Diskussion. Ich kann noch nicht viel verraten: Aber ich werde mich wieder einem Selbstversuch stellen.


Weitere Infos

zu Michael Wigge und seinen Projekten auf www.my-challenge-coach.de.

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