+
Eine Frau mit einem Schild "Schämt euch" demonstriert gegen die Wahl Kemmerichs zum Ministerpräsidenten von Thüringen. Der FDP-Kandidat Kemmerich war am Mittwoch im Thüringer Landtag überraschend mit den Stimmen von Liberalen, CDU und AfD zum Regierungschef gewählt worden.

Politik

Reaktionen aus der Region auf das Wahl-Debakel in Thüringen: „Man spielt nicht mit dem Feuer“

FDP-Mitglieder vor Ort nehmen Stellung und distanzieren sich von Thüringen-Wahl. Manche sehen sogar Zusammenhänge mit dem Landkreis.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Tölzer Christian Bertl ahnte schon gestern Vormittag, dass der mediale Druck so groß werden könne, dass Thüringens frisch gewählter Ministerpräsident Thomas Kemmerich zurücktreten werde. Bertl will am 15. März für die FDP in den Kreistag Bad Tölz-Wolfratshausen einziehen. Der Tölzer Taxifahrer hätte mit einem von der AfD mitgewählten Ministerpräsidenten durchaus leben können. Dies sei Ergebnis einer freien und geheimen Wahl im Landtag gewesen. Und kein FDP- oder CDU-Abgeordneter habe zuvor den AfD-Mann gewählt.

Am Tropf der AfD hätte der Tölzer Kemmerich in der Folge keineswegs gesehen. „Ich bin ein großer Fan von Minderheitsregierungen.“ Das sei in anderen Ländern gang und gebe. Das führe zu eher sachbezogenen Entscheidungen.

Bertl ist seit 2004 in der FDP. Drei Jahrzehnte früher ist der Geretsrieder Günther Fuhrmann der Partei beigetreten. Der 75-Jährige hat sich allerdings, wie er sagt, eine „Möllemann-Pause von zehn Jahren“ vom politischen Geschäft gegönnt. Die Nachricht von einem FDP-Ministerpräsidenten habe ihn zunächst einmal gefreut. Dann erst sei ihm ein Licht aufgegangen, was für Konsequenzen das haben könnte.

Basisarbeit mit dem Bürger verstärken, um einen Rechtsruck entgegenzuarbeiten

Fuhrmann, altgedientes Kommunalpolitik-Schlachtross, wollte gestern „eigentlich gar nichts sagen“. Er sei mit der thüringischen Politik nicht vertraut und kenne die Situation vor Ort nicht. Aber ein paar Meinungspflöcke schlug er dann doch ein. Eine Zusammenarbeit mit der AfD lehnt der Geretsrieder Stadtrat grundsätzlich ab. Thomas Kemmerich käme als Ministerpräsident „dauernd in die Bredouille“, auch wenn er angekündigt habe, nicht mit der AfD zu kooperieren. Günther Fuhrmann erkennt durchaus Zusammenhänge mit dem Landkreis. Auch im Kreistag würden die Volksparteien kleiner und die kleinen Parteien größer. „Und das ist erst der Anfang.“ Wie also umgehen mit dem geänderten Wählerverhalten? Fuhrmann nennt das Beispiel der Ausschussgemeinschaft der FDP mit der Bayernpartei. Damit habe man Anrecht auf einen Sitz in den eigentlich entscheidenden Ausschüssen. Und nach der Wahl will er die Basisarbeit mit dem Bürger verstärken, um einen Rechtsruck entgegenzuarbeiten.

Rücktritt als die einzig richtige Entscheidung

Der Rücktritt Kemmerichs am frühen Nachmittag ist in den Augen von Sebastian Naumann „die einzig richtige Entscheidung gewesen“. Der 22-jährige Student aus Bad Tölz will in den Kreistag. Kemmerich hätte in seinen Augen die Wahl gar nicht erst annehmen dürfen. Das politische Feuer, das er damit entzündet habe, sei auch mit dem Rücktritt nicht gelöscht, sondern allenfalls eingegrenzt.

Eine Duldung durch die AfD, zumal die Höcke-AfD, hält Naumann nicht für möglich und zitiert den SPD-Politiker Martin Schulz. Gebe man den kleinen Finger, nehmen sie die ganze Hand.

Naumann nimmt Kemmerich indes ab, dass die Wahl nicht kalkuliert gewesen sei. Anderslautende Behauptungen in den Medien hält der junge Tölzer „für Humbug“. Kemmerich habe naiv gehandelt und sei wohl von der Aussicht auf das Ministerpräsidentenamt angetrieben worden. „Man spielt aber nicht mit dem Feuer.“

Wird das Thüringen-Debakel Folgen für die FDP haben. Naumann glaubt ja. Die FDP stehe vor dem Problem, gespalten zu sein. Es bestehe nun die Aufgabe, die Partei wieder auf einen Kurs zu bringen. Da sei er aber „zuversichtlich“.

Lesen Sie auch:

Sanierung der Tölzer Hütte: Millionenprojekt auf 1800 Metern Höhe

Vor der Kommunalwahl in Lenggries: Vier diskutieren – alle gewinnen: Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten

Ilse Aigner ehrt Georg Mair und Martin Heimgreiter

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Liveticker: Tölzer Löwen ringen Nauheim nieder - und ziehen die Play-offs ein
Für Löwen-Trainer Kevin Gaudet ist es das wichtigstes Jahres: An diesem Freitag kämpfen die Tölzer Löwen um die direkte Qualifikation für die Play-offs. Wie das Spiel …
Liveticker: Tölzer Löwen ringen Nauheim nieder - und ziehen die Play-offs ein
Tölz live: Tipps für das Wochenende 
Kleiner Blechschaden da, großer Stau dort, eine Gewitterfront zieht an, ein tolles Konzert startet in Kürze. Hier gibt‘s unseren Newsblog direkt aus der Redaktion.
Tölz live: Tipps für das Wochenende 
Kommunalwahl 2020: Markus Landthaler (FW) will für Lenggries, dass „das Dorf Dorf bleibt“
Fürs frei werdende Bürgermeisteramt in Lenggries schicken die Freien Wähler Markus Landthaler ins Rennen. Der 50 Jahre alte Polizist nimmt sich jedes Jahr eine Auszeit …
Kommunalwahl 2020: Markus Landthaler (FW) will für Lenggries, dass „das Dorf Dorf bleibt“
Sturm „Bianca“: B11 blockiert, Holzhütte auf Straße geweht
Sturm „Bianca“ sorgte in der Nacht zum Freitag für zahlreiche Feuerwehr-Einsätze. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen, mehrere Verbindungen wurden gesperrt.
Sturm „Bianca“: B11 blockiert, Holzhütte auf Straße geweht

Kommentare