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„Brutstätte für Kultur“: So nannte Kabarett-Schwergewicht Claus von Wagner die alte Madlschule in Tölz. 

Reaktionen auf Madlschul-Tauschpläne

„Das Flair hat die Franzmühle nie“

Bad Tölz - „Mit großer Bestürzung“ haben „Lust“ und „Komische Gesellschaft“ auf Gedankenspiele reagiert, die Madlschule gegen die Franzmühle zu tauschen. Der „einzigartige Charme“ des Kulturhauses sei nicht ersetzbar. Mit allen Hausnutzern wurde bisher noch nicht gesprochen.

Am wenigsten betroffen wäre wohl die Stadtkapelle, die in der Madlschule ihren – zu kleinen – Übungsraum hat und deshalb schon länger ein neues Zuhause sucht. Der Spielmannszug der Schützenkompanie (bis zu 50 Musiker) hat ebenfalls seinen Proben- und Versammlungsraum in der Madlschule. „Wir haben das mit viel Eigenleistung vor zehn Jahren schallschutztechnisch ausgebaut“, sagt Tambourmajor Martin Hinterholzer. So leicht wäre das „zentrale und ideale“ Heim nicht zu ersetzen. Auch er weiß offiziell „von nichts“.

Der kleine Billardclub Bad Tölz (15 Mitglieder) hat seit 31 Jahren sein Domizil und seine Spieltische in der ehemaligen Bücherei untergebracht. „An uns ist bisher niemand herangetreten“, sagt Vorstand Josef Fischhaber. Wenn es eine Ersatzlösung gäbe, könne er aber „mit allem leben“.

Nicht so einfach würde sich das mit einem Ballettschul-Umzug gestalten. Sabine Brandhuber ist auch schon 29 Jahre in der Madlschule daheim. Der Fehlboden schwinge und sei bestens fürs Tanzen geeignet, das Ambiente sei ideal. Der freundliche Charme des früheren Schulhauses strahlt auch auf seine Nutzer aus. „Wir helfen uns alle gegenseitig“, sagt Brandhuber, die von den Tauschplänen bisher nichts erfahren hat. Sie trainiert immerhin 60 Kinder. Die VHS komme mit ihren Trainings-Kursen, etwa Pilates, auch in ihrem 11 mal 7,50 Meter großen Tanzsaal unter. „Für den Preis finde ich am freien Markt gar nichts“, sagt Brandhuber, die im ersten Moment auch schon ans Aufgeben gedacht hat.

Am meisten betroffen wären von einem Umzug wohl die Kulturvereine „Lust“ und „Komische Gesellschaft“ (KG). Lust-Chef Sepp Müller ist seit 15 Jahren dabei und sagt: „Alles, was bei der Lust passiert, hat sich mit dem Gebäude verwoben.“ Als Echo auf den Bericht über die Tauschpläne im Tölzer Kurier habe ihm eine häufige Besucherin gesagt: „Ich komme ja nicht nur wegen der Künstler. Ich will das Knarzen der Stufen hören.“ In einem Brief an die Stadt schreiben Lust-Chef Müller und KG-Vorsitzende Verena Peck durchaus dankbar vom „Luxus, den sich die Stadt mit dem Kulturhaus seit Jahren leistet“. Sie stellen aber auch fest, dass der Charme des alten Gebäudes und das „subkulturelle, unsanierte Ambiente“ eine unersetzliche Quelle künstlerischer Inspiration und Offenheit sei. Viele prominente Künstler hätten trotz geringerer Gage lieber in der Madlschule als etwa im Kurhaus gespielt. Müller erzählt von Kabarett-Schwergewicht Claus von Wagner, der die Tölzer Madlschule einmal als „Brutstätte für Kultur“ bezeichnete.

Verena Peck ist seit drei Jahre KG-Chefin. Sie ist „traurig“, weil ihr „Urvertrauen in die Stadt, dass dieses Haus nicht angetastet wird“ erschüttert wurde. Betroffen auch deshalb, „weil man mit uns nicht gesprochen hat. Und das, obwohl wir alles ehrenamtlich machen.“

Ludwig Retzer, 20 Jahre Lust-Vorstand, fühlt sich an die 1980er-Jahre erinnert. Da habe die Lust schon einmal Hals über Kopf von der alten Knabenschule ausziehen müssen. Auch wenn der Putz bröckle: „Wir haben die Madlschule liebgewonnen. Dieses Flair wird die protzige Franzmühle nie haben.“

Christoph Schnitzer

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