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„Ohne uns würde es nur noch drunter und drüber gehen“: Die gewerblichen Anbieter von Bootstouren sehen sich als Botschafter des Naturschutzes. Helme und Schwimmwesten gehören für sie selbstverständlich dazu. Doch sie hadern damit, dass sie ihre Angebote auf der Isar erst ab 1. Juni durchführen können.

Bootfahren auf der Isar

Raues Fahrwasser für Tourenanbieter

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Nach der ersten Saison mit den neuen Regeln auf der Isar beklagen die Unternehmer eine einseitige Belastung.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Bei den winterlichen Temperaturen liegt der Gedanke ans Bootfahren auf der Isar nicht direkt nahe. Doch für die gewerblichen Anbieter von Bootstouren ist nach der Saison vor der Saison. Und dem kommenden Sommer blicken sie mit einiger Unsicherheit entgegen.

Der Sommer 2019 war der erste, in dem eine neue Verordnung mit Regeln fürs Bootfahren auf der Isar galt. Dazu zählen etwa eine 0,5-Promille-Grenze, eine Schwimmwestenpflicht für Kinder bis 12 oder das Verbot von Glasflaschen und Lautsprechern an Bord. Zudem darf nur noch zwischen 7 und 20.30 Uhr über den Fluss geschippert werden.

Für Christian Kinzler, Geschäftsführer der „Sport-Piraten“ in München, ist das alles kein Problem: „An die Sicherheitsregeln und die Befahrungszeiten haben wir uns schon immer gehalten“, sagt er. Das bestätigt Heiko Fröhlich vom Anbieter „Montevia“ in Lenggries. „Die Auflagen erfüllen wir sowieso um Längen“, sagt er. „Ich würde sogar noch viel weiter gehen und ein komplettes Alkoholverbot und eine Schwimmwestenpflicht für alle einführen. Denn jeder, der auf einem Wildfluss unterwegs ist, braucht das entsprechende Equipment und ein ordentliches Boot.“

Als „massive Einschränkung“ empfinden beide Anbieter aber, dass das Bootfahren erst ab 1. Juni erlaubt ist. Für sie fällt damit ein ganzer Monat von der Saison weg – „ein großer wirtschaftlicher Einschnitt“, sagt Kinzler. „Und es konnte mir noch keiner plausibel erklären, warum das so ist.“

Anbieter unsicher, ob sie die Erlaubnis für 2020 bekommen

Das Landratsamt hatte die Frist mit den Laichzeiten der Fische erklärt, die vor Juni nicht gestört werden sollen. „Aber wenn das so ist, dann müsste es ein generelles Betretungsverbot für die Isar geben, wie in einem Nationalpark, das dann für alle gilt“, meint Fröhlich, „für Fischer, Spaziergänger und Hundebesitzer.“ Die gewerblichen Bootstouren sieht Fröhlich hier bei Weitem nicht als größtes Problem. „Wir stoßen an einer Stelle mit den Booten in die Isar, und an einer anderen Stelle gehen wir wieder hinaus“, erklärt er. „Zwischendurch betreten wir keinerlei Laichplätze.“

Die Sperrzeit treffe einseitig ausgerechnet die gewerblichen Anbieter, die sich als „Bildungsbeauftragte und Multiplikatoren für Verständnis für die Natur sehen“, wie Fröhlich sagt. „Denn die Privatpaddler, die Party- und Badegäste kommen ohnehin erst ab Juni/Juli.“ Auch Kinzler betont: „Die schonendste Art, die Isar zu befahren, ist mit uns Profis. Ohne uns würde es nur noch drunter und drüber gehen.“ Denn ob sich private Bootfahrer an die Regeln halten, das könne man ohnehin nicht kontrollieren.

Zu schaffen macht Fröhlich auch, dass die Genehmigung, die er beim Landratsamt beantragen musste, nur für ein Jahr gilt – und er immer noch nicht weiß, ob er sie auch für den kommenden Sommer bekommt. „Den Antrag haben wir vor einem halben Jahr gestellt, aber noch keine Rückmeldung bekommen“, beklagt er. „Die Leute wollen jetzt schon für 2020 buchen, aber ich kann ihnen nicht zusagen. So kann ich mein Unternehmen nicht führen.“

Vor dem gleichen Problem steht „Sport-Pirat“ Kinzler. „Die Genehmigung wurde uns in Aussicht gestellt, aber wir warten noch auf die Bestätigung“, sagt er. „So können wir schlecht planen, wie viel Geld wir in die Ausbildung investieren sollen.“

Daniela Werner aus Lenggries hat jetzt schon genug: Mit ihrer „FFI GmbH“ will sie gar keine Bootsfahrten mehr anbieten. „Ich habe damit sowieso nie Geld verdient“, sagt die Lenggrieserin, die mit ihrem Mann Ruben ein Jugendgästehaus betreibt. Zielgruppe ihrer Bootstouren waren Kinder und Jugendliche, zum Beispiel Schulklassen oder Ferienpass-Gruppen, denen sie die Isar gerne mal aus ungewohnter Perspektive zeigte.

„Können es uns nicht mehr leisten, Touren anzubieten“

Bei den neuen Regeln passt aus ihrer Sicht einiges nicht zusammen. „Eine Schwimmwestenpflicht für Kinder ist doch selbstverständlich“, meint sie. Von einer Helmpflicht, die sie für ebenso nötig hält, sei dagegen keine Rede. Auch die zeitliche Beschränkung auf die Zeit ab 1. Juni hält Daniela Werner für nicht sehr sinnvoll. „Das sollte man eher vom Wasserstand der Isar abhängig machen“, sagt sie, „und der ist vor 1. Mai meistens höher.“

Beim TÜV habe man gar keine Kriterien gehabt, nach denen Boote zu zertifizieren seien, berichtet Daniela Werner. Ärgerlich fand sie, dass ihr das Landratsamt trotz vieler Rückfragen so lange nicht sagen konnte, ob sie eine Genehmigung bekommen würde, bis sie mehreren Schulklassen absagen musste. Nicht zuletzt treibt sie immer noch die Sorge um, dass die Tourenanbieter doch noch eine Umsatzpacht ans Wasserwirtschaftsamt bezahlen müssen, wie sie heuer vorübergehend zur Debatte stand. Ihr Fazit: „Wir können es uns einfach nicht mehr leisten, die Touren anzubieten.“

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