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Bootfahrverordnung

Regeln für die Isar: „Weniger Halligalli, mehr Naturerlebnis“

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Dass es im Landkreis mit der Bootfahrverordnung nun Regeln für die Nutzung der Isar gibt, wird unterschiedlich aufgenommen. Naturschutzverbände sind zufrieden, der Bayerische Kanu-Verband kündigt rechtliche Schritte an.

Bad Tölz – Karl Probst, Chef des Vereins „Rettet die Isar jetzt“, hat gute Laune. „Wir freuen uns, dass es so gekommen ist. Es ist auch eine gewisse Genugtuung, weil wir das seit Langem gefordert haben“, sagt der Lenggrieser zu den Regelungen der am Dienstag vorgestellten Bootfahrverordnung für die Isar im Landkreis. Natürlich hätte sich der Verein noch deutlich schärfere Vorgaben vorstellen können – beispielsweise ein komplettes Befahrungsverbot der oberen Isar und ein längeres Nachtfahrverbot. „Aber wir wollen jetzt auch nicht zu kritisch sein.“ Die Verordnung sei „ein Riesenfortschritt“ und werde hoffentlich zu „weniger Halligalli und mehr Naturerlebnis“ führen. Probst begrüßt auch, dass gewerbliche Anbieter seit dieser Saison eine Genehmigung beantragen und ein schlüssiges Konzept vorlegen müssen. „Jetzt weiß man, wer dort unterwegs ist.“ Alles in allem sehe er „keine übergebührliche Beeinträchtigung“ der Nutzer.

Völlig anders sieht das der Bayerische Kanu-Verband. „Die nun vorgelegte Verordnung greift mit ihren saisonalen Pauschalverboten in unverhältnismäßiger Weise in das Recht jedes Einzelnen auf Aufenthalt und Erholung in der freien Natur ein“, so Stefan Schmidt, Ressortleiter Umwelt und Gewässer im Kanu-Verband, in einer schriftlichen Stellungnahme. Er bezieht sich damit auf den Artikel 141 in der Bayerischen Verfassung, der das freie Betretungsrecht der Natur regelt. Den hatte auch Landrat Josef Niedermaier bei der Vorstellung der Verordnung zitiert. Schließlich gehe es darin auch darum, dass es eine staatliche Aufgabe ist, „Boden, Wasser und Luft als natürliche Lebensgrundlagen zu schützen“ – genauso wie den Lebensraum von heimischen Tier- und Pflanzenarten. Und dass gerade die Fische in der Isar unter dem Freizeitdruck leiden, hatte Joachim Kaschek von der Unteren Naturschutzbehörde am Beispiel des Huchen aufgezeigt. „Die Isar ist eine von drei Stellen, an der sich der Huchen noch selbst fortpflanzt.“ Allerdings fahren die Boote mitten durch die Kinderstube des Fischs.

Es gebe aber „bisher keinerlei Nachweis von nennenswerten Belastungen insbesondere auf Fische und deren Laicherfolg durch in moderater Befahrungsfrequenz naturverträglich betriebenen Kanusport“, hält der Verband dagegen. Um zu klären, ob das so ist oder nicht, hat der Landkreis eine FFH-Verträglichkeitsstudie in Auftrag gegeben. Bis die vorliegt, wird einige Zeit ins Land gehen. Schließlich muss die Isar über einen längeren Zeitraum beobachtet und untersucht werden, um herauszufinden, wie viel Nutzung sie verträgt. Je nach Erkenntnis werde die Verordnung angepasst, so Niedermaier.

Kanuverband kündigt Klage an

Der Kanuverband kritisiert auch, dass keine Unterscheidung zwischen „Partybetrieb und einem verantwortungsbewusst und umweltverträglich betriebenen Kanusport“ gemacht werde. Durch die monatelange Komplettsperrung werde den Vereinen „die Möglichkeit genommen, ihre Jugendlichen und Mitglieder ganzjährig zu verantwortungs- und umweltschutzbewussten Natursportlern auszubilden“. Nun will der Verband klagen.

Schon im Vorfeld mit der Verordnung befasst hatten sich die politischen Gremien der Isargemeinden. Da der Druck auf den Fluss immer größer geworden sei, sei es notwendig gewesen, Regeln aufzustellen, sagt der Lenggrieser Bürgermeister Werner Weindl. Auf anderen Flüssen sei die Nutzung schließlich längst reglementiert. „Deshalb ist die Isar auch immer mehr zum Ausweichfluss geworden.“ Sein Gaißacher Amtskollege Stefan Fadinger denkt ähnlich. „Wenn man sieht, was auf der Isar in letzter Zeit los war, brauchte es einfach klare Vorgaben.“ Für ihn steht und fällt der Erfolg der Verordnung allerdings mit dem Vollzug. Sprich: der Kontrolle, dass die Vorgaben eingehalten werden. Für den Eglinger Bürgermeister Hubert Oberhauser war die Verordnung vor allem mit Blick auf die Rettungskräfte wichtig. „Unsere Ortsfeuerwehren sind dort ständig im Einsatz.“ Hier erhoffe er sich durch die Reglementierung eine Verbesserung.

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Rubriklistenbild: © dpa / Stephan Jansen

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