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Regeln für die Isar: Wegen der großen Zahl an Bootsfahrern sieht das Landratsamt Handlungsbedarf.

Regeln fürs Bootfahren

Landratsamt bereitet Isar-Verordnung vor

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Soll es auf der Isar Bootsfahrverbote geben? Die Frage wird seit Langem heiß diskutiert, das Landratsamt schreckte bislang davor zurück. Nun aber plant die Behörde eine Verordnung, die der Nutzung des Flusses Schranken setzen könnte.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Die Isar wird als Ausflugsziel immer beliebter. Doch so schön es ist, hier die Natur zu genießen – auch die Schattenseiten sind nicht zu übersehen: eine zunehmende Belastung der Natur. Das Landratsamt ist nun zum Schluss gekommen, dass es Regelungsbedarf gibt, und bereitet eine Bootsfahrverordnung vor.

Ob diese ein wie auch immer geartetes Bootsfahrverbot beinhalten wird, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, erklärt Landratsamts-Sprecherin Marlis Peischer. „Wir stehen da noch ganz, ganz am Anfang“, sagt sie. Die gerade laufende „erste Phase“ bestehe darin, dass die Untere Naturschutzbehörde zunächst einmal Fakten sammelt. „Die Entscheidung soll auf der Grundlage von Wissen erfolgen.“ Dazu gehören zum Beispiel die Brutzeiten von Vögeln oder Laichzeiten von Fischen. Etwa Mitte bis Ende April soll diese Faktensammlung laut Peischer abgeschlossen sein.

Darauf folge dann eine „Beteiligungsphase“. Alle Betroffenen – von den Naturschutzverbänden bis hin zu kommerziellen Raftingtour-Anbietern – sollen die Gelegenheit bekommen, Stellungnahmen abzugeben. „Aus all dem sollen dann Vorgaben erarbeitet werden“, erklärt die Behördensprecherin. Vor dem Beschluss einer Verordnung steht also noch ein längeres Prozedere. In der bevorstehenden Bootsfahrsaison werde es demzufolge noch keine Regelungen geben, stellt Peischer klar. Was im Einzelnen in der Isar-Verordnung stehen wird, ist dementsprechend noch völlig offen. Die Ausgangslage beschreibt Peischer so: „Einerseits gab es schon immer Tourismus auf der Isar, andererseits sind auch gewisse Auswüchse zu beobachten.“ Prinzipiell sei das Ziel der geplanten Verordnung, dass der „Normalverbraucher“ auch weiterhin die Möglichkeit habe, mit seiner Familie einen Bootsausflug auf der Isar zu unternehmen, aber auch, dass die Natur vor bestimmten Exzessen geschützt wird. Konkreteres lasse sich noch nicht sagen.

Dass das Landratsamt die Verordnung überhaupt in Angriff nimmt, findet Karl Probst schon einmal erfreulich. „Dazu gehört Mut, ich bin positiv überrascht“, sagt der Vorsitzende von „Rettet die Isar jetzt“ anerkennend. Der Verein fordert so eine Bootsfahrverordnung schon seit Langem. Vorbild könne etwa die „Ammer-Verordnung“ im Landkreis Weilheim-Schongau sein.

„Wir erleben auf der Isar eine brutale Vermassung“, sagt Probst. „Mittlerweile drängt sich die gesamte Outdoor-Szene Deutschlands auf dem Fluss.“ Dass deswegen Regelungsbedarf besteht, liegt aus Sicht des Lenggriesers auf der Hand. Bisher sei die Nutzung der Isar ja nur über den Gemeingebrauch geregelt – es gilt also das freie Betretungsrecht der Natur, die Einschränkungen sind minimal. „Das reicht angesichts der Massen nicht mehr aus.“

Trotzdem liegt auch ihm eines am Herzen: „Keiner soll ausgesperrt werden.“ Auch Probst spricht von „Auswüchsen“, denen Einhalt geboten werden müsse. Wie genau die Reglen aussehen sollten, will Probst der Diskussion vorbehalten. Denkbar seien aber Beschränkungen im Winter, während der Brutzeit oder bei Niedrigwasser. Zudem ist es Probst wichtig, dass überhaupt einmal erfasst wird, wie viele und welche gewerblichen Anbieter auf der Isar unterwegs sind.

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