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Im Rehazentrum Isarwinkel ist das Thema Pflege seit einem halben Jahr abgeschlossen. Der Betreiber setzt nach der Schließung seines Heims neue Schwerpunkte.

Rehazentrum Isarwinkel

Hilfe für Jugendliche statt für Senioren

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Bad Tölz – Nach der Schließung des Pflegeheims im Rehazentrum Isarwinkel konzentriert sich der Betreiber auf andere Angebote.

Das Kapitel Pflege ist im Tölzer Rehazentrum Isarwinkel abgeschlossen – und das bleibt auch so. „Pflege bieten wir nicht mehr an“, erklärt Dr. Arnold Torhorst, Geschäftsführer des Real-Verbunds, der im ehemaligen städtischen Krankenhaus diverse Reha-Einrichtungen betreibt. Nach der Schließung des dortigen Pflegeheims vor einem halben Jahr ist Torhorsts Unternehmen bei der Betreuung von alten auf junge Menschen umgeschwenkt.

„Wir setzen zwei weitere Schwerpunkte innerhalb des Bereichs, in dem wir seit 21 Jahren arbeiten“, sagt Torhorst. Damit weist er Gerüchte zurück, denen zufolge im Haus wieder eine Pflegeeinrichtung geplant sei. Wie berichtet musste das Pflegeheim des Betreibers Gemeinnützige Rehagesellschaft (GRG) unter dem Dach des Real-Verbunds schließen. Denn zuvor waren von den Aufsichtsbehörden festgestellte gravierende Mängel über einen längeren Zeitraum nicht abgestellt worden. „Das hat nicht geklappt“, kommentiert Torhorst heute trocken – und bleibt dabei, dass es die Probleme, die es im Rehazentrum Isarwinkel gab, auch in vielen anderen Einrichtungen gebe. Das Grundproblem sei überall, geeignete Fachkräfte zu finden.

"Notmaßnahme" für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

In einen Teil der frei gewordenen Räume waren vergangenen Herbst zunächst unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eingezogen. Laut Torhorst war diese Nutzung aber nie auf Dauer angelegt. Auch Helga Happ, die zuständige Abteilungsleiterin im Landratsamt, spricht von einer „Notmaßnahme“. Zu jenem Zeitpunkt seien dringend Plätze für die jugendlichen Asylbewerber benötigt worden, so dass man sie vorläufig ohne die nötige heimaufsichtliche Genehmigung im Rehazentrum Isarwinkel einquartierte. Geplant sei gewesen, dass Torhorst das langwierige Genehmigungsverfahren nachholen sollte.

In der Zwischenzeit aber hat sich die Lage verändert. Zum einen kommen insgesamt praktisch keine Flüchtlinge mehr im Landkreis an. Zum anderen werden minderjährige Asylbewerber schon seit 1. November nach einem neuen Schlüssel auf die deutschen Bundesländer verteilt. „Diesen Schlüssel übererfüllt Bayern bislang, so dass minderjährige Flüchtlinge zurzeit nur noch anderen Bundesländern zugewiesen werden“, so Happ. „Und das bleibt wohl auch noch eine Weile so.“

Von den Flüchtlingen, die im Rehazentrum Isarwinkel lebten, seien mittlerweile einige volljährig, die übrigen seien schon vor Längerem in andere Unterkünfte verlegt worden.

Junge Leute sind es aber nach wie vor, die nun im ehemaligen Pflegeheim betreut werden – und zwar schwer psychisch Kranke ab 16 Jahren. „Der Bedarf ist enorm“, sagt Torhorst. Die Reha, die sein Verbund in Bad Tölz anbiete, sei ein „nachklinisches Angebot“ für Jugendliche ab 16 und junge Erwachsene. Im Anschluss an ihre Behandlung in kinder- und jugendpsychiatrischen Kliniken wie der Heckschen Klinik in München oder Hochried in Murnau seien einige „noch so krank, dass sie nicht nach Hause entlassen werden können“. Für eine längerfristige Reha hätten Betroffene früher bis nach Hessen ausweichen müssen. Heute biete etwa auch die Herzogsägmühle in Peiting eine jugendpsychiatrische Reha an. Dennoch herrsche oberbayernweit noch immer eine große Angebotslücke. Insgesamt bezeichnet Torhorst die Kinder- und Jugendpsychiatrie als „notleidendes Gebiet, von dem niemand weiß“. Denn darüber, dass ein Kind seelisch krank ist, würden viele Familien nicht gerne reden.

Der Real-Verbund habe in diesem Bereich Erfahrung und Kompetenz und könne auch Synergie-Effekte mit der Arbeit ihrer berufsvorbereitenden Maßnahmen mit eigener Werkstatt an der Osterleite nutzen. Dennoch würden aktuell noch mehr qualifizierte Mitarbeiter gesucht – laut Torhorst auch kein leichtes Unterfangen. „Auf dem Markt sind nämlich die Sozialpädagogen verschwunden – großteils in die Flüchtlingshilfe.“

Perspektivisch seien 24 Plätze für die Kinder- und Jugendreha vorgesehen, von denen aktuell bereits zehn belegt seien – „mit zunehmender Tendenz der Nachfrage“, so Torhorst. Kostenträger sind – je nach Fall – Krankenkassen oder Jugendhilfe.

Als zweiten Schwerpunkt anstelle der Pflege setzt der Psychiater auf die „soziale Reha“ für psychisch Kranke – in Ergänzung zur medizinischen und beruflichen Reha, auf die sein Unternehmen ohnehin spezialisiert ist.

Pflege finde im Rehazentrum Isarwinkel zwar noch am Rande statt – aber nicht vom Real-Verbund durchgeführt. Denn im Haus leben im „sozialtherapeutischen Langzeitwohnen“ auch ältere psychisch Kranke, von denen einzelne geringen Pflegebedarf haben. „Für sie haben wir die Pflege an einen ambulanten Pflegdienst übertragen“, stellt Torhorst klar.

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