Verspätete Reifenwechsel-Saison: Wer heuer zu Ostern schon Sommerreifen aufgezogen hatte, lief Gefahr, noch eine böse Überraschung zu erleben. Mittlerweile aber hat Horst Kuhn von ATU in Bad Tölz alle Hände voll zu tun.
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Verspätete Reifenwechsel-Saison: Wer heuer zu Ostern schon Sommerreifen aufgezogen hatte, lief Gefahr, noch eine böse Überraschung zu erleben. Mittlerweile aber hat Horst Kuhn von ATU in Bad Tölz alle Hände voll zu tun.

Wetterkapriolen zögern Ansturm in Autowerkstätten hinaus

Reifenwechsel in Tölz: Auf „O bis O“ ist heuer kein Verlass

Für den Reifenwechsel gilt normalerweise die Faustregel „O bis O“. Von Ostern bis Oktober sind demnach Sommerreifen angebracht. Doch was, wenn es wie heuer im Februar schon 20 Grad hat, aber bis weit über Ostern noch Schneestürme übers Oberland hereinbrechen? In den meisten Werkstätten im Landkreis hat sich der große Ansturm deutlich verspätet.

Bad Tölz-Wolfratshausen - „Wir befinden uns heuer noch in den Anfängen der Reifenwechsel-Saison“, berichtet Horst Kuhn, Mitarbeiter der ATU Autowerkstatt in Bad Tölz. „Teilweise mussten wir schon Termine verschieben, weil es plötzlich Schneefälle gab.“ Peter Sonner, Inhaber der Tölzer Kfz-Werkstatt Reitberger, hält den richtigen Zeitpunkt zum Reifenwechsel dieses Jahr für Anfang Mai. Der Automechaniker berichtet mit einem Schmunzeln: „Trotz der warmen Temperaturen im Februar haben wir damals noch keine Sommerreifen montiert.“ Noch einen zusätzlichen Ratschlag hat Anton Gerg, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses in der Jachenau: „Die Sommerreifen sollten erst bei einer konstanten Temperatur von mindestens 7 Grad montiert werden.“

In allen Werkstätten müssen die Kunden mit einer Vorlaufzeit von circa einer Woche rechnen. Dabei kostet der Reifenwechsel in der Regel zwischen 20 und 45 Euro. Falls die Reifen in der Werkstatt eingelagert werden, wird es teurer.

Der Sommerreifen bietet gegenüber dem Winterreifen mehrere Vorteile, da der Gummi deutlich härter ist. Gerg erklärt: „Die Sommerreifen kommen besser mit Wärme klar, der Bremsweg ist kürzer, und das Fahrverhalten ist somit besser.“ Im Gegensatz dazu werde der weichere Gummi des Winterreifens im Sommer schleimig und fahre sich schnell ab.

Im Sommer mit Winterreifen fahren, kann im Ausland teuer werden

Wie Peter Sonner erläutert, ist neben dem Sicherheitsaspekt des Sommerreifens der niedrigere Spritverbrauch hervorzuheben. Des Weiteren seien Autofahrer mit Winterreifen an eine Geschwindigkeitsbegrenzung gebunden, welche am Reifen vermerkt sei.

„Insgesamt ist es jedoch weitaus gefährlicher, mit Sommerreifen im Winter zu fahren als andersherum“, findet Rupert Heller, Geschäftsführer der gleichnamigen Werkstatt in Steinbach. Entsprechend herrsche in Deutschland keine Sommerreifenpflicht. „Aber man muss aufpassen, wenn man beispielsweise nach Italien möchte. Dort kann es sehr teuer werden, falls der Fahrer ohne Sommerreifen erwischt wird“, warnt Gerg.

Allwetterreifen: In unseren Breiten nicht zu empfehlen

Juniorchef Arben Amiti von „Amiti Auto Fit“ in Geretsried, meint: „Falls ein Unfall in Deutschland passiert und am Auto die falschen Reifen montiert waren, muss der Fahrer mit einer Teilschuld rechnen, selbst wenn er überhaupt keinen Fehler gemacht hat.“

Ob es sich um einen Winter- oder Sommerreifen handelt, ist leicht zu erkennen. Winterreifen sind mit einer Schneeflocke und einem gezackten Berg gekennzeichnet. „Außerdem haben Sommerreifen gerade und Winterreifen schräge Rillen“, erklärt Kuhn.

Von Allwetterreifen raten alle Werkstätten ab. Hans Zerreßen, Chef der gleichnamigen Autowerkstatt in Wolfratshausen, findet: „Allwetterreifen sind ein Kompromiss für Leute, die nicht oft Auto fahren und kaum auf ihr Auto angewiesen sind.“ Laut Gerg fahren weniger als 10 Prozent seiner Kunden mit Allwetterreifen. Und ATU-Mitarbeiter Kuhn ergänzt: „Im Norden würde ich möglicherweise Allwetterreifen empfehlen, aber in Bayern haben wir dafür zu starke Winter. Allerdings kaufen es sich trotzdem viele Menschen, da sie Geld sparen können“, sagt Kuhn.

Mindestprofiltiefe und Reifenalter müssen passen

Es müssen nicht jede Saison neue Reifen gekauft werden. Allerdings sollten die Reifen ein Mindestprofil von vier Millimetern aufweisen und nicht älter als fünf bis sechs Jahre sein. Kuhn rät: „Die passende Profiltiefe kann anhand eines Ein-Euro- Stücks gemessen werden, denn dessen Rand sollte ganz reinpassen.“ Das Reifenalter könne am Reifen selbst mit Hilfe der vierstelligen DOT-Nummer abgelesen werden. Die Zahlen „0715“ bedeuten, dass der Reifen in der siebten Kalenderwoche 2015 produziert wurden.

Der Preis der Reifen ist weniger von der Automarke abhängig als von der Reifengröße. Alte Reifen können im Sondermüll entsorgt werden. ATU nimmt auch Altreifen an und recycelt diese. Anschließend wird der Gummi zum Beispiel für Gummimatten verwendet.

Der Tölzer Autohaus-Geschäftsführer Hubert Auer beobachtet, dass heutzutage viel weniger Menschen ihre Reifen selbst zu Hause wechseln. „Dazu fehlt meist die nötige Ausrüstung, wie zum Beispiel ein Wagenheber.“ Auch Gerg rät nicht zum selbstständigen Reifenwechsel: „Die Leute benötigen dazu ein bestimmtes Fachwissen. Es ist schon öfter vorgekommen, dass die Reifen fehlerhaft befestigt wurden und es am Ende zu größeren Schäden und Kosten kam.“ (Stefanie Pfleger)

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