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Reinhold Messner beim Signieren seiner Bücher – hier mit Christina Böhm aus Geretsried.

Reinhold Messner: „Beim Scheitern habe ich am meisten gelernt“

Ein Erlebnis für alle Bergbegeisterten bot Reinhold Messner jetzt im ausverkauften Kurhaus.

Bad Tölz Bereits zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre hatte Veranstalter Steffen Heyn von „Wunderfalke Events“ den Südtiroler Bergsteiger Reinhold Messner am Sonntag nach Bad Tölz geholt. Das Publikums-Interesse ist nach wie vor ungebrochen. Erneut hätte Heyn weit mehr Eintrittskarten verkaufen können als das Kurhaus Plätze bot.

Reinhold Messner, der heuer 75 Jahre alt wird, zeigt keinerlei Anzeichen von Erschöpfung seiner physischen und intellektuellen Reserven. Er ist ein Medienstar, der die Massen fasziniert. Und sein Vortrag war keine Wiederholung früherer Tölzer Auftritte, ihm lag ein ganz neues Konzept zugrunde.

Vor drei Jahren hatte Reinhold Messner eine Art kritische Lebensbilanz gezogen, tiefe Einblicke in sein Ich gewährt und eine philosophische Vision über die menschliche Existenz entworfen, die auch Nicht-Bergsteiger beeindruckte. Dieses Mal trat er wieder als der „Alpinist“ auf, der den Zuhörern das Bergsteigen buchstabierte. Auch darin ist und bleibt er einfach der Beste: Der Südtiroler Lehrersohn, der als Extremkletterer und Höhenbergsteiger, Weltenbummler und Mythenforscher, Buchautor und EU-Abgeordneter, Bergbauer, Burgherr und Gründer von sechs Museen überall Besonderes geleistet hat, ist ein begnadeter Erzähler, der stets druckreif formulieren und Emotionen wecken kann.

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Nun ging Messner „vierdimensional“ an die Weltberge heran: Zum einen mit neuartigen, überaus spektakulären 3D-Darstellungen aus dem Weltall. Und die vierte Dimension? Das ist für ihn die jahrtausendealte „innere Haltung“ der Menschen gegenüber den Bergen in allen unterschiedlichen geschichtlichen und kulturellen Ausprägungen. „Ich will die Beziehung Mensch-Berg auch jenen erklären, die nie etwas Höheres als einen Barhocker bestiegen haben“, versuchte er es auch mal mit Humor.

Jahrtausende lang waren die Berge für die Menschen einfach nur heilig, allen voran der Kailash im tibetischen Transhimalaya. Vor 170 Jahren kamen auf Eroberungen erpichte Engländer in die Alpen und entdeckten sie als „Playground of Europe“. Nach ihrem „Sieg“ über das Matterhorn 1865 begann der „Schwierigkeitsalpinismus“, also das Suchen besonders schwieriger Routen; danach kam der „Verzichtsalpinismus“, das Hinaufkommen mit möglichst wenig Hilfsmitteln. Dieser Ablauf wiederholte sich 100 Jahre später im Himalaya. Was für Messner jetzt noch bleibt, ist das „Unmögliche, das irgendwann möglich sein wird“.

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Mount Everest, K 2, Kantsch, Nanga Parbat, Dhaulagiri, Nanda Devi, Masherbrum, Aconcagua oder Denali – sein Vortrag war auch eine tolle Bildersinfonie für Bergbegeisterte. Alpinismus sei wildes Abenteuer mit der Frage nach dem „Unmöglich oder Möglich“, betonte er, denn „beim Scheitern habe ich am meisten gelernt“. Der Mount Everest auf einer mit Fixseilen präparierten Route sei hingegen nur „Tourismus“.

Kein Messner-Vortrag ohne Erinnerung an die Nanga Parbat-Tragödie von 1970, als er seinen jüngeren Bruder Günther verlor – ein Trauma, das ihn bis heute nicht loslässt: „Wenn wir uns für die Gefahr entscheiden“, sagte Messner, „tragen wir dafür allein die Verantwortung.“ (Rainer Bannier)

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