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Auftritte vor dem Papst hat der Tölzer Knabenchor mehrfach absolviert. Dieses Archivbild zeigt die Knaben vor Papst Benedikt XVI., als dieser 2006 Deutschland besuchte. Später empfing er den Chor in Rom zur Privataudienz. Auch Benedikts Nachfolger Franziskus weiß die Stimmen aus Tölz zu schätzen. Bei dem bevorstehenden Konzert in Rom sind möglicherweise zwei Päpste zugegen. Foto: dpa

Reise nach Rom im Juni

Papst will Tölzer Knabenchor hören

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Der Tölzer Knabenchor steht vor einem herausragenden Konzert seiner Geschichte: Er wurde vom Päpstlichen Chor eingeladen, in der Sixtinischen Kapelle in Rom zu singen. Vielleicht sogar vor zwei Päpsten.

Bad Tölz/München/Rom – Alles begann damit, dass Barbara Schmidt-Gaden plötzlich einen Anruf aus dem Vatikan bekam: Der Päpstliche Chor der Sixtinischen Kapelle habe Interesse an einem gemeinsamen Konzert, erfuhr die Geschäftsführerin und Tochter von Chorgründer Gerhard Schmidt-Gaden. Und zugleich könnten die Römer dann ja auch in Bayern auftreten.

Es folgte der Besuch von zwei Gesandten, „denen wir die ganze Bandbreite der bayerischen Kultur zeigten“, sagt Barbara Schmidt-Gaden lächelnd. Und auch bei den Vertragsverhandlungen wurde man sich einig. Die Konzerte werden in Rom und in München stattfinden. „Die Sixtiner nach Tölz zu bringen, war zum einen aus zeitlichen, zum anderen aus organisatorischen Gründen so kurzfristig nicht möglich“, sagt Schmidt-Gaden. „Wir singen einige Stücke gemeinsam und müssen dafür zusätzliche Probezeiten einplanen.“

Es ist beileibe nicht der erste Auftritt des Tölzer Knabenchors in Rom – die Sänger waren schon oft dort, 2011 hatten sie sogar eine Privataudienz bei Papst Benedikt XVI. Einen Auftritt zusammen mit dem Päpstlichen Chor in der Sixtinischen Kapelle hat es jedoch noch nie gegeben. „Ich freue mich schon sehr, die Sixtinische Kapelle ohne Touristen zu erleben“, sagt Schmidt-Gaden.

Das besondere Konzert wird am 29. Juni, am Fest Peter und Paul, in Rom stattfinden – ein bedeutender Tag in der katholischen Kirche. Eingeladen sind nur besondere Gäste, Sponsoren und Freunde des Vatikan sowie die Hohe Geistlichkeit.

Vielleicht kommen sogar die beiden Päpste gemeinsam. Papst Franziskus hat sich die Aufführung spezieller Werke von den Tölzern gewünscht, nämlich „Tu es Petrus“ von Palestrina und von Perosi sowie das „Credo“ von Palestrina. „Ich weiß aber nicht, ob er dem Konzert auch persönlich beiwohnt“, sagt Schmidt-Gaden. „Er hat an diesem Tag einen vollen Terminkalender.“ Eventuell kommt auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. Es ist bekannt, dass der ehemalige Kardinal Ratzinger den Tölzer Knabenchor sehr schätzt. „Vielleicht erinnert er sich ja auch daran, dass wir ihm gerne mal Apfelstrudel aus seinem Lieblingscafé in München vorbeibringen, wenn wir in Rom sind“, sagt Barbara Schmidt-Gaden lächelnd.

Der zweite Auftritt in Rom ist ein ökumenischer Gottesdienst, der zusammen mit Papst Franziskus gefeiert wird. Weil man auch in Rom einige Veranstaltungen im Reformations-Gedenkjahr durchführt, wünschte sich der Vatikan explizit, dass der Tölzer Knabenchor Werke von Johann Sebastian Bach aufführt. „Und sie haben sich erkundigt, ob wir auch ein Chor sind, in dem mehrere Konfessionen vereint sind“, berichtet Schmidt-Gaden und fügt schmunzelnd hinzu: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal voller Stolz berichte, dass einer unserer beiden Chorleiter katholisch, der andere evangelisch ist.“ Und auch unter den Sängern gebe es natürlich verschiedene Konfessionen.

Der Päpstliche Chor der Sixtinischen Kapelle ist der nachweislich älteste Knabenchor der Welt. Er wurde um 600 von Papst Gregor dem Großen gegründet. Derzeit hat er 60 Mitglieder. Es ist jener Chor, der bei päpstlichen Liturgiefeiern die musikalische Gestaltung übernimmt. Die Männerstimmen übernehmen heutzutage festangestellte Profis. Vor der Knabenchor-Reise nach Rom kommt der Päpstliche Chor aber erstmal nach München. Am Dienstag, 20. Juni, findet in der Pfarrkirche St. Ursula in München ein ökumenischer Gottesdienst mit beiden Chören statt (19 Uhr). Am Mittwoch, 21. Juni, gibt es um 19 Uhr in der Theatinerkirche in München ein Sonderkonzert des Päpstlichen Chores. Beide Male ist der Eintritt frei, Spenden werden erbeten. Für Chorgründer Gerhard Schmidt-Gaden wird es heuer also ein Juni voller Höhepunkte sein – am 19. feiert er seinen 80. Geburtstag.

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