Erläuterten das Gutachten: BRK-Kreisgeschäftsführer Andreas Schäfer (re.), Markus Bail (Leiter Rettungsdienst, Mi.) und sein Stellvertreter Jörg Meyer.
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Erläuterten das Gutachten: BRK-Kreisgeschäftsführer Andreas Schäfer (re.), Markus Bail (Leiter Rettungsdienst, Mi.) und sein Stellvertreter Jörg Meyer.

„Trust-Gutachten“

Rettungsdienst: Bad Tölz-Wolfratshausen ist gut aufgestellt

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Im Rahmen des „Trust-Gutachtens“ wurde bayernweit der Rettungsdienst, dessen Einsätze sowie deren Entwicklung unter die Lupe genommen. Der Landkreis schneidet in wichtigen Bereichen sehr gut ab. Aber es gibt auch ein Problemfeld.

  • Bei bayernweiten „Trust Gutachten“ wurde auch der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen bewertet
  • Rettungsdienst ist hier relativ schnell nach Alarmierung vor Ort
  • Walchensee erweist sich als zunehmendes Problem

Bad Tölz-Wolfratshausen – Eine optimal organisierte Rettungskette ist lebensrettend. Wie gut es damit in Bayern bestellt ist, wird in regelmäßigen Abständen im Rahmen des „Trust-Gutachtens“ analysiert. Durchgeführt wird es am Institut für Notfallmedizin und Medizinmanagement an der LMU München, und zwar im Auftrag von Innenministerium und der Arbeitsgemeinschaft der Sozialversicherungsträger in Bayern. Bei einem Gespräch stellte das BRK die Ergebnisse für den Landkreis vor einigen Tagen vor.

In wichtigen Bereichen gute Bilanz

Der wichtigste Kennwert für die Notfallrettung ist die 12-Minuten-Hilfsfrist. Mindestens 80 Prozent der Notfälle in einem Versorgungsbereich müssen innerhalb einer Fahrzeit von zwölf Minuten durch ein Rettungsmittel, also zum Beispiel einem Sanka, erreicht werden. „Der Landkreis liegt hier im oberen Drittel Bayerns“, berichtet Kreisgeschäftsführer Andreas Schäfer. Konkret sieht es so aus: Im Bereich der Rettungswache Geretsried wird dies bei 95 bis 100 Prozent der Fälle erreicht, in Wolfratshausen zwischen 90 bis 95 Prozent und in den Bereichen Bad Tölz, Kochel und Lenggries in 85 bis 90 Prozent der Fälle. Das liege an der Struktur des Landkreises, erklärt Schäfer. Denn am bevölkerungsreichsten sei der Norden, und im Süden sei die Region flächiger.

Situation am Walchensee problematisch

Als ein zunehmendes Problem betrachtet man aber die Situation am Walchensee, nämlich in Bezug auf das Verkehrsaufkommen. Wie berichtet, gibt es Tage, an denen der Rettungsdienst bei Einsätzen nur mit Mühe durch den Verkehr kommt. „Und es wird immer schlimmer“, sagt Rettungsdienstleiter Markus Bail. „Wenn das so weiter geht, müssen wir eine neue Lösung finden.“ Eine Möglichkeit sei zum Beispiel, im Sommer einen Rettungswagen am See zu stationieren. Diese Entscheidung liege jedoch nicht in den Händen des BRK, sondern müsse politisch und finanziell im Innenministerium entschieden werden. In den „Runden Tisch“ am Walchensee ist für das BRK der Wasserwacht-Chef Alois Grünwald eingebunden.

Aber auch den Norden des Landkreises dürfe man nicht aus den Augen verlieren, sagt Jörg Meyer, der stellvertretende Rettungsdienstleiter. Man müsse den Strukturwandel im Blick haben, etwa große neue Bebauungen – zum Beispiel auf der Böhmwiese in Geretsried –, aber auch die geplante S-Bahn-Verlängerung. „Hinzu kommt auch, dass die Menschen im Landkreis immer älter werden“, sagt Schäfer.

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Um die gesetzlich vorgeschriebene 12-Minuten-Hilfsfrist einzuhalten, spielt auch der Standort der Krankenhäuser eine entscheidende Rolle. Angesichts des Gutachtens und mit Bezug auf die vor Kurzem im Kreisausschuss entbrannte Diskussion über die beiden Kliniken im Landkreis (wir berichteten), appelliert BRK-Geschäftsführer Schäfer: „Wir brauchen beide Krankenhäuser, und zwar beide mit gleichwertiger Grund- und Regelversorgung.“ Ansonsten sei die gute Versorgung der Patienten in Gefahr.

Im Landkreis ist der Rettungsdienst durchschnittlich in sechs Minuten vor Ort

Das „Trust-Gutachten“ untersucht auch das Zeitintervall zwischen Ausrücken und Ankunft am Einsatzort. Im Durchschnitt dauert es in Bayern fünf bis neun Minuten. Im Landkreis sind es weniger als sechs Minuten. Damit ist die Region wie fünf andere Landkreise Spitzenreiter. „Ein riesen Lob an alle Mitarbeiter draußen auf der Straße“, sagt Jörg Meyer.. „Sie leisten alle ganz hervorragende Arbeit.“

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2019 wurde der Rettungsdienst in Landkreis fast 24 000 Mal alarmiert, das entspricht der Zahl von 2018. Rund 7000 Mal wurde zusätzlich ein Notarzt gebraucht. Der Einsatzort ist übrigens zu mehr als 50 Prozent zu Hause, gefolgt von Straßenverkehr (14 Prozent), Seniorenheim und Arbeitsplatz. Hier gibt es bayernweit kaum Unterschiede.

Das Gutachten untersuchte auch die „Prähospitalzeit“. Bei Notfallpatienten soll innerhalb von 90 Minuten nach Notrufeingang mit einer klinischen Therapie begonnen werden. Der bayernweite Durchschnitt liegt bei 46 Minuten, im Landkreis schafft man es mit weniger als 40 Minuten. Das ist Spitzenplatz zusammen mit Neuburg-Schrobenhausen.

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