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Zwischen Schätzen und Kuriositäten: Thomas Jurczyk mit einem edlen Gehrock von Lorenz Ganter und einem Ledermantel vom Atelier Daniel Leder, wie er in den 1980er-Jahren modern war. 

Insolvenzverkauf geht in die letzte Runde

Rita Brauns Trachten zu Schleuderpreisen

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Trotz Rabatten von bis zu 80 Prozent läuft der Insolvenzverkauf bei „Trachten Kirner“ schleppend. An den drei letzten Tagen kostet deshalb kein Kleidungsstück mehr als 50 Euro.

Bad Tölz– So schwierig hätte sich Thomas Jurczyk das nicht vorgestellt. Natürlich umfasst das Sortiment von „Trachten Kirner“ viel Altmodisches: Manche Röcke, Joppen und Dirndl sind noch in D-Mark-Preisen ausgezeichnet. Aber unter den ursprünglich 6725 Kleidungsstücken gibt es auch zeitlose Kleidungsstücke, die zum Teil um mehr als die Hälfte reduziert sind. „Es wundert mich, dass bislang nicht mehr ging“, sagt Jurczyk, der den Nachlass- und Insolvenzverkauf organisiert. „Wenn wir 1000 Teile verkauft haben, ist das viel.“

Über die Gründe kann Jurczyk nur spekulieren. Vielleicht nehmen manche die Aktion nicht ernst. Schließlich hatte Inhaberin Rita Braun in den vergangen zehn Jahren gefühlt immer mit Räumungsverkauf und den damit verbundenen Rabatten geworben. Vielleicht sei es den Kunden im Laden aber auch zu kalt: „Es ist schwer zu heizen“, sagt Jurczyk.

Einheimische und Touristen schauen zwar durchaus am Amortplatz vorbei. Allerdings eher, um sich ein letztes Mal in den Räumen von „Trachten Kirner“ umzusehen, anstatt etwas zu kaufen. Manche machen laut Jurczyk sogar Fotos von dem Laden. Hier, im Reich von Rita Braun, kauften früher schließlich Stars wie Hollywood-Schauspielerin Liz Taylor oder die ehemalige Miss World Petra Schürmann ein.

Vom Glanz der alten Tage ist wenig geblieben: Heute rufen Mitarbeiter von Theatern bei Jurczyk an. Sie wollen die Trachten als Kostüme billig einkaufen. Andere Kunden decken sich bei „Trachten Kirner“ für den Fasching ein, hat Jurczyk beobachtet.

Wie berichtet, heißt es seit dem 19. Oktober bei „Trachten Kirner“: Alles muss raus. Nach dem Tod der bekannten Trachtenhändlerin im Sommer muss Jurczyk deren Besitz zu Geld machen. Damit sollen die Außenstände zumindest zum Teil beglichen werden. Die Zeit drängt: „Wir müssen raus“, sagt der Geschäftsführer der Firma „GSK“ in Holzkirchen. „Jeder Monat kostet Miete.“

Wenn der Nachlass-Verkauf am Samstag in die letzte Runde geht, ist für Jurczyk und sein Team die Arbeit aber noch längst nicht beendet. Bis Ende Januar müssen sie das Geschäft und die Wohnung der Verstorbenen leer räumen. Nicht verkaufte Trachten gehen an Online- oder Flohmarkt-Händler. Wer in die Räume eimzieht, ist unklar. Auf Nachfrage teilt die Vermieterin mit, dass noch kein Nachmieter gefunden worden sei.

Klar ist: An den drei letzten Verkaufstagen wird noch einmal radikal reduziert. Mäntel, Jacken, Anzüge und Schuhe kosten pauschal nur noch 50 Euro, kündigt Jurczyk an. Dirndl sind bereits für 30 Euro zu haben. Einzelteile wie Hosen gibt es für 20 Euro, Blusen und Westen sogar nur zehn Euro. „Wer da nicht zuschlägt, ist selber schuld.“

Öffnungszeiten

Vom 14. bis 16. Dezember gibt es bei „Trachten Kirner“ noch einmal dicke Rabatte. Geöffnet ist am Donnerstag und Freitag von 10 bis 18 Uhr, am Samstag von 10 bis 16 Uhr. Bezahlt werden kann nur in bar.

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